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Österreichs Seen werden wärmer

24.07.2009
See

Die österreichischen Bundesforste (ÖBf) bewirtschaften mehr als 100 Seen in Österreich - vom Attersee über den Grundlsee bis zum Wörthersee. Insgesamt repräsentiert die von den ÖBf betreute Seefläche mehr als 70% der Gesamtseefläche in Österreich.

Die wirtschaftlichen Schwerpunkte im Zusammenhang mit Seen liegen bei den Bundesforsten im Bereich der Fischerei einerseits und der Immobilienbewirtschaftung andererseits. So gewinnen die Bundesforste aus ihren Seen im Salzkammergut den so beliebten und nachgefragten Wildfang-Naturfisch. Andererseits betreuen die Bundesforste eine Vielzahl von Immobilienpartner an den Seen und den Seeufern - allein am Attersee gibt es 2.500 Kunden. "Die Seen sind ganz besondere Naturjuwele der Bundesforste" erklärt ÖBf-Vorstand für Finanzen und Immobilien, Georg Schöppl, "zugleich ist kein Groß-Unternehmen in Österreich so stark vom Klimawandel betroffen wie die Bundesforste. Für den Wald haben wir bereits unsere Schlüsse daraus gezogen - ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit wird die Auseinandersetzung mit den Auswirkungen auf unsere Seen sein."

Die österreichischen Seen sind auch für den Tourismus von großer Bedeutung, zählt doch der Badeurlaub zu einer der wichtigsten Urlaubsarten in Österreich mit immer steigender Beliebtheit. So nennt jeder vierte Sommerurlauber in Österreich als Urlaubsmotiv Badeurlaub, in den Seenregionen sind es sogar mehr als die Hälfte (56%). Angesprochen auf ihre Urlaubsaktivitäten sagen 39% aller Gäste, dass sie an einem See baden; in den Seeregionen sogar 68%. Nach dem Wandern gehört das Baden somit zu den beliebtesten sportlichen Aktivitäten im Sommerurlaub.

Wirtschaftlich profitieren die Seenregionen auch durch die zusätzlich genutzten Angebote, erläutert Petra Stolba, Geschäftsführerin der Österreich Werbung: "Der Badeurlauber liegt nicht nur auf seinem Badetuch, sondern nutzt auch das Angebot der Region. Diese punkten mit attraktiven Ergänzungsangeboten zum reinen Badevergnügen und sind in dieser Hinsicht sehr erfolgreich, denn die Tagesausgaben vor Ort liegen beim Seenurlauber etwa 1/3 über jenen anderer Urlauber." Auch für die Zukunft sieht die Österreich Werbung bei der Vermarktung der heimischen Seen noch Potenzial. Nicht nur, weil viele ausländische Gäste bisher Österreich mit kalten Bergseen statt mit Badeseen in Verbindung bringen: "Die Menschen suchen verstärkt nach Rückzugsorten, an denen Urlaub auch als 'Reise zu sich selbst' gelingen kann. Wenn es gelingt, die österreichischen Seen ursprünglich, sauber und authentisch zu bewahren, haben wir einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Destinationen", so Stolba.

Nun haben die Bundesforste eine Studie in Auftrag gegeben, die sich mit möglichen Veränderungen der Seen im Zusammenhang mit dem Klimawandel und damit vor allen Dingen mit dem globalen Temperaturanstieg beschäftigt. Der Studienautor, Univ.-Prof. Dr. Martin Dokulil, ist als langjähriger Forscher am Institut für Limnologie der Akademie der Wissenschaften in Mondsee einer der wichtigsten Experten Österreichs in Sachen Seenbiologie. Ziel seiner Studie war die Prognose der See-Wassertemperaturen in der Badezeit von Juni bis September bis zum Jahr 2050. Untersuchungsgegenstand waren 12 Seen in Oberösterreich, der Steiermark, Salzburg und Kärnten vom Altausseersee über den Fuschlsee bis zum Weißensee. Methodisch orientierte sich Dokulil einerseits an bestehenden Temperaturaufzeichnungen der Seen und andererseits an dem Verhältnis zwischen Lufttemperatur und Wassertemperatur.

Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Anstieg der See-Wassertemperaturen: Im Schnitt steigt die Wassertemperatur bis 2050 um 2Grad an. Die Anstiege an den einzelnen Seen sind sehr unterschiedlich, so wird sich der Grundlsee um 1,2Grad erwärmen, während der Fuschlsee seine Temperatur gleich um 2,9Grad erhöhen wird. Manches heute als reiner "Segel-See" bekanntes Gewässer wie beispielsweise der Traunsee wird im Jahr 2050 wärmer als so mancher Badesee von heute sein. So wird der Traunsee 2050 mit 19Grad Durchschnittstemperatur beispielsweise den Attersee mit seiner heutigen Temperatur von 18,8Grad übertreffen.

Diese Studie bildet für die Bundesforste die Basis zur Vertiefung in die zukünftige Entwicklung der einzelnen Seen. Denn gerade im Bereich der Fischerei erwarten sich die Bundesforste große Veränderungen. Deshalb werden vertiefende Studien zu einzelnen Seen und deren Fischbiologischer Entwicklung in Auftrag gegeben. Speziell der Hallstättersee mit seinem einmaligen Reinanken-Bestand sowie der Grundlsee werden Gegenstand näherer Untersuchungen sein. "Uns geht es vor allem darum bereits heute zu verstehen, welche Auswirkungen der Klimawandel für die Seen hat" erklärt ÖBf-Vorstand Georg Schöppl die Motivation für die Beauftragung der Studie, "ein Baum braucht bei uns durchschnittlich 120 Jahre bis er erntereif ist, deshalb sind wir es gewöhnt, weit in zu Zukunft zu schauen und rechtzeitig Vorkehrungen zu treffen."

Für den Tourismus sehen es die Österreichischen Bundesforste und die Österreich Werbung als ihre gemeinsame Aufgabe, alle von den zukünftigen Seetemperaturentwicklungen Betroffenen über die Studie zu informieren. Zu diesem Zweck wird nicht nur die gesamte Studie online zugängig gemacht, sondern auch ein "Runder Tisch" einberufen. "Wir werden gemeinsam mit allen Landestourismusorganisationen sowie Vertretern des für Tourismus zuständigen Wirtschaftsministeriums und der Wirtschaftskammer Österreich beraten, welche Schlüsse wir aus den Ergebnissen der Studie ziehen und wie die konkreten nächsten Schritte aussehen werden", so Stolba abschließend.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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