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Rauchzeichen auf der AfdG

18.04.2007

Rauchen oder nicht rauchen – das ist hier die Frage“, so könnte man ein altes Zitat auf die aktuelle Situation in der Gastronomie abwandeln.

Nachdem Irland und Italien mit einem totalen Rauchverbot in der Gastronomie die Vorreiterrolle innerhalb Europas (in den USA ist das Rauchen in Lokalen schon lange kein Thema mehr) übernommen haben, sind zahlreiche andere Länder auch auf diesen Zug aufgesprungen und haben mal strengere, mal liberalere Gesetze dazu eingeführt, u. a. Schweden, Belgien, Frankreich oder Schottland (der Rest Großbritanniens soll im Sommer folgen).

In Österreich läuft derzeit noch die Evaluierung, ob die freiwillige Selbstverpflichtung der Gastronomen (90 Prozent der Lokale mit mehr als 75 m2 Fläche müssen mindestens 40 Prozent der Sitzplätze rauchfrei halten) erreicht wurde.

Grund genug jedenfalls für die ÖGZ, dieses Thema bei einer Podiumsdiskusion im Rahmen der „Alles für den Gast“-Messe in Wien anzusprechen. Diskussionsteilnehmer waren Dr. Manfred Ainedter (Anwalt und Mitbegründer der Plattform „Rauchfrei(heit)“, in der sich Prominente gegen eine gesetzliche Bevormundung bei diesem Thema aussprechen), Komm.-Rat Rudolf Rumpler (Fachgruppenobmann Gastronomie der Wirtschaftskammer-NÖ und selbst Gastronom in Maria Schutz),Yiwei Zhang (Gastronomin, „Green Cottage“, Wien) sowie Prim. Univ.-Prof. Dr. Hartmut Zwick (Lungenfacharzt, Primarius und Vorstand der Lungenabteilung im Wiener KH Lainz).

Passivrauchen gleich schädlich
„Vom wissenschaftlichen Standpunkt her gibt es keine Diskussion“, erklärte Prim. Zwick. Beim Passivrauchen passiere grosso modo das Gleiche wie beim Aktivrauchen, in lediglich leicht abgeschwächter Form. Das Ergebnis sei aber das gleiche. Zwick: „Wenn man einen nichtrauchenden Barkeeper nach Schichtende eine Urinprobe abgeben lässt, dann lassen sich alle einschlägigen Zigarretteninhaltsstoffe wunderbar nachweisen.“ Und auch die Langzeitfolgen seien bei Aktiv- und Passivrauchern die gleichen. Ein Schutz von Nichtrauchenden Gästen und Personal sei daher angebracht.
Eine Argumentation, der sich Dr. Manfred Ainedter nicht anschließen wollte. „Dialog statt Verbot“ lautet sein Credo. Es gehe nicht um eine Verhärtung der Fronten, sondern um eine Grundsatzdebatte, inwieweit man vom Gesetzgeber eingeschränkt werden dürfe. Schon heute gebe es einige Betriebe, die zur Gänze rauchfrei seien und damit gut leben könnten. Letztlich solle dies aber eine Entscheidung zwischen Gästen und Wirt sein. Niemand sei gezwungen, in ein bestimmtes Lokal zu gehen, und auch Kellner oder Barkeeper würden die Gefahren dieses Berufsstandes kennen, bevor sie sich dazu entschließen. Ainedter: „Letztlich nehmen also alle Beteiligten die Gefahren des Passivrauchens freiwillig auf sich.“ Dass das Rauchen generell nicht gesundheitsfördernd sei, sei natürlich unbestritten, aber wenn es der Politik ernst mit diesen Gefahren sei, dann müsse sie den Tabakkonsum gänzlich verbieten.
„Sind für alle Gäste da“
Eine ähnliche Argumentation vertrat auch Rudolf Rumpler in seiner Eigenschaft als Wirtevertreter: „Wir wollen Wirte für alle Gäste sein. Mit der freiwilligen Selbstverpflichtung haben wir einen Kompromiss gefunden, mit dem alle Beteiligten zufrie den sein sollten.“ Außerdem sei es höchst bedenklich, dass man den Gastronomen wieder mal die Verantwortung dafür zuschiebe, was die Leute machten. Rumpler: „Wir sind für den Weg des Miteinanders. Wie den Bedürfnissen von Rauchern und Nichtrauchern am besten entsprochen werden kann, entscheidet die Nachfrage durch den Gast und nicht der Gesetzgeber.“
Dagegen würde sich Yiwei Zhang sehr wohl ein absolutes Rauchverbot in der Gastronomie wünschen. Denn speziell die Gesundheit von Gastronomie-Mitarbeitern sei zur Zeit stark gefährdet. „Und ein rauchfreies Restaurant im Alleingang würde sich zur Zeit sicherlich nachteilig auf den Umsatz auswirken, da würden viele Leute nicht mehr kommen.“
Kaum konkrete Zahlen
Das war auch die Überleitung zu den wirtschaftlichen Aspekten eines Totalverbotes. Denn Befürworter führen gerne ins Feld, dass der Gastronomie-Umsatz mit einem solchen Verbot zwar kurzfristig leicht abnehmen würde, längerfristig aber keinen Schaden davontrage. „Blödsinn“, entgegnete Ainedter, „ich bin seit vielen Jahren häufig in Irland und kenne genügend Pubs, in die man aus Platzmangel früher kaum hineingekommen ist und die jetzt halb leer sind.“ Konkrete Zahlen von langfristigen Umsatzveränderungen sind allerdings tatsächlich kaum aufzutreiben.
Gegen Bevölkerungswillen
Wovon es jedoch konkrete Zahlen gibt, ist die Einstellung der heimischen Bevölkerung zu diesem Thema. Und hier sprechen sich nach einer OGM-Umfrage vom November 2006 70 Prozent der Befragten gegen ein grundsätzliches Verbot aus. Nur 20 Prozent befürworten nach dieser Studie ein solches Gesetz. Grundtenor: Man bekenne sich zum Nichtraucherschutz, für Raucher müsse jedoch ein menschenwürdiger Platz bleiben. Bewiesen ist damit jedoch, dass sich der Gesetzgeber mit einem kompletten Rauchverbot über die Interessen der Bevölkerung hinwegsetzen würde.
Verhaltensänderung per Gesetz
Und auch die Frage, wie weit sich Verhaltensänderungen auf gesetzliche Weise ändern ließen, wurde diskutiert. Schließlich gäbe es Erfahrungen aus Italien, wo trotz Totalverbot in der Gastronomie die Anzahl der gerauchten Zigaretten im Vorjahr um 1,1 % angestiegen sei. Ähnliches gelte in Irland und Norwegen, wo nach Einführung der Totalverbote nicht weniger Personen rauchten, wie die offiziellen Verkaufsstatistiken für Zigaretten aus diesen Ländern belegen. Wogegen Prim. Zwick mit Zahlen aus Kalifornien konterte. Dort sei es sehr wohl gelungen, mit gesetzlichen Einschränkungen in Verbindung mit Tabakwerbeverboten, starken Anti-Raucher-Kampagnen und einer drastischen Erhöhung der Zigarrettenpreise die Anzahl der Raucher in den vergangenen Jahren deutlich zu reduzieren.
Clemens Kriegelstein

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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