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Ohne blauen Dunst geht’s nicht im Café

30.05.2007

Die neue Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky hat die Nichtraucherschutz-Vereinbarung evaluiert. Nur 41 Prozent der Wiener Gastronomiebetriebe haben die Vorgaben umgesetzt. Auch in den Bundesländern sieht es nicht besser aus. Daher wird es zu einer gesetzlichen Regelung kommen. Ein generelles Rauchverbot in Lokalen soll es aber nicht geben.

Erinnern Sie sich noch an die Vereinbarung zur Selbstverpflichtung betreffend Nichtraucherzonen in Gastronomiebetrieben? Die ehemalige Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat vereinbarte mit der Fachgruppe Gastronomie, dass Betriebe mit über 75m2 Lokalfläche für zumindest 40 Prozent der Sitzplätze Nichtraucherzonen oder Nichtraucherräume anbieten müssen, um ein generelles, gesetzliches Rauchverbot zu vermeiden.

Verfälschtes Ergebnis
In den letzten Wochen überprüften Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums bundesweit und stichprobenartig die Einhaltung des Nichtraucherschutzes. Ziel dabei war es, in den öffentlichen Einrichtungen auf Bundes- wie auch Landesebene die Ausschilderung der Rauchverbotshinweise und die Umsetzung der freiwilligen Vereinbarung mit der Gastronomie betreffend die Errichtung von Nichtraucherbereichen in Gastronomiebetrieben zu kontrollieren.

Dabei konnte festgestellt werden, dass in sehr vielen Gastronomiebetrieben Initiativen zum Ausbau des Nichtraucherschutzes gesetzt wurden. Der bundesweite Anteil an eingerichteten Nichtraucherbereichen (Nichtraucher-Zonen, Nichtraucherräumen) liegt bei 96 Prozent, wenn auch in zum Teil sehr unterschiedlichen Umsetzungsqualitäten. Es wurde jedoch in keinem Bundesland der Zielwert der Selbstverpflichtung (90 % Durchdringungsdichte bei 40% der Lokalfläche) erreicht. Wien erreichte nur 41 Prozent. Dieses Ergebnis wollen die Funktionäre der Fachgruppen Wiener Kaffeehäuser und Gastronomie nicht glauben und orten eine massive Verfälschung des Ergebnisses. Fachgruppenobmann der Wiener Kaffeehäuser Günter Ferstl: „Wir wissen, dass die Kontrollore des Gesundheitsministeriums auch in Lokale gegangen sind, die gar nicht verpflichtet waren, eine Nichtraucherzone zu errichten. Espressi, Kaffeehäuser und Bars, die weniger als 75 m2 Gästebereich haben, fallen nicht unter die Selbstverpflichtung. Leider wurde hier sehr ungenau, schlampig und ohne die Vereinbarung zu beachten, kontrolliert.” Auch Helmut Hinterleitner, Obmann des Fachverbandes Gastronomie der WKÖ, meint zum Ergebnis: „In ganz Österreich wurden 1.299 Gastronomiebetriebe geprüft, wir werden jetzt die Zahlen auf ihre Plausibilität überprüfen, da gibt es noch einige Ungereimtheiten in der Untersuchung.”

