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Prosecco & Co: Der Fizz des Frühlings

15.03.2017

Es hat sich viel geändert rund um den italienischen Frühlingsboten. Doch nicht die rechtlichen Feinheiten, sondern der Geschmack stand im Mittelpunkt der ÖGZ-Verkostung

Es hat eine Weile – und ein paar Perlweine in Dosen – gedauert, aber mittlerweile hat sich die Heimat des Prosecco strengere Regeln verordnet. Für den Einkauf geben die komplizierter gewordenen Bezeichnungen Auskunft darüber, was für den Gast erworben wird: „Coneg-liano Valdobbiadene Prosecco Superiore“ etwa stellt einen mit DOCG-Bezeichnung geschützten Schaumwein dar, der ausschließlich in den Hügeln der Provinz Treviso aus der Rebsorte Glera hergestellt wird. Die Ursprungsbezeichnung umfasst 15 Gemeinden und hat ihren Namen von den zwei wichtigsten Städten des Gebiets. Sie sind allerdings auch unabhängig am Etikett möglich, wenn man die noch engere Herkunft betonen will. 

Es begann in Conegliano

Conegliano stellt dabei so etwas wie das geistige Zentrum des Prosecco dar. Die erste Weinschule Italiens (1876) hat hier unter anderem die sogenannte „Metodo Martinotti“ perfektioniert, die bis heute Basis der Schaumweinerzeugung ist. Allerdings kennt man die Schaumweinherstellung in Druckbehältern (statt der Flaschengärung) außerhalb Italiens als Charmat-Methode. Denn der Franzose Eugène Charmat hatte die ersten Druckbehälter, in die Wein, Zucker und Hefe in großem Stil kamen, entwickelt, während auf Federico Martinotti aus Asti das Prinzip der Tankgärung zurückgeht. 

Die Spitze heißt Cartizze

Valdobbiadene wiederum als zweite Prosecco-Bastion eignet sich besonders gut für den Weinbau, wie man unschwer an den rebenbehangenen Hügeln rund um die Stadt erkennen kann. In puncto Restzucker sind weiters die Bezeichnungen Brut, Extra Dry und Dry am Etikett wichtige Orientierungshilfen. Wobei wie immer nicht der Einzelwert, sondern die Gesamtharmonie zählt. 
So bringt etwa die Sorte Perera eine ausgeprägte Birnennote, die in manchen Cuvées deutlich hervortritt – und nicht mit Fruchtzucker verwechselt werden sollte. Als „Edelversionen“ gelten die DOCG-Bezeichnungen „Rive“ und „Cartizze“. Während die 43 Rive, ein Dialektausdruck für Hang, Steillagen bezeichnen, stellen die knapp 100 Hektar Cartizze den feinsten Ausdruck des Prosecco dar. Die Bodenbeschaffenheit lässt besonders fruchtige Varianten entstehen, zumal auch die Perera-Traube hier ihre Hochburg besitzt. Kenner sprechen von der charakteristischen „Mandelnote“ dieses fünfeckigen Gebiets, das ebenfalls als eigene DOCG geführt wird. Der Hektarertrag liegt mit 12.000 Kilo hier auch am niedrigsten von allen drei Prosecco-Gebieten.
Weiß man die neuen Etiketten zu lesen, unterscheidet sich hier bereits die technische Methode der Kohlensäure im Wein. Der flaschenvergorene Schaumwein, italienisch: Spumante, trägt als Prosecco den Zusatz „Superiore“. Denn der Conegliano Valdobbiadene wird zu deutlich geringeren Anteilen auch als Frizzante (Perlwein) und Tranquillo (Stillwein) hergestellt. In diesem Fall steht dann nur „Prosecco“ auf dem Label. Es kann also sein, dass er gar nicht schäumt, denn auch der Stillwein aus den 15 Gemeinden wird als „Prosecco“ bezeichnet. 

Austro-Frizzantes

Doch nicht nur in Italien wird der Gesetzgeber beim Sprudel strenger: Die Neuregelung der heimischen Schaumwein-Szene ist bekanntlich ebenfalls im Laufen, der Jahrgang 2016 wird der Erste sein, der Sekte mit geschützter geografischer Ursprungsbezeichnung (g.g.U.) erlaubt. Damit wird in einer dreistufigen Nomenklatur, der Sekt-Pyramide, die Herkunft der Trauben unterstrichen. Das Image von österreichischem Sekt (Trauben müssen dann im Inland gewachsen und verarbeitet sein) soll damit gestärkt werden. Für den Perlwein, nicht nur mit Aromasorten eine beliebte Wahl als Aperitif, ändert sich dabei aber nichts, er ist ja neben der Herstellung vor allem durch den Druck in der Flasche (maximal 2,5 Bar) definiert.
Parallel zu den italienischen Frühlingsboten verkostete die ÖGZ-Wein-Jury sowohl heimische Frizzantes und Schaumweine mit betont leichter Stilistik, so lautete die Ausschreibungsbedingung. Vor allem der immer beliebtere Rosé-Sekt stellt hier eine interessante Alternative für Winzer dar, ihre roten Trauben neu zu nützen. Wem dies – diesseits und jenseits der Landesgrenze – besonders gut gelang, lesen Sie auf den folgenden beiden Seiten. Cin cin!     Weiter auf Seite 14 

Autor:
Roland Graf
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