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Qualifizierungsoffensive

12.06.2008
WKO

Wirtschaftskammer (WKÖ), Gewerkschaft vida und Arbeitsmarktservice (AMS) haben eine gemeinsame Initiative zur Förderung des touristischen Arbeitsmarktes gestartet. Ziel sei die Förderung der Fachkräfteausbildung, die Steigerung der Karrierechancen sowie die Erhöhung der Mobilität von Tourismusbeschäftigten.

Trotz der zuletzt gestiegenen Beschäftigung in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft gebe es Handlungsbedarf, sagte WKÖ-Generalsekretär Reinhold Mitterlehner, denn gut ausgebildetes Personal sei in diesem Bereich weiterhin knapp. Die Arbeitskräftenachfrage im Tourismus boome, auch im Mai werde es wieder gute Arbeitsmarktzahlen geben, sagte AMS-Vorstand Johannes Kopf. Trotzdem gebe es etwa bei Köchen einen Arbeitskräftemangel. vida-Vorsitzender Rudolf Kaske setzt in die Qualifizierungsoffensive für inländische Arbeitskräfte „große Hoffnungen“, sie sei für diesen Wirtschaftszweig sehr wichtig, wichtiger als „jammern“.
Das im Arbeits- und Sozialausschuss des Nationalrates behandelte Jugendbeschäftigungspaket stößt bei der österreichischen Wirtschaft auf überwiegende Zustimmung. „Insbesondere die größere Flexibilität und die differenzierte bedarfsgerechte Lehrlingsförderung sind wichtige und richtige Antworten auf den Fachkräftemangel in unserem Land“, begrüßt Reinhold Mitterlehner die Neuregelung. „Die Lehrlinge von heute sind die Fachkräfte von morgen, auf die unsere Betriebe dringend angewiesen sind. Um der demographischen Entwicklung gegenzusteuern und einem Lehrlingsmangel vorzubeugen, muss die Lehrlingsausbildung sowohl für die Jugendlichen als auch die Unternehmen modern und attraktiv sein.“

Statt Ausbildungsprämie bedarfsgerechte Basisförderung
Das vorliegende Paket, das am 28. Juni 2008 in Kraft treten soll und auf den Vorschlägen der Sozialpartner ba­siert, erfüllt diese Zielsetzung. Kern­stück der Neuregelung ist die Umstellung auf ein umfangreiches und effizientes Basisförderungssystem:
Anstelle der bisher für jedes Lehrverhältnis gewährten einheitlichen Lehrlingsausbildungsprämie tritt nun eine differenzierte bedarfsgerechte Basisförderung. Diese beträgt im 1. Lehrjahr die Höhe von drei Lehrlingsentschädigungen, im 2. Lehrjahr von zwei sowie im 3. und 4. Lehrjahr von jeweils einer Lehrlingsentschädigung. Die jährliche Anpassung der Förderhöhe bedeutet innerhalb weniger Jahre eine Steigerung für alle Unternehmen, sieht Mitterlehner einen wesentlichen Vorteil gegenüber der bisherigen Regelung.
Sofortmaßnahmen angedacht
Um mehr Beschäftigte für den Tourismus zu bekommen, sehen die geplanten Sofortmaßnahmen die verstärkte regionale Ausbildung von touristischen Fachkräften, die Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen für ältere Arbeitnehmer, eine Schulungswoche vor Saisonbeginn, höhere Qualitätsstandards bei der Jobvermittlung und eine Informationskampagne zur Entfernungsbeihilfe vor. Eine Verbesserung von Entlohnung oder unfreundlichen Arbeitsbedingungen steht übrigens nicht am gemeinsamen Programm und wurde nur von Kaske direkt angesprochen.
Mit regionalen Ausbildungsmaßnahmen will das AMS im Herbst österreichweit mit insgesamt 547 Personen starten. Gedacht ist dabei etwa an Schulungen für Sommeliers oder Verkaufstrainings. 2009 soll es laut AMS-Vorstand Kopf bei dieser Fachkräftequalifizierung zu einer Verdoppelung kommen. Bei der Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen für ältere Arbeitnehmer übernimmt das AMS zwei Drittel bzw. bei Frauen über 45 Jahren sogar drei Viertel der Kosten.
Eine weitere Forderung ist die Verbesserung der Qualität bei der Jobvermittlung. Die vom AMS angebotenen Stellen müssten genauere Angaben enthalten über Dienstgeber, Dienstort, Arbeitszeit, Bezahlung und andere wichtige Rahmenbedingungen.
Weiters soll es die Möglichkeit zu Schulungsmaßnahmen knapp vor Saisonbeginn geben. vida-Vorsitzender Kaske schlägt vor, dass Arbeitgeber die Mitarbeiter bereits eine Woche vor Saisonstart anstellen, die Schulungskosten aber vom AMS getragen werden, da es sich durch die Verkürzung der Dauer der Arbeitslosigkeit Geld erspare.
Mehr Mobilität
Um die Mobilität der Arbeitnehmer in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft zu erhöhen, wollen die Sozialpartner und das AMS verstärkt über die Möglichkeit der sogenannten „Entfernungsbeihilfe“ informieren, die Arbeitssuchende erhalten, wenn sie bereit sind, eine von ihrem Wohnort entfernt liegende Arbeitsstelle anzunehmen. Den größten Teil der Kosten übernimmt das AMS, der Selbstbehalt beträgt 60 Euro pro Monat. Laut Kopf ist diese Möglichkeit 2007 von 3.000 Arbeitnehmern in Anspruch genommen worden.
Frauenförderung
Frauen machten knapp zwei Drittel aller Tourismusbeschäftigten aus, in ihrer Karriere stoßen sie allerdings oft an eine „gläserne Decke“, kritisierte Rudolf Kaske. Da die Tourismusbranche generell durch familien­unfreundliche Arbeitsbedingungen gekennzeichnet sei, müssten die Rahmenbedingungen verbessert werden, etwa die Erleichterung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch das Schließen der Einkommensschere und die generelle Anhebung des Einkommensniveaus im Tourismus ist Kaske ein Anliegen. „Damit die Qualifiziertesten nicht abhandenkommen, braucht es höhere Löhne und bessere berufliche Perspektiven“, so der vida-Chef.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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