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Problematische Tourismusjobs

07.09.2006

Der „Arbeitsklima-Index Tourismusbeschäftigte“ wurde vor kurzem von der Gewerkschaft und der Arbeiterkammer präsentiert.

Die Arbeit im Tourismus ist für viele mit Problemen verbunden: Wenig Zufriedenheit mit dem Einkommen, geringe Karrierechancen und kaum Weiterbildungsmöglichkeiten prägen das Bild insbesondere für die Mehrheit der dort Beschäftigten, nämlich die Frauen, hieß es bei der Präsentation des „Arbeitsklima-Index Tourismusbeschäftigte“ vor kurzem in Wien.

Ein Lichtblick sind die Chancen am Arbeitsmarkt, die deutlich positiver bewertet werden als im Schnitt der Befragten in allen Sektoren. Auch der Innovationsstress bildet im Tourismus ein geringeres Problem.
Typische Frauenbranche
„Der Tourismus ist eine typische Frauenbranche, wird aber für viele Frauen zur beruflichen Sackgasse“, warnte der Vorsitzende der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe und Persönlicher Dienst (HGPD), Rudolf Kaske. Den Frauen würden kaum berufliche Perspektiven geboten, unterstrich Gerlinde Hauer von der Arbeiterkammer (AK) Wien: Nur gut ein Drittel der Frauen ist mit den Karrieremöglichkeiten sehr zufrieden bzw. zufrieden, bei den Männern sind es immerhin 60 Prozent. Gefordert wird der Ausbau der Möglichkeiten zur beruflichen Weiterbildung, dabei sollten auch gering Qualifizierte, Teilzeitbeschäftigte und geringfügig Beschäftigte eingebunden werden.
Der Teilzeitanteil im Tourismus liegt bei rund 30 Prozent, davon sind 40 Prozent geringfügig beschäftigt.
IFES-Experte Georg Michenthaler analysierte die Ergebnisse des „Arbeitsklima-Index Tourismusbeschäftigte“, der heuer zum zweiten Mal vom Institut für empirische Sozialforschung (IFES) erstellt wurde. Auftraggeber waren die HGPD, die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) und die AK Wien. Die Arbeitnehmer im Tourismus sind im Schnitt geringer qualifiziert, so verfügen etwa 20 Prozent nur über einen Pflichtschulabschluss (10 Prozent im Durchschnitt der anderen Branchen). Dass die Tourismusbeschäftigten eine etwas höhere Arbeitszufriedenheit aufweisen als in anderen Sektoren, führt Michenthaler auf die höheren subjektiven Arbeitsmarktchancen und geringeren Innovationsbelastungen zurück.
Auch die Altersstruktur wirke sich aus, da jüngere Arbeitskräfte optimistischer seien und im Tourismus weniger Beschäftigte über 45 Jahre zu finden seien. Auffallend die Unzufriedenheit mit dem Einkommen: So gaben zwei Drittel an, ihr Einkommen sei „nicht“ oder „gerade ausreichend“ – gegenüber 48 Prozent in allen Branchen.
„Attraktiver Arbeitgeber“
Bezug nehmend auf den „Arbeitsklima-Index im Tourismus“ zeigt sich Johann Schenner, Obmann der Bundessparte Tourismus in der Wirtschaftskammer, grundsätzlich erfreut über die Ergebnisse der Umfrage. „Gerade für junge und flexible Menschen ist der Tourismus ein besonders attraktiver und standortsicherer Arbeitgeber“, so Schenner.
Die Branche biete vielfältige Möglichkeiten und Karrierechancen, eine touristische Ausbildung in Österreich werde in der ganzen Welt geschätzt. Dass Tourismusbetriebe nicht ins Ausland abwandern können, gebe zusätzliche Sicherheit: Tourismus sei gerade in abgelegenen Regionen ein Garant für sichere Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Schenner appelliert an alle, denen der heimische Tourismus am Herzen liegt: „Arbeiten wir gemeinsam weiter daran, dass das Image der Branche und die Qualifikationen unserer Mitarbeiter auch weiterhin verbessert werden.“
Dass sich auch die Arbeit im Tourismus immer weiter entwickelt und neue Anforderungen sowohl an die Unternehmer als auch an die Mitarbeiter gestellt werden, sieht Schenner im Sinne der Zukunftssicherung der Branche als besonders wichtig an.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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