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Köstinger: „So einen breiten Beteiligungsprozess hat es in der Geschichte des österreichischen Tourismus noch nicht gegeben“

Plan T: Keine Überraschungen, aber doch mehr als Überschriften

22.03.2019

Der Masterplan Tourismus wurde in der Panzerhalle in Salzburg vorgestellt. Und fast das gesamte Who is Who der Tourismusbranche ist gekommen. Sie war ja auch an dessen Entstehung entscheidend beteiligt.

Auffällig: Die Broschüre zum "Plan T".
Gut besucht: Die Panzerhalle in Salzburg.

38 gefällig gestaltete Seiten im ungewöhnlichen Querformat mit einer Ausbuchtung rechts oben. Selbstverständlich gedruckt auf 100 Prozent FSC-zertifiziertem Papier. Schließlich ist der Absender dieser Broschüre das Ministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus. Der aus dem Plan T abgeleitete „Aktionsplan 2019/2020“ passt kleingedruckt auf eineinhalb A-4-Seiten. Aber es sind trotzdem mehr als die von manchen befürchteten „Überschriften“ geworden.

Ein gutes Jahr hat man gebraucht und neun Zukunftswerkstätten in allen Bundesländern, um einen zehn Jahre alten Plan zu ersetzen, an den sich die Wenigsten überhaupt erinnern können. Angesichts der vielfältigen Herausforderungen braucht man wohl wirklich einen Plan. Wie ein Kollege nach der Vorstellung in der Panzerhalle in Salzburg sagte: „Besser man hat einen Plan T als gar keinen.“ Mit der Digitalisierung sind viele Betriebe überfordert, hier hilft nur planvolle Zusammenarbeit. Da möchte der Plan T helfen. Zusammenarbeit hat sich Ministerin Elisabeth Köstinger auf die Fahnen geschrieben, das betont sie immer wieder. Sie sieht das Pläneschmieden als einen Prozess, den sie vor einem Jahr angestoßen hat.

Prozesse anstoßen

Das bestätigt auch Spartenobfrau Petra Nocker-Schwarzenbacher. Die Kammer hat zusammen mit dem Ministerium die Workshops organisiert, die unter unterschiedlichen Themenstellungen in allen neun Bundesländern stattfanden: Digitalisierung, Arbeitsmarkt, Weiterentwicklung der Förderungen, Kooperation zwischen Landwirtschaft und Kulinarik, Nachhaltigkeit, ein neues Indikatorensystem zur Tourismusmessung und -steuerung jenseits der Nächtigungszahlen und internationale Trends und Herausforderungen.  Insgesamt kamen hier mehr als 500 Tourismus-Experten zusammen. „So einen breiten Beteiligungsprozess hat es in der Geschichte des österreichischen Tourismus noch nicht gegeben“, sagte die Ministerin bei der Vorstellung ihres Planes. Erich Falkensteiner meinte etwas süffisant: „Als ich zum Mitmachen eingeladen wurde, dachte ich zuerst: Noch eine Studie? Ein Plan? Vom Ministerium? Da ist doch schon alles vorher ausgemacht und wir sollen das nur noch abnicken. Aber so war das nicht. Das war gut organisiert. Was wir gesagt und diskutiert haben, wurde auch aufgenommen. Und das werden wir jetzt umsetzen. Gemeinsam. Das sagen wir Hoteliers zwar schon seit 50 Jahren, aber jetzt sollten wir es wirklich machen.“

Lebensräume

Neu ist auch der Fokus auf Lebensräume. Die Erkenntnis, dass Tourismus dort stattfindet, wo andere leben, ist für den österreichischen Tourismus zwar keine neue, aber eine bei manchen Akteuren doch aus dem Fokus gerutschte. Hauptsache die Nächtigungszahlen stimmen. Petra Nocker-Schwarzenbacher hat bei der Vorstellung betont, dass man „die Bevölkerung mitnehmen muss“. Sie spricht von einem „Paradigmenwechsel“.  Man müsse den Einheimischen  in Tourismusregionen „Rückzugsräume“ ermöglichen, es dürfe sich nicht mehr alles dem Tourismus unterordnen – auch wenn er oft der wichtigste Arbeitgeber in der Region ist. Dazu gehöre dann auch die Erhaltung kleinerer Lifte und Skigebiete, die überwiegend von Einheimischen genutzt werden.

Erkenntnisse aus der Praxis

So konkret wird der Tourismusplan selbst nie, leider. Aber dann wäre er wohl auf 100 Seiten angeschwollen.  Aber man spürt, dass die Diskussionen im Vorfeld durchaus konkret waren. Die Ministerin selbst spricht von einem hohen Erkenntnisgewinn, den ihr die vielen Erzählungen aus dem Tourismusalltag bei den Workshops gebracht hätten. So wird es vielen ergangen sein. Es ist immer gut, wenn man sich zusammensetzt. Und das ist sicher der größte Gewinn, den Plan T schon jetzt erbracht hat. Und das wir einen  Ministerin haben, die sich wirklich für den Tourismus und die Anliegen der Touristiker interessiert. Das hörte man in Salzburg immer wieder. „Wir werden endlich wieder gewertschätzt“, sagte Petra Nocker-Schwarzenbacher.

