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Ran an den Mann

13.04.2006

Auch in den nächsten Jahren wird der Wellnesstrend anhalten – doch das Angebot wird stärker mit medizinischen Angeboten gekoppelt sein und die Herren der Schöpfung werden als Zielgruppe interessanter.

Erstmals in der Geschichte der ITB, der weltgrößten Tourismusmesse in Berlin, konnten sich heuer Unternehmen mit Wellnessangeboten in einem eigenen Wellnessbereich präsentieren. Zusätzlich veranstaltet die ITB das Fachforum-Wellness, bei dem namhafte Wellness-Experten aus der ganzen Welt referierten – und das am laufenden Band.
Die ITB hat den Trend der Zeit wieder einmal gut erkannt. Wellness gehörte nicht nur in den letzten Jahren zu den stärksten Wachstumsmärkten der Branche, sondern wird es nach Ansicht der Meinungsforscher auch in den nächsten Jahren bleiben.
Gesund älter werden
Auch in Österreich, der „Wellnessnation“ schlechthin, sind sich die Messeverantwortlichen bewusst, welches zusätzliche Potenzial noch im Wellnessbereich steckt – vorausgesetzt, das Hauptaugenmerk liegt auf der Qualität und nicht auf Quantität. Doch darüber später im Bericht. Wie gesagt, auch hier zu Lande erkennt man die anhaltende Bedeutung. Die Reed-Messe veranstaltete daher gemeinsam mit der ÖGZ auf der jüngst über die Bühne gegangenen „Alles für den Gast“ in Salzburg zwei Podiumsdiskussionen zu diesem brandheißen Thema. Das Motto lautete „Wellness: top oder Flop?“. Als Diskussionsteilnehmer konnten sieben namhafte Experten gewonnen werden: Dr. Ernst Bleier – Direktor der Volksbank Salzburg, Dr. Franz Hartl – Geschäftsführer der Österreichischen Tourismusbank, Wolfgang Burgschwaiger – erfolgreicher Salzburger Hotelier (Die Übergossene Alm), Mag. Christina Oberforster – Leiterin der Qualitätssicherung im Moorheilbad-Harbach, Christopher Gruber – Geschäftsführer von Best Health Austria, Mag. Christian Werner – Herausgeber der Wellnessfibel Relax Guide und Dr. Wilhelm Wolff – plastischer Chirurg und Geschäftsführer von Tirol Wellness. Und die zahlreichen Zuhörer bewiesen, dass die Thematik von großem Interesse ist. Immerhin liegen die Ausgaben seitens der Gäste im heimischen Wellness- und Kurtourismus bei rund 1,12 Milliarden Euro. Dazu kommt, so Christopher Gruber, dass der Wellness-gast pro Kopf und Nase 145 Euro ausgibt, während im Durchschnitt Kurgäste 98 Euro und sonstige Gäste 106 Euro locker machen. Gruber geht davon aus, dass bis 2010 rund 1,5 Millionen Österreicherinnen und Österreicher bewusst etwas für ihre Gesundheitsvorsorge machen werden: „Jetzt liegen wir bei etwa 800.000 bis 900.000 – wir sehen also, was für ein riesiges Potenzial da noch da ist. Gesund älter werden wird das Thema sein.“ Dieser Meinung schließt sich auchDr. Ernst Bleier an: „Die Leute werden tatsächlich immer älter und wollen dabei gesund bleiben.“ Das größte Geldvermögen sieht Bleier bei der Gruppe der „Weißen Panther“, den Senioren. Dieses Geld heißt es in Bewegung zu bringen, doch dafür braucht es die richtigen Angebote.
Warme Hände statt Marmor
Für das passende Angebot und den Erfolg ist für Wilhelm Wolff zu 80 Prozent das Personal ausschlaggebend, und nur zu 20 Prozent die Hardware. Er meint, dass bis dato aber vor allem in die Hardware und Ausstattung investiert wurde. „Richtig, der Gast erwartet sich Betreuungskompetenz“, verstärkt Gruber die Aussage. „Der Konsument möchte schlicht und einfach mit warmen Händen massiert werden, nicht die goldene Türschnalle oder der Marmor sind ausschlaggebend.“ Bei der Fachkompetenz heißt es also anzusetzen. Dabei gibt Mag. Christian Werner zu bedenken, dass die Begriffe Wellnesstourismus und Gesundheitstourismus nicht in einen Topf geschmissen werden sollten. Für ihn ist Medical Wellness, der neueste Trend in der Branche, mit Kur gleichzusetzen. So oder so braucht der Hotelier aber eine „Story“, eine Geschichte die der Unternehmer und das Management glaubhaft vorleben, um der Hardware Leben einzuflößen, meint Bleier. Nur so würde sich auch ein Finanzier finden.
