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Österreich rüstet auf

25.02.2004

2003 brachte mit einem geförderten Investitionsvolumen von 830 Mio. Euro wieder einen Investitionsrekord. 69% ging in die Hotellerie, 21% in die regionale Infrastruktur, 10% in den Restaurantbereich.

Von nichts kommt nichts! Mit dieser alten Weisheit lässt sich das vergangene Tourismusjahr umschreiben. Nicht nur die Nächtigungen und Umsätze haben im letzten Jahr zugenommen, auch die Investitionsbereitschaft ist deutlich gestiegen.
Die vom Wirtschaftsministerium zu Verfügung gestellten Förderungsmittel haben diesen Trend noch weiter verstärkt.
Im vergangenen Jahr wurde mit einem geförderten Investitionsvolumen von 830 Mio. Euro das auch schon sehr gute Jahr 2002 noch um 8% übertroffen.
In der Hotellerie sind die Verbesserung der Qualität und die Schaffung von infrastrukturellen Einrichtungen das beherrschende Thema. Viel wurde in die Zimmer und hier insbesondere in den Bäderbereich investiert.
Auch ein Trend hin zu größeren Einheiten – teils durch Neubau, teils durch Zusammenlegung bestehender Zimmer – lässt sich beobachten.
„Gerade bei großen und luxuriös ausgestatteten Zimmern sind Gäste kaum preissensibel. Oft werden diese Zimmer trotz des höheren Preises zu erst nachgefragt“, bringt KR Hans Melcher, Hotelier in Faak am See und Vorsteher des Fachverbandes Hotellerie das geänderte Kundenverhalten auf den Punkt.

Bei komfortablen Zimmern spielen Preise kaum eine Rolle
Mit den getätigten Investitionen werden mehrere Ziele verfolgt: Einerseits soll mit einem attraktiven Zusatzangebot wie etwa Wellness-Bereichen die Wetterunabhängigkeit erhöht werden, was auch zur Saisonverlängerung beiträgt.
Andererseits wird versucht mit einer verbesserten Ausstattung in den Zimmern und den Aufenthaltsräumen im Qualitätswettbewerb mitzuhalten.
„Die Gäste schätzen es, wenn sie sehen, was wir mit ihrem Geld machen und kommen gerne wieder“, erklärt Wolfgang Hagsteiner vom 4-Sterne-Hotel Landgut Furtherwirt im Tiroler Kirchberg.
Hagsteiner hat vergangenes Jahr vor allem in seine rund 40 Zimmer investiert: „Am beliebtesten sind unsere Zwei-Raum-Studios mit 70 und mehr Quadratmetern für den Familienurlaub. Zwei getrennte, moderne Bäder gehören heute einfach dazu.“
Große Investitionen haben in der Regel nur bedingt mit der Buchungslage zu tun, weil diese langfristig geplant sind.

Dennoch lassen die investitionsstarken Jahre 2002 und 2003 darauf schließen, dass die Branche mit Optimismus in die Zukunft schaut.
„Gerade in der Vierstern-Kategorie tut sich sehr viel. Neben der erfreulichen Entwicklung im Tourismus insgesamt sind auch die niedrigen Zinsen ein Investitionsmotor. Gab es früher Jahre, in denen 12% des Umsatzes und mehr für Zinsen aufgewendet werden mussten, liegt die derzeitige Belastung eher bei 7%“, umreißt Dr. Franz Hartl, Geschäftsführer der Tourismusbank die deutlich besseren Rahmenbedingungen.

Zugpferd der Investitionstätigkeit ist der Wintersport und hier die traditionell starken Regionen in Tirol. Neben qualitativen Verbesserungen in die Ausstattung der Zimmer dienen Investitionen in den Wellness-Bereich dazu, die Saison zu verlängern bzw. auch als Ganzjahresbetrieb zu reüssieren.
Wolfgang Hagsteiner hat mit dem Furtherwirt die Wintersaison jetzt bis nach Ostern ausgedehnt, die Sommersaisonen gehen von Mai bis Mitte November. Damit ist der Furtherwirt fast schon ein Ganzjahresbetrieb. „Nur mit der Zeit von Mitte November bis Weihnachten tun wir uns etwas schwer“, beschreibt Hagsteiner ein Problem, das viele Hoteliers nur zu gut kennen.
Im Gegensatz zur Vierstern-Hotellerie, die sich in den vergangenen Jahren fast durchwegs gut entwickelt hat, haben viele Betriebe der unteren Kategorien mit großen Problemen zu kämpfen.