Mehr Kooperation

Das Zusammenkommen und Kooperieren soll verstärkt institutionalisiert werden: Im „Aktionsplan“ werden „österreichische Tourismustage“ angekündigt, veranstaltet gemeinsam von Bundesministerium, Kammer und Österreich Werbung sollen sie zum jährlichen Branchenforum werden. Das Ministerium möchte „Formate für den Austausch mit allen betroffenen Stakeholdern“ initiieren und weiterentwickeln, noch heuer zu den Themen Arbeitsmarkt, Digitalisierung, Mobilität und den UN-Nachhaltigkeitszielen. Auch zum Dauerproblem der Sharingplattformen soll es noch in den nächsten Wochen einen „Gipfel“ geben. Man möchte die Airbnbs dieser Welt mit der E-Commerce-Richtlinie der EU dazu zwingen, steuerrelevante Daten herauszugeben. Die Ministerin strebt eine bundeseinheitliche Regelung an, die nicht „zu mehr Bürokratie für alle“ führt.

Entbürokratisierung

Das Netzwerk Kulinarik soll entbürokratisiert und neu aufgestellt werden – bleibt aber unter den Fittichen der AMA. Es wird künftig keine Vorfinanzierung mehr nötig sein, wenn man sich an dem Programm beteiligen möchte. Beim Thema Arbeitsmarkt kommt die Mangelberufsliste und die Rot-Weiß-Rot-Karte zwar nicht im Plan T vor, aber man diskutiert trotzdem eine Anpassung der Kriterien für die Anforderungen im Tourismus. Sonst drohen uns die Deutschen, die lediglich eine einschlägige Berufsausbildung und eine Jobgarantie verlangen, noch die letzten Arbeitswilligen aus Drittländern wegzuschnappen.  Gespräche mit dem Sozialministerium laufen. Denn nicht einmal von den bescheiden kalkulierten 300 neuen Arbeitskräften über die RWR-Karte ist bislang viel zu sehen. Das soll sich bis zum Sommer ändern, verspricht Petra Nocker-Schwarzenbacher.

(Etwas) mehr Geld

Es wird auch einen neuen Innovationspreis zum Thema Mitarbeiterführung und -entwicklung ausgeschrieben, allerdings bescheiden dotiert: 5000 Euro bekommt der Sieger. Etwas mehr Geld (1.5 Millionen)  stehen für Förderungen über die ÖHT zur Verfügung. Vor allem das Förderinstrument der Impuls-Calls soll speziell den Wirten am Land, für Digitalisierungsmaßnahmen und für Mitarbeiterunterkünfte zur Verfügung stehen. Die Österreich Werbung bekommt – wie bereits berichtet – einmalig 800.000 Euro zusätzlich für die bundesweite Radkampagne und für die Einrichtung eines digitalen Netzwerks (FutureLab), einer Idee, die in den Workshops entwickelt wurde. Das Ministerium möchte generell das Wirken der Österreich Werbung stärken – aber nicht in erster Linie über Geld. Eine Erhöhung des Jahresbudgets steht nicht im Raum. Man möchte die Aufgaben der ÖW „neu definieren“, stärker auf Kooperationen setzen und dafür verspricht die Ministerin dann eine „ausreichende Dotierung“.

Viele Ankündigungen

Der Plan T verspricht vielen vieles, aber eben auch viel Richtiges. Er ist eine zutreffende Beschreibung des Istzustands inklusive Chancen und Herausforderungen. Er enthält auch viele Allgemeinplätze, zu viele. Natürlich soll Tourismus nachhaltiger werden, natürlich muss das Image des Berufs in der Hotellerie und Gastronomie verbessert werden, natürlich geht es um die Vereinbarung von Familie und Beruf. Die Frage, was die einzelnen Betriebe von diesen Feststellungen haben ohne konkrete Lösungen, die ja auch von der Politik und nicht nur den Touristikern kommen müssen, wird sich erst in der Detailarbeit herausstellen.

Der Plan T ist ein Prozess, wie die Ministerin immer wieder betont. Diesen Prozess hat sie angestoßen und viele Stakeholder und Experten an einen Tisch geholt. Nicht nur an den virtuellen des Plans, sondern tatsächlich an die Tische in den Workshops. Und dieser Prozess soll weitergehen. Es werden noch viele weitere Treffen nötig sein, mit konkreten Lösungen. Mit weniger Ankündigungen, weniger Plänen, weniger Überschriften. Der Plan T ist nur der erste Schritt. Aber ein wichtiger.

www.bmnt.gv.at/masterplan-tourismus

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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