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Rauchfreie Servicewüste

18.09.2009

Fehlende Servicemitarbeiter und Zimmermädchen werden auf Zypern durch ungelernte Saisoniers aus Russland und Kirgistan ersetzt; und in Italien darf im Hotelzimmer nicht geraucht werdenText: Irene Stelzmüller

W arum Absolventen der heimischen Tourismus- und Gastgewerbeschulen international zu den gefragtesten Mitarbeitern zählen, wurde mir während der Sommermonate auf meiner Reise quer durch Europa klar. Perfekter Service und Gastfreundschaft können in einem Schnellsiedekurs nicht gelernt werden. Egal ob Koch, Servicemitarbeiter oder HGA-Absolvent – mit einem gutem Zeugnis und Referenzen sind sie gefragte Leute in der Hauben- und Sternegastronomie, in der Hotellerie oder auf Kreuzfahrtschiffen rund um den Erdball. Und wie sieht es mit der Gastroausbildung in der EU aus? Frankreich und Italien scheinen mit den heimischen Standards mithalten zu können. Was sie besser machen als Österreich?

Auf Saison in der Heimat
Sie können ihre ausgebildeten Leute im Land halten. An der Côte d’Azur oder auf Sardinien sorgen die einheimischen Servicemitarbeiter sowohl in den kleinen Strandcafés, Restaurants als auch in den Nobelherbergen dafür, dass die Gäste wissen, dass sie in Italien oder Frankreich Urlaub machen. In Kärnten am Wörther See kann man sich da nicht mehr so sicher sein, wenn man von Kellnern mit tschechischem, ungarischem oder slowenischem Akzent bedient wird. Eines muss man diesen Saisoniers aber zugutehalten: Sie wurden entweder schon in ihrer Heimat gut ausgebildet oder haben von ihren Vorgesetzten hier den guten Service schnell erlernt und bemühen sich, österreichische Standards umzusetzen.

Völlig anders sieht es da auf der Insel Zypern aus. Im Vier-Sterne-superior-Hotel in Limassol, versprüht man nicht mehr südländische Gastfreundschaft, sondern hier regiert altkommunistischer Befehlston mit dem Gesichtsausdruck von Kolchosenaufsehern. Olga hieß die Dame, die kein „Guten Morgen, bitte oder danke“ über die Lippen brachte, sondern nur knurrte: „Room-Number!“. Ivan, Sergej, Anastasija und Tatjana, sie alle kommen aus Russland, sind nicht nur ohne Sprachkenntnisse, sondern oft auch ohne Serviceerfahrung auf Saison. So konnte etwa Tatjana in jeder Hand nur einen Teller tragen und trotzdem fiel ihr das Besteck noch hinunter; oder Ivan sah das zusammengelegte Besteck auf meinem Teller, und während ich aus meinem Weinglas trank, griff er einfach unter meinem Arm durch, um den Teller abzuservieren.
In einem anderen zypriotischen Hotel kam das Servicepersonal aus Kirgisistan. Die asiatisch angehauchten, immer freundlichen Damen konnten allesamt zwar fünf verschiedene Fremdsprachen, aber von der täglichen Zimmerreinigung hatten sie keine Ahnung. Mein Mann und ich schlossen schon Wetten ab, ob am Abend der Knäuel aus Lurch und Haaren noch immer mitten im Zimmer im Zug der Klimaanlage kreiselt und was von unseren Zeitungen, Reiseunterlagen oder Wasserflaschen, die am Couchtisch lagen, im Müll gelandet ist.

Aber eines hatten die beiden Inseln Zypern und Sardinien gemeinsam: Es wird ein strenges Tabakgesetz exekutiert. Auf Zypern gibt es nicht nur im Gastraum einen Raucher- beziehungsweise Nichtraucherbereich, sondern auch auf der Terrasse hat der Gast die Wahl; und die Standardfrage lautet: Wollen Sie im Raucher- beziehungsweise Nichtraucherbereich sitzen? Auf der Terrasse erfolgt die Trennung durch üppige Blumenarrangements.

Rauchverbot am Zimmer
Wir Österreicher schütteln noch immer den Kopf, dass in Italien das Tabakgesetz auch wirklich umgesetzt werden konnte und eingehalten wird. Was wir nicht wussten oder uns noch nie auffiel, war, dass in allen italienischen Hotelzimmern, von der Bed-&-Breakfast-Pension bis zum Fünf-Sterne-Hotel, das Rauchen im Zimmer verboten ist. Mit Tafeln, die größer als so manch aufgehängtes Bild sind, wird darauf hingewiesen; und sollte der Gast das Gesetz brechen, muss er mit einer Strafe zwischen 27,50 und 279 Euro rechnen. Geraucht werden darf nur am Balkon oder im Freien. Unsere Zimmervermieter haben uns extra darauf hingewiesen; und obwohl wir ihnen sagten, wir seien Nichtraucher, haben sie uns einen Sessel und Aschenbecher auf den Balkon gestellt, damit wir ja nicht in Versuchung kämen, im Zimmer zu rauchen.
Auch im Vier-Sterne-Hotel wies uns die Rezeptionistin auf das Rauchverbot hin, das im gesamten Hotel gilt, und tatsächlich gehen die Leute vor die Tür, um eine Zigarette zu rauchen. Die Kippen werden nicht wie bei uns am Boden ausgetreten und liegengelassen oder in Blumenkistln entsorgt, sondern die Gastronomen haben vorgesorgt und Stehtische mit Aschenbechern aufgestellt.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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