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Auf der (Joch-)Alm gibt’s ka Plastik: Michi Thurner will Vorbild für Almbetreiber sein.

Plastikfreie Vision im Gailtal

14.09.2021

Nach Jahren in Asien hat Michael Thurner daheim die Reisacher Jochalm gepachtet. Er bewirtschaftet sie mit angeschlossener Käserei – und gänzlich plastikfrei.

Gailtaler Almkäse, geräucherter Molkekäse und frische Almbutter von der Jochalm.

Die Reisacher Jochalm auf 1.550 m Seehöhe hat in vielerlei Hinsicht ein Alleinstellungsmerkmal im Gailtal: Sie ist die einzige bewirtschaftete Alm auf der Sonnenseite, am Fuße des Reißkofels gelegen. Diese Alm hat auch keine Kessellage wie die meisten Hütten, sondern thront auf einem Joch und bietet einen beeindruckenden Ausblick auf das Gailtal und die Karnischen Alpen.

Der gebürtige Gailtaler Michael Thurner war von 2002 bis 2006 Chef der Österreichischen Weinmarketing GmbH (ÖWM) und anschließend Repräsentant heimischer Winzer in Singapur und im asiatischen Raum. Jetzt hat er sich seiner Wurzeln besonnen und die erwähnte Alm gepachtet. 

Der Senner 

Der geplante Kurs zum Käser ist coronabedingt zwar ausgefallen, Unterstützung fand der „Jungsenner“ aber im Käsemeister Christof Wassertheurer. Der führte Thurner in die Geheimnisse des Käsemachens ein. 

Es gibt keine Mülltonnen auf der Alm, die Besucher werden angehalten ihre Verpackungen wieder mitzunehmen, so ist der Müllsack in einem Monat lediglich halb voll. Deutlicher sind die Einsparungen über die Zeit: So wird während der Sommermonate rund eine halbe Tonne Plastikmüll (!) vermieden. Dafür wird lediglich lose Ware eingekauft, vieles in Gläsern eingefroren. Die Jochalm verwendet auch pergamentfreies Papier und Bienenwachstücher, auch Joghurt wird ausschließlich in Gläsern angeboten. Dazu werden auch nur regionale Produkte angeboten; statt Orangen gibt es z. B. selbstgemachten Hollersaft. 

Michael Thurner will damit für andere Almbetreiber Vorbild sein und sie von seinen Erfahrungen überzeugen. Das Gailtal ist schließlich die erste Slowfood-Region Österreichs. Da wäre die Vorstellung von der Plastik-Freiheit eine perfekte Ergänzung, um nicht zu sagen: die Pflicht.
Auf der Jochalm weiden 36 Milchkühe und 110 Jungkühe, auch Schweine und Pferde verbringen den Sommer oben am Berg. Der hier gewonnene „Gailtaler Almkäse g. U.“, der auf 13 Almen reift, wurde im 14. Jahrhundert erstmalig schriftlich erwähnt. Heuer werden rund vier Tonnen Almkäse hergestellt. Einige Laibe werden gereift, um erst im nächsten Jahr verkauft zu werden. Von Thurner wird auch Gailtaler Almschotten, ein geräucherter Molkekäse, und frische Almbutter den Gästen angeboten.

Wein auf der Alm

Auf der Jochalm gibt es nicht nur eine erlesene Auswahl österreichischer Weine, auch die heimische Winzerelite gibt sich am Berg ein Stelldichein: Georg Schneider, Kurt Feiler, Michael Malat, Franz R. Weninger oder Fred Loimer waren bereits hier, um nur einige zu nennen.

Text: Wolfgang Schmid

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