Für die Refinanzierung heißt es natürlich darauf aufbauend die richtige Zielgruppe zu finden. Weiters sollte man für die Vermarktung die wesentlichen Kaufmotive kennen. Laut einer neuen, von Christian Werner zitierten Studie, gehen 90 Prozent der Gäste noch immer in ein Wellnesshotel, weil sie entspannen und relaxen wollen und nicht aus gesundheitlichen Motiven. „Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer eines Wellnessgastes liegt zwischen 1,3 und 3,4 Tagen.“ In dieser Zeit kann weder für eine nachhaltige Gesundheitsvorsorge gesorgt werden, noch kann man damit internationale Standortsicherung betreiben. Das wäre auch für Mag. Christina Oberforster absolut unseriös. Oberforster ist aber auch davon überzeugt, dass langsam das Bewusstsein zur Prävention in der Bevölkerung entsteht: „Viele unserer Kurgäste beginnen sich immer stärker auch privat für unser Angebot zu interessieren.“ Wolfgang Burgschwaiger, der sich mit seinem Hotel sowohl bei Skifahrern als auch bei Wellnessgästen einen Namen gemacht hat, hält grundsätzlich drei Faktoren für den Erfolg eines Betriebes für unerlässlich: Hardware, Software und Marketing. Vor allem bei einem neuen Angebot, wie eben Wellness, heißt es, das Marketing zu verstärken, worauf aber oftmals vergessen wird. „Wenn ich eine zusätzliche Leistung anbiete und einen höheren Preis dafür verlange, bedarf es einfach neuer Gäste.“
Männer wollen abschalten
Diesbezüglich ist für Wolff vor allem die Positionierung wichtig: „Die Positionierung muss stimmen, und dann brauche ich das Marketing.“ Dafür heißt es aber seine Zielgruppen zu kennen. Laut Informationen auf der ITB werden noch immer 70–80 Prozent der Treatments von Damen in Anspruch genommen. Doch die Männer sollen in der Zukunft ein nicht unwesentlicher Faktor sein. „Natürlich, die Männer sind im Kommen, sie haben nur andere Ansprüche“, weiß Christian Werner. „Es gibt tatsächlich die Veränderung, dass Männer auch Wellness möchten, teilweise nehmen sie auch Bäder und Kosemetik in Anspruch, grundsätzlich wollen sie aber abschalten, entweder mit gesundheitsfördernden Programmen oder mit Meditation“, berichtet Burgschwaiger aus dem Hotelalltag.
Die richtige Zielgruppe wird aber nicht über einen Preiskampf zu gewinnen sein, darüber sind sich alle einig. Außerdem könnte das den wirtschaftlichen Selbstmord bedeuten. Immerhin wird gerade im Wellnessbereich viel Geld investiert. „Im vorigen waren es insgesamt so 500 bis 600 Millionen Euro, die in Österreich in diesen Bereich geflossen sind“, berichtet Franz Hartl. Er weiß aus Finanzierungserfahrung, dass ein Wellnessbetrieb pro Zimmer rund 10 bis 15 Quadratmeter Wellnessfläche benötigt. Doch das Investment dafür sei aus dem Wellnessumsatz alleine nicht hereinzubekommen. Der größte Anteil muss aus dem Hotelbetrieb erwirtschaftet werden, das heißt, das Hotel braucht eine höhere Auslastung und muss höhere Preise erzielen.

Kernbotschaften der Podiumsdiskussion zum Thema Wellness auf der „Alles für den Gast“:
– Die Menschen wollen immer gesünder alter werden, der Trend geht daher Richtung Gesundheitsvorsorge.
– Fachkompetenz wird immer wichtiger.
– Drei Säulen des Erfolgs: Hardware, Software und Marketing.
– Eine gute Hardware ist Grundvoraussetzung, aber der Gast kommt vor allem wegen der Software.
– Der Anteil der Männer im Wellnessbereich ist zwar noch gering, aber steigend – Männer haben aber andere Ansprüche.
– Für eine sinnvolle Investition braucht es viel Zeit und eine detaillierte Planung.
– Für die Marktkompetenz wird nicht der Preis ausschlaggebend sein, sondern das Produkt und die Positionierung.
– 75 % der Wellnessgäste kommen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz.
– Ein echter Wellnessbetrieb braucht pro Zimmer etwa 10 bis 15 Quadratmeter Well-nessfläche.
– Investitionen können nicht alleine über den Wellnessbereich finanziert werden.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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