Direkt zum Inhalt
Gläserne Produktion: In der Erlebnissennerei erleben Besucher alle Produktionsschritte hautnah mit. Zuliefernde Bauern sind alle auf Schautafeln namentlich vermerkt.

Reife Leistung

03.09.2014

Gelebte Regionalität: Wenn Not am Mann ist, packen auch schon einmal zuliefernde Bergbauern in der Sennerei Zillertal mit an.

Eine heile Welt kann man nicht vorgaukeln. Man muss sie vorleben. Vor allem wenn es um Geschichten geht. Geschichten, die Lebensmittel erzählen können. Und sