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Ursula Kujal und Harald Thiesz kooperieren mit Restaurants in Wien und Umgebung. Einmal pro Woche wird geliefert - persönlich.

Porträt: Bio-Feigenhof

12.05.2021

ÖGZ-Serie "Local Heroes": Eigentlich ist die Feige rund ums Mittelmeer zu Hause. Doch auch am Wiener Bio-Feigenhof wachsen 200 Sorten, um Freunden gehobener Kulinarik sinnliche Geschmackserlebnisse zu bereiten.

Am Feigenhof wachsen 200 verschiedene Sorten.
Paradiesischer Genuss

Spätestens seit Eva beim Auszug aus dem biblischen Paradies ihre Blöße mit einem Feigenblatt bedeckte, gilt die Feige als besonders sinnliche Frucht. Die studierte Garten- und Landschaftsplanerin Ursula Kujal und ihr Partner Harald Thiesz, Absolvent der Gartenbauschule Schönbrunn, betreiben seit 2006 den Bio-Feigenhof und sind Mitglieder der Genussregion Österreich/Wien. Neben Feigenprodukten (und anderen Obst- und Gemüsesorten) gibt es in Wien-Simmering auch Feigenbäume zu kaufen.

www.feigenhof.at

Frau Kujal, wie sind Sie auf die Idee gekommen, in Wien Feigen zu züchten? 
Ursula Kujal: Mein Partner, Harald Thiesz, hat von der Gemeinde Wien ein Grundstück mit uralten Glashäusern gepachtet. Er war immer ein Bio-Pionier und wollte Pflanzen züchten, die nicht jeder andere auch schon im Garten stehen hat – und die ohne Heizung auskommen. Es war eine pragmatische Entscheidung zugunsten der Feige. 

Wie und wo produzieren Sie?
Unser Betrieb in Wien-Simmering ist einen Hektar groß; wir züchten unterschiedliche Gemüsesorten und 300 verschiedene Kräuter. In unseren unbeheizten Glashäusern und auf den Freilandplantagen wachsen rund 200 verschiedene Feigensorten. Und zwar selbstbefruchtende, weil in unseren Breitengraden diese spezielle Wes­penart fehlt, die im Süden zur Bestäubung dient. 

Was fasziniert Sie selbst an Ihrer Arbeit und an Ihrem Produkt?
Ich bin Gartenarchitektin, ich liebe die Ästhetik und sinnliche Schönheit der Feige. Und dieser Duft, der so ein starkes mediterranes Gefühl vermittelt! Außerdem lässt sich die Feige vielfältigst verarbeiten; wir machen daraus Marmelade ebenso wie Wein, Chutney oder Balsamico. Am liebsten esse ich sie aber direkt vom Baum: Diese saftige Süße ist der reinste Luxus!

Worauf kommt es an, um als kleiner, unabhängiger Betrieb vom Konsumenten wahrgenommen zu werden?
Man muss alles anders machen als die anderen. Wir ernten wöchentlich frisch, damit bekommt man einen anderen Reifegrad als Früchte im Supermarkt. 

An welchen Kundenkreis richten Sie sich?
Ich orientiere mich bei den Preisen nicht an Supermärkten, meine Vorbilder sind eher die Trüffelbauern. Ich stelle an unsere Qualität höchste Ansprüche und berechne den tatsächlichen Aufwand. 

Kaufen viele Gastronomen bei Ihnen?
Wir arbeiten mit Köchen, denen es Spaß macht, Speisen aus besten Zutaten zu kreieren. Wir kooperieren mit den besten Restaurants in Wien und Umgebung, die ich einmal pro Woche persönlich beliefere. Heinz Reitbauer vom Steirereck hat uns einmal für die Ehrenwertigkeit unserer Produkte gelobt.

Welchen Wert spielt die Bio-­Qualität in Ihrer Produktions­philosophie?
Bio ist unser oberstes Gebot! Wir werden jedes Jahr zertifiziert und weil wir viele Produkte anbieten, nimmt der Verwaltungsaufwand dafür gut drei Wochen pro Jahr in Anspruch –, aber das ist es uns wert!

Wie groß ist Ihre Produktionsmenge? 
Wir produzieren rund 2.000 Kilo Feigen pro Jahr, in sehr heißen Sommern können es bis zu 3.000 Kilo werden. Wir denken aber nicht daran, den Betrieb zu erweitern, um die Quantität zu steigern. Wir konzentrieren uns lieber auf die Qualität.

Text: Hannes Kropik 

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