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Prügelknaben der Nation

02.06.2006

In Oberösterreich bekommt man die Probleme mit Rowdys und Randalierern nicht in den Griff. Jetzt wird hart durchgegriffen – aber nur bei den Gastronomen, die damit unschuldig zum Handkuss kommen.

Ana hat imma des Bummerl – das Pfeifen in Wien die Spatzen von den Dächern. Seit einigen Wochen und Monaten wissen nun auch die Linzer, ganz genau die Linzer Gastronomen, dass es sich um kein Wiener-Phänomen handelt. Sie sind, im Zuge von politischen Diskussionen um Probleme mit Rowdys und trinkwütigen Jugendlichen ins Schussfeld der Behörden geraten.
Mögliche Umsatzeinbußen
Da laut Aussagen der Linzer Polizei die meisten Verwaltungsübertretungen und Randale zwischen vier und sechs Uhr in der Früh stattfinden, kamen einige ober-österreichische Politiker auf die glorreiche Idee, dieser Problematik mit einer rigorosen Sperrstundenregelung für die Gastronomie Herr zu werden. Bald sollen alle Lokale in Oberösterreich spätestens um vier Uhr in der Früh geschlossen sein, vor allem wenn es nach dem oberösterreichischen Familienreferenten Franz Hiesl geht. Das wäre für manchen Gastronomiebetrieb ein schwerer Schlag, so auch für einige Szenegastronomen in Linz. Um nun nicht schuldlos zum Handkuss zu kommen, haben sich fünfzehn von ihnen zusammengetan; mit Günter W. Hager, Besitzer des „Josef – Das Stadtbräu“, an vorderster Front. Hager: „Die geplante Vorverlegung der Sperrstunde ist weder angebracht noch zielführend. So sicher wie in den Linzer Lokalen ist es nirgends. Sicherheit ist bei uns ein großes Thema, für das die Wirte auch einiges an Budget aufwenden.“ Für Hager ist es unverständlich, dass jetzt Gastronomiebetreiber dafür herhalten sollen, dass die Exekutive Schwierigkeiten auf den Straßen und öffentlichen Plätzen nicht in den Griff bekommt. „Da sind viele Unruhestifter dabei, die vorher in gar keinem Lokal waren.“ Gemeint sind damit Jugendliche, die beispielsweise das berühmte Vorglühen zu Hause zelebrieren und in Scharen auf der Linzer Donaulände herumhängen, wo selbst mitgebrachte Getränke ungebremst konsumiert werden. Die Rechnung dafür sollten nun die Wirten bezahlen. Denn eine Reduktion der Öffnungszeiten würde Hand in Hand zu Umsatzeinbußen führen. Dies würde sich wiederum auf den Ertrag auswirken und dessen Verminderung wieder auf den Mitarbeiterstand.

Auch Pia Niederwimmer, Geschäftsführerin des „Cheese“, versteht nicht, dass die Gäste und Gastronomen als Prügelknaben für Alkoholprobleme und Exzesse herhalten sollen: „Warum wird nicht dort angesetzt, wo das Problem besteht? Zu 99 Prozent haben unsere Gäste Spaß am Fortgehen und sind keine raufenden und saufenden Linz-Besucher.“ Tatsache ist, dass sich das Ausgehverhalten der Gäste zu früher stark verändert hat. Viele der Lokale füllen sich erst nach Mitternacht. Ein Umstand, der nicht so einfach vom Tisch gewischt werden kann, noch dazu, wenn Linz als Tourismusstadt auf internationaler Ebene punkten will. Dort geht man nämlich in die andere Richtung und liberalisiert sukzessive die Sperrzeiten.
Komplett geändertes Ausgehverhalten
Von Liberalismus ist in Linz aber weit und breit keine Spur. Einige der Szene-Wirte klagen sogar über zusätzliche Schikanen seitens der Behörde. Helmut Tischler, Eigentümer des „Beluga“ im Arcotel, hat vor zwei Monaten um eine Sperrstundenverlängerung angesucht. Der Erhalt der Bewilligung steht aber in den Sternen, denn das „Beluga“ steht schon seit einiger Zeit auf der scheinbaren „Watchlist“ der Exekutive. In regelmäßigen Abständen wird exakt um vier Uhr kontrolliert, und wenn das Lokal nicht komplett leer ist, gibt es eine Anzeige. Und das, obwohl das Lokal noch nie mit Raufereien ins Gerede kam, durch die Lage im Hotel keine Anrainer gestört werden und der Eintritt erst ab einem Alter von 21 erlaubt ist. Helmut Tischler: „Einmal wurden sogar Fotos von unseren Gästen gemacht. Gegen die Donaulände-Gelage der Jugendlichen bei Doppler und Bier wird aber nichts unternommen. Seit der Kameraüberwachung mit Anfang des Jahres ist in den Straßen noch weniger Polizei zu sehen.“ Dr. Peter-Paul Frömmel, Sparten-Geschäftsführer der WKOÖ, bestätigt den Bedarf an kürzeren Sperrzeiten: „Das Ausgehverhalten hat sich tatsächlich geändert. Es gibt auch etliche Lokale mit längeren Öffnungszeiten. Beispielsweise in Leonding, dort gibt es aber kaum Nachbarn, in einem verbauten Gebiet sind solche Genehmigungen natürlich schwieriger zu bekommen. Der Vorschlag der Gastronomen zur Cooldown-Phase – weiche Musik, Licht aufdrehen, Tische abräumen – nach der Sperrstunde widerspricht leider dem momentanen Gesetz.“
So wie die Gastronomen ist auch Frömmel der Meinung, dass die Jugendlichen nicht zu trinken aufhören werden, wenn alle Gastronomiebetriebe um vier Uhr zusperren: „So bekommt man das Problem nicht in den Griff. Die Verantwortung liegt bei den Eltern und kann nicht Aufgabe der Gastronomen sein. Außerdem halten sich mindestens 95 Prozent der Gastronomen an das Gesetz.“ Auch Franz Dobusch, Bürgermeister von Linz, sieht die Sachlage ähnlich: „Die Wirte sind für den öffentlichen Bereich nicht verantwortlich. Ich bin für eine offene Gesellschaft und mehr Eigenverantwortung der Menschen.“ Dem Vorschlag der generellen 4-Uhr-Sperrstundenregelung der ÖVP Oberösterreich kann Dobusch ebenfalls nichts abgewinnen. Seiner Meinung nach sollten Regelungen dieser Art (derzeit sind es 31 Betriebe, die länger offen halten dürfen) der Gemeinde übergeben werden.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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