Problematische Strukturprobleme der 3-Stern-Häuser
Der Unterschied bei den Investitionen von Drei- und Vierstern-Häusern wird immer größer. Das liegt unter anderem daran, dass die meisten Drei-Stern-Hotels immer noch eine zu geringe Betriebsgröße aufweisen, um langfristig erfolgreich zu sein. Mit weniger als 100 Betten ist es aber schwierig, genug Umsatz zu erwirtschaften, um zukunftsträchtige Investitionen zu tätigen. Die Katze beißt sich dann in den Schwanz. Weil Investitionen fehlen, gelingt es nicht, das Haus auch außerhalb der absoluten Hochsaison zu füllen, und mit der zu geringen Auslastung lassen sich solche Häuser langfristig nicht erfolgreich führen.
Entweder Aufrüsten oder Zusperren lautet die Devise, die durch einen Rückgang der Bettenzahl im Drei-Sterne-Bereich auch dokumentiert ist.
Solide Vierstern-Hotels, die gehobenen Familienurlaub bieten, wie etwa Arnold Puchers Hotel Wulfenia am Nassfeld, haben in der Wintersaison nicht mit Auslastungsproblemen zu kämpfen. Dennoch tritt Pucher auf die Euphoriebremse und will trotz „fetter“ Jahre eine gesunde Eigenkapitalisierung bewahren bzw. eine bessere erlangen. Für die nächsten Jahre sind keine neuen Großinvestitionen geplant: „Das Kapital muss sich ja auch rechnen. Das Hotel ist jetzt praktisch komplett erneuert und bietet den Gästen auch im Sommer genug Abwechslung.“

Sorge bereitet traditionellen Skigebieten wie dem Nassfeld oder dem Arlberg die noch immer geringe Auslastung im Sommer. Nur größere Häuser mit einem unfangreichen Freizeitangebot haben dann geöffnet, das große Geschäft ist es aber zumeist nicht. Was dennoch für’s Offenhalten spricht ist, dass ein komplettes Zu- und Wiederaufsperren von größeren Häusern auch viel Geld verschlingt und dass es so einfacher ist, Schlüsselkräfte ganzjährig ans Haus zu binden. Hoteliers wie Jakob und Anton Wrann, die im Winter in Oberlech das Hotel Bergkristall und im Sommer das Hotel Post und das Seehotel Europa in Velden betreiben, tun sich hier entschieden leichter.
Wellness und regionale Infrastrukturprojekte weiter stark
Nach wie vor ist das Thema „Wellness“ mit 26% der in der Hotellerie getätigten Investitionen ein wesentlicher Schwerpunkt, wenngleich mit leicht sinkender Tendenz.

Wenn man sich den Bereich Wellness genauer ansieht, fällt auf, dass nur 6% der Investitionen von Hotels getätigt werden, die ihren Angebotsschwerpunkt im Bereich Wellness haben. Hier scheint der große Investitionsschub also bereits abgeschlossen. Wenn solche Hotels in Wellness investieren, dann aber kräftig. Durchschnittlich lagen die Investitionen dieser Häuser in den Wellnessbereich bei 2,1 Mio. Euro. Hotels mit Wellness als Zusatzangebot investierten hingegen nur durchschnittlich 1,2 Mio. Euro. Acht Prozent aller im Wellnessbereich getätigten Investitionen flossen in Einrichtungen auf Ortsebene wie Thermalbadeanlagen oder Kurhäuser. Diese Investitionen schlugen mit durchschnittlich 14,5 Mio. Euro zu Buche.
Insgesamt zeichnet die aktuelle Investitionsbilanz der Tourismus-Bank ein positives Bild der Branche, das sich laut Dr. Franz Hartl auch im kommenden Jahr fortsetzen dürfte: „Wenn noch einige weitere so gute Jahre kommen, könnte sich auch die Situation bei der Eigenkapital-Quote entspannen.“ Der Strukturwandel der Branche ist jedenfalls voll im Gange, aber bei weitem noch nicht abgeschlossen.
Das Bekenntnis zu mehr Qualität zeigt sich neben Investitionen in Freizeiteinrichtungen und Wellnessbereichen vor allem in großzügiger dimensionierten Zimmern, für die man auch außerhalb der Hochsaisonen einen entsprechenden Preis bekommt. Für kleinere Ferienhotels der 3- und 2-Stern-Kategorie wird es noch schwieriger werden. Chancen haben hier wohl nur Nischenanbieter mit eiserner Kostenkontrolle.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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