Gesetzliche Regelung
Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky zeigt sich über die Resultate der Evaluierung enttäuscht: “Sie hat nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Nächster Schritt wird also eine gesetzliche Regelung sein. Sie soll im Herbst den Nationalrat passieren und am 1. Jänner 2008 in Kraft treten. Ein generelles Rauchverbot in Lokalen wird es jedoch nicht geben.” Als geeignetes Modell sieht die Ministerin für alle Gastronomiebetriebe über 75 Quadratmeter eine Separierung durch räumliche Trennung oder “raumlufttechnische Einrichtungen”. Für kleinere Lokale (unter 75 m2) werde die sogenannte spanische Lösung herangezogen. Soll heißen: Die Gaststätten müssen sich entweder als Raucher- oder als Nichtraucherlokale deklarieren.
„Wir werden den Trend nicht aufhalten können, dass die EU auf Rauchverbote setzt. Ich bin sehr froh, dass kein allgemeines, gesetzliches Rauchverbot kommt. Wie die derzeitigen Überlegungen von Gesundheitsministerin Kdolsky betreffend räumlicher Trennung oder Lüftungsanlagen sich in der Praxis umsetzen lassen, weiß ich noch nicht“, erklärt Tina Hummel vom Café Hummel in Wien 8. Hummel fordert weiters, dass auch alle Gaststätten, egal welcher Lokaltyp, ob Café, Bar oder Disco, aber auch Vereine und Klubhäuser mit Kantinen, die in direkter Konkurrenz zum Dorfwirt stehen, über eine Nichtraucher-Zone verfügen müssen. „Es kann nicht sein, dass Café-Restaurants hier benachteiligt werden. Ich rechne mit keinen Umsatzeinbußen, denn ich hoffe, dass die Liebe zum Kaffeehaus größer ist, als zu Hause zu bleiben und dort zu rauchen.
Hingegen wünscht sich der Fachgruppenobmann der Wiener Kaffeehäuser, selbst Besitzer mehrerer Bars, dass kleine Cafés ohne Speisenangebot und Bars von der Regelung ausgenommen werden. „Nur dann kann ich mit der neuen Regelung leben. Für allfällige kostenintensive Umbauten müssen umfangreiche Förderungen her, denn Gesundheit kostet auch etwas“, meint Ferstl.

Vor dem Hintergrund, dass es eine gesetzliche Regelung zum verstärkten Schutz von Nichtrauchern ab 2008 geben wird, sprach sich Hinterleitner im Sinne der österreichischen Wirtshaus- und Kaffeehauskultur für ein Miteinander von Politik und Gastronomie aus, das auch weiterhin bestehen müsse, „um auf Basis der freiwilligen Vereinbarung gemeinsam optimale Lösungen zu finden. Wir treten weiterhin für ein harmonisches Miteinader von Rauchern und Nichtrauchern ein. Nichtraucher sollen sich nicht belästigt fühlen. Andererseits wollen wir nicht wie in anderen Ländern die Raucher im Winter vor die Tür schicken.“

Egal ob klein oder groß
Manfred Staub vom Café Sperl in Wien 6 meint, dass die Gastronomie keineswegs versagt hat. „Denn was ich so höre, glaube ich sehr wohl, dass wir die 60:40 Lösung erfolgreich umgesetzt haben. Ich zweifle wie viele meiner Kollegen an den Zahlen des Gesundheitsministeriums. Auch die Vorschläge betreffend Trennwänden und Lüftungsanlagen sind für mich völlig unrealistisch. No, ich glaub´ nicht, dass der Denkmalschutz damit einverstanden ist, wenn ich nun Trennwände im Sperl aufziehe oder einen Umbau zwecks Lüftungsanlage vornehme. Dies wird alles nicht genehmigt werden.“ Weiters möchte Manfred Staub, dass auch die großen wie die kleinen Lokale, die Wahlmöglichkeit haben ob sie sich als Raucher- oder Nichtraucherlokal deklarieren. „Endlich ist die Großfamilie zusammengerückt, jetzt soll sie wieder getrennt werden. Früher gingen die Männer ins Café zum Rauchen, den Damen war es verboten, in Gesellschaft zu rauchen. Noch vor wenigen Jahren rauchten mehr Burschen als Mädchen, heute hat sich das zumindest bei uns im Café umgekehrt“, stellt Manfred Staub fest. Im Café Sperl gibt es die 60 : 40 Lösung, aber in der rauchfreien Zone bleiben die Tische oft leer. „Ich habe Gäste, die dürfen zu Hause nicht mehr rauchen und kommen dafür zu uns ins Café. Wir haben damit Umsatz gewonnen“, freut sich Staub und ist davon überzeugt, dass Rauchverbote, ähnlich wie in Schottland, auch bei uns zu Umsatzeinbußen führen werden. Und bevor es zu irgendwelchen Rauchverboten kommt, fordert er Luftschadstoff-Messungen in den Lokalen. „Wir haben sechs Meter hohe Räume, eine gute Lüftung, und ich glaube nicht, dass unsere Luft gesundheitsgefährdend ist. Rauchverbote sollten von Lokal zu Lokal individuell entschieden werden“, meint Manfred Staub.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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