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Preissenkungen unerwünscht

29.10.2008

Die Landesversammlung der ÖHV Wien stand ganz im Zeichen der Zukunft des Wiener Tourismus Von praktischen Finanzierungstipps bis hin zur Entwicklung des Unternehmens- und Kongressstandortes. Natürlich ging es auch um die derzeitige Wirtschaftslage - mit der zentralen Aussage, dass Preissenkungen absolut kontraproduktiv sind.

Dr. Franz Hartl: Rät zu Diversifizierung und vor allem Vorsicht

Michaela Reitterer, Landesvorsitzende der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) in Wien, begrüßte die Creme de la Creme der Hotellerie in der Spanischen Hofreitschule: Über 100 Besucher waren gekommen, um die Vorträge von Dr. Franz Hartl, Geschäftsführer der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT), Dr. Julian Pötzl, Mitglied der Geschäftsleitung von Roland Berger Wien, Gerhard Aigner, AUA-Director Sales Development, Vienna Convention Bureau-Leiter Christian Mutschlechner, Reed Messe-Geschäftsführer Johann Jungreithmair und anderen zu verfolgen. Das Programm konzentrierte sich voll und ganz auf die Entwicklung des Wiener Tourismus: "Wer Preise senkt, setzt eine Abwärtsspirale in Gang - dabei liegen unsere Zimmerpreise im internationalen Vergleich ohnehin im unteren Drittel. Da ist Vorsicht geboten", so Reitterer. Einig sind sich Reitterer und Dr. Martin Schick, Obmann der Fachgruppe Hotellerie in der Wirtschaftskammer Wien, darüber, dass Wien Tourismus für 2015 zumindest 14 Mio. Nächtigungen anpeilen sollte.

Vorschläge für das Regierungsprogramm

ÖHV-Präsident Peter Peer präsentierte die ÖHV-Vorschläge für das nächste Regierungsprogramm: "Der Tourismus ist für ganz Österreich ein unverzichtbarer Wirtschaftsfaktor - in der momentanen konjunkturellen Situation mehr denn je: Unsere Unternehmen stellen auch dann noch Mitarbeiter ein, wenn in anderen Branchen schon längst die Kündigungswellen rollen. Davon würde ganz Österreich profitieren." Empfohlen werden die Beibehaltung des Tourismusausschusses, die Anhebung des ÖW-Budgets, Maßnahmen zur Forcierung des Wintersports, die Arbeitsmarktöffnung, die Lohnnebenkostensenkung und mehr.

Finanzierungen optimal meistern

ÖHT-Geschäftsführer Dr. Franz Hartl präsentierte den Hoteliers, wie sie - etwa über einen differenzierten Finanzierungsmix - größere Belastungen vermeiden können. Bei Krediten könne es zu unliebsamen und teuren Verzögerungen kommen. Hartl rät dringend zu schriftlichen Verträgen - auch bei Partnern, an deren Handschlagqualität kein Zweifel besteht. Geld für den Betrieb solle nicht, wie so oft, als Privatdarlehen aufgenommen werden, da dieses dem Betrieb als Fremdkapital zugeführt werden müsste. Ratsam seien Bundeshaftungen, führte Hartl anhand einer Modellrechnung vor: So könne die Zinsbelastung um fast ein Viertel gesenkt werden. Hartls Forderungen an die Bundesregierung - die Ausweitung des Haftungsrahmens, der Tourismusförderung und des ÖW-Budgets, die Streichung der Kreditvertragsgebühr und die Aufwertung von Liegenschaften auf den Verkehrswert zum Viertelsteuersatz - stießen durchwegs auf Zustimmung. Diese decken sich mit den ÖHV-Forderungen.

Nur keine vorzeitigen Preissenkungen

Erste Auswirkungen der wirtschaftlichen Entwicklung bemerkt die Wiener Hotellerie vor allem bei ausbleibenden Business-Gästen. Dr. Julian Pötzl, Mitglied der Geschäftsleitung von Roland Berger Wien, zeigte auf, wie attraktiv die Bundeshauptstadt als Wirtschaftsstandort ist: Obwohl sie in den vergangenen Jahren an Attraktivität verloren hat, stiegen die Ausgaben der Business-Gäste um 8 Prozent pro Jahr - in erster Linie dank des erfolgreichen Kongress-Geschäfts. Eine Untersuchung von Roland Berger offenbart Handlungsbedarf: Erstmals beantworteten global agierende Betriebe die Frage nach Österreichs Wettbewerbsfähigkeit negativ. Der Hotellerie empfiehlt Pötzl die Einrichtung von Frühwarnsystemen für Krisen, gezieltes Yield- und Revenue Management sowie überregionales Benchmarking. Vorzeitige Preissenkungen oder Änderungen der Stornobedingungen seien kontraproduktiv.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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