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Paragraphendschungel in der Wüstenmetropole

19.10.2008

Seit knapp einem Jahr arbeiten Clemens Tamegger und Paul Kiefer im Dubaier Weinhandel. Die größte Herausforderung ist dabei nicht die Hitze der Wüste, sondern der undurchdringliche Dschungel an Vorschriften für den Verkauf von Alkohol

D ubai ist ein besonderes Land, und zwar in vielerlei Hinsicht. Einerseits ist es ein streng gläubiges arabisches Emirat, in dem die Gesetze des Korans ernst genommen werden. Dazu gehört auch ein generelles Alkoholverbot. Andererseits ist Dubai auch eine moderne, internationale Wirtschafts- und Tourismusmetropole. Neben den zahlreichen Touristen, die jedes Jahr nach Dubai kommen, lebt hier auch rund eine Million Ausländer (85% der Bevölkerung). Für diese gelten andere Gesetze, auch was den Alkoholkonsum betrifft.
Hotels als Oasen in der Wüste
Alle internationalen Hotels haben eine sogenannte "Liquor Licence", das heißt, sie dürfen an Nichtmuslime Alkohol ausschenken. Die Kontrolle, wer ein Muslim ist, und wer nicht, ist wie ich selbst beobachten konnte denkbar einfach. Sobald man westlich gekleidet auftritt, darf man uneingeschränkt trinken. Trägt ein Araber jedoch die traditionelle Dischdascha, ziemt es sich für ihn nicht, Alkohol zu bestellen. Da sich praktisch alle Clubs, Bars und Restaurants in Hotels befinden, bekommt ein normaler Tourist vom Alkoholverbot für Muslime nichts mit.
Ex-Pats (also Ausländer, die in Dubai arbeiten) können eine auf ein Jahr befristete Lizenz erwerben, die es ihnen erlaubt, in speziellen Liquor-Stores Alkohol für den Heimkonsum zu kaufen.
Duopol beim Vertrieb
Der Vertrieb von alkoholischen Getränken ist den zwei Unternehmen "African & Eastern Ltd" und "mmi" vorbehalten.
Seit knapp einem Jahr arbeiten nun die beiden österreichischen Weinexperten Clemens Tamegger (zuvor bei Morandell) und Paul Kiefer (zuletzt Alpe Adria Weindepot) als Key Account Manager für mmi in Dubai und betreuen exklusive Hotels.
"Die direkte Kundenbetreuung ist in Dubai besonders wichtig, weil hier öffentliche Werbung für Alkoholika verboten ist. Selbst Fachzeitschriften und Bücher über Wein dürfen nur in Liquor-Stores vertrieben werden", erklärt Paul Kiefer beim Interview.
"Vor allem bei weniger bekannten Marken steht und fällt der Absatz mit unserem Engagement. So verkaufen wir auch sehr gerne den Grünen Veltliner von Laurenz V., doch man kann nicht davon ausgehen, dass jeder indische Barkeeper die Besonderheiten unserer Paradesorte kennt", berichtet Clemens Tamegger.
Gleichzeitig sind die Servicemitarbeiter jedoch sehr neugierig und aufgeschlossen. "Und unser Grüner Veltliner passt wirklich hervorragend zur asiatischen Küche, die hier weit verbreitet ist. Wenn man sich die Mühe macht, auf die Besonderheiten jedes Lokals einzugehen, kann man hier einiges bewegen", meint Kiefer.
Zweigeteilter Markt
Der Weinmarkt in Dubai teilt sich grundsätzlich in zwei Segmente. Auf der einen Seite gibt es relativ günstige Weine, die zumeist aus Australien und Chile stammen und überwiegend für den glasweisen Verkauf bestimmt sind. Hier spielt ein günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis eine große Rolle. Schließlich wird auf jede importierte Flasche zuerst 50% Einfuhrsteuer und dann noch einmal 30% Sales Tax aufgeschlagen.
Auf der anderen Seite ist Dubai aufgrund der hohen Zahl an wohlhabenden Business-Leuten ein dankbarer Markt für echte Premiumweine. "Vor allem bei Champagner und rotem Bordeaux gilt das Motto: je exklusiver, desto besser. Aber auch die italienischen Supertuscans finden hier reißenden Absatz", weiß Tamegger.
The sky is the limit
Dubai ist auch deshalb ein so interessanter Markt, weil ein Ende des Booms in Gastronomie und Hotellerie nicht abzusehen ist. "Es ist gewaltig, zu sehen, was hier abgeht. Es macht einfach Spaß, vor Ort dabei zu sein und den Aufbau neuer Großprojekte aktiv mitzugestalten", erklärt Kiefer, wieso er sich letzten Winter entschieden hat, beruflich eine Zeit lang nach Dubai zu gehen.
"Für mich war es auch wichtig, einmal in einem internationalen Umfeld zu arbeiten. Man lernt einfach unheimlich viel, wenn man tagtäglich mit den besten Hotelketten der Welt zu tun hat", so Tamegger.
Unmittelbar ist keine Rückkehr nach Österreich geplant. Eine Zeit lang will Tamegger noch in Dubai bleiben, danach kann er sich jedoch auch eine asiatische Metropole als neuen Dienstort vorstellen. Ein Botschafter des Grünen Veltliners wird er dabei aber auf jeden Fall bleiben.
Wolfgang Schedelberger

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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