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Keine Entspannung: Wellnessbehandlungen im Hotel können unter die Pauschalreiserichtlinie fallen

Pauschalreiserichtlinie ist ab 1. Juli gültig - was nun?

02.07.2018

Das Pauschalreisegesetz (PRG) ist in Kraft getreten, eine nationale Verordnung befindet sich noch in Begutachtung und wird wohl im September kommen. Handlungsbedarf für das Beherbergungsgewerbe besteht schon jetzt. Eine Versicherung kann helfen.

Mit den neuen gesetzlichen Regelungen über Pauschalreisen und verbundene Leistungen werden künftig Hoteliers als Pauschalreiseanbieter klassifiziert, sobald sie Packages anbieten, in denen mehr als 25% Leistungsbestandteile enthalten sind, die nicht vom Hotel selbst erbracht werden.

Für eine Pauschalreise müssen Reiseleistungen aus zwei der folgenden vier Kategorien kombiniert werden:

  1. Beförderung einer Person
  2. Unterbringung einer Person
  3. Autovermietung oder Vermietung anderer Kraftfahrzeuge
  4. Sonstige Reiseleistung, die nicht wesensmäßiger Bestandteil einer der anderen Reiseleistungen ist. Dazu gehören unter anderem Eintrittskarten für Konzerte, Führungen, Skipässe, Vermietung von Sportausrüstungen, Wellnessbehandlungen, ....

Während es bei der Kombination der Unterbringung mit Beförderung und Autovermietung immer zu einer Pauschalreise kommt, wurde bei den sonstigen Reiseleistungen das Erfordernis vorgesehen, dass diese zumindest einen Wert von 25 % am Gesamtwert der Kombination der Reiseleistungen ausmachen, als wesentliches Merkmal der Kombination beworben werden oder auch sonst ein wesentliches Merkmal der Kombination sind.

Insolvenzabsicherung notwendig

Damit trifft die heimischen Beherbergungsbetriebe auch die gesetzlich verpflichtende Insolvenzabsicherung. Hotels, die Pauschalangebote schnüren, können sich künftig mittels Bankgarantie bzw. über eigene Versicherungslösungen gegen den Geschäftsausfall absichern und somit der in der Richtlinie verankerten Verpflichtung zur Insolvenzabsicherung gerecht werden.

 „Es kann nicht sein, dass durch diese neuen Regelungen unseren Hoteliers die Angebotsentwicklung der für das Gasterlebnis so wichtigen Urlaubspackages erschwert wird“, so der Generaldirektor der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank Wolfgang Kleemann. Im Rahmen einer vom Tourismusministerium beauftragten Studie hat die ÖHT sämtliche Optionen zu einer Insolvenzabsicherung gemäß Reisebürosicherungsverordnung (RSV) geprüft. „Als einzige Variante hat sich eine Versicherungslösung herausgestellt“, sagt Kleemann, „das von der ÖHT ausgearbeitete Modell stellt gleichermaßen geringen Verwaltungsaufwand, überschaubare Kosten, gesetzeskonforme Risikoabdeckung für Beherbergungsbetriebe und vollständigen Schutz der Konsumenten sicher“.

Was kostet das?

„Die Prämien sind wirklich moderat“, sagt Kleemann.  „Ein Beherbergungsbetrieb mit einem Umsatz von 1,0 Mio. Euro kann sich vollständigen Versicherungsschutz zu einer Jahresprämie von knapp 1.570 Euro, ein Unternehmen mit einem Jahresnettoumsatz von 5,0 Mio. zu rd. 6.150 Euro sichern“.

Bankgarantie unvorteilhaft

Grundsätzlich könnten Betriebe die gesetzlich verpflichtende Insolvenzabsicherung auch mit einer Bankgarantie erfüllen. Damit beschneiden sich diese jedoch sehr wahrscheinlich ihren Finanzierungsrahmen und müssen außerdem dem zuständigen Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW) exakte Dokumentationen über Anzahl, Dauer, Inhalt und Preis aller Pauschalreisen übermitteln. Der damit verbundene bürokratische Aufwand würde ein für die Hotellerie so extrem wichtiges Verkaufsinstrument – nämlich die Schaffung von attraktiven Packages – entscheidend erschweren. „Mit der von ÖHT unter Beteiligung des Fachverbandes Hotellerie entwickelten Versicherungslösung können unsere Beherbergungsbetriebe den aus Sicht des Konsumentenschutzes ja verständlichen Wunsch nach einer Absicherung von Reiseanzahlungen auf einfache und kostengünstige Weise erfüllen“, zeigt sich Susanne Kraus-Winkler, Sprecherin des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO), mit der Absicherungslösung zufrieden.

Versicherer ist die deutsche HDI Global SE, Teil des weltweit operierenden Talanx-Konzerns. Sie konnte im Rahmen einer internationalen Ausschreibung als potentieller Risikoträger des Versicherungsvorhabens gewonnen werden. Denn nicht jede Versicherung traut sich über die Absicherung von Insolvenzen drüber, wie Edgar Puls, Mitglied des Vorstandes des Versicherungskonzerns HDI, erklärt.  Neben der HDI Global SE als Versicherer und der TVA-Tourismusversicherungsagentur GmbH als Dienstleister fungiert die Österreichische Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) zum einen als entscheidender Know-How-Partner in touristischen Angelegenheiten und zum anderen als zentrale Schnittstelle zu den primären Stakeholdern.

Pauschalreiseverordnung „überschießend“

Susanne Kraus-Winkler warnt aber auch, dass der Entwurf zur neuen Pauschalreiseverordnung (PRV), die wohl im September kommt, bislang noch  „völlig überschießend“ sei und „eine massive Belastung“ darstelle, da nicht klargestellt sei, dass lediglich Anzahlungen und Rückbeförderung abzusichern sind.

Marco Riederer von der Prodinger Tourismusberatung sagt: „Auch wenn die finanziellen Belastungen, wie von der ÖHT betont, durchaus moderat sind, so ist in den meisten Fällen dennoch von einer 4-stelligen Summe die Rede. Als einer von derzeit rund 1.800 Betrieben, die Pauschalreisen anbieten, muss ich mir dessen (und der Haftungsfragen) bewusst sein und auch die Informationspflichten beachten, um künftig die gesetzlichen Auflagen zu erfüllen.“

Erst vor Ort buchen lassen?

Kombinationen von verschiedenen Reiseleistungs-Arten wurden prinzipiell auch jetzt schon als Reiseveranstaltungsvertrag angesehen. Mit dem neuen PRG wird der Schutzbereich des Pauschalreiserechts jedoch weiter ausgedehnt und erfüllt damit die Erfordernisse der europäischen Reiserichtlinie.

„Wenn ich mir als Hotel das Risiko und den Mehraufwand ersparen will, so gibt es immer noch die Lösung vorab über Zusatzleistungen in Hotel und Destination zu informieren, diese aber nur vor Ort und somit nach Beginn der Erbringung der Reiseleistung buchbar zu machen“, führt Riederer weiter aus. Aber das lässt sich natürlich nur in den wenigsten Fällen realisieren.

Offen ist auch, was mit Betrieben passiert, die erstmal weitermachen wie bisher. Denn das PRG wird nicht sanktioniert, wie Wolfgang Kleemann bei einem Hintergrundgespräch klarstellt. Aber wehe jemand klagt: Ein Gast, ein Nachbar, ein Mitbewerber, eine Anwaltskanzlei…

www.tourismusversicherung.at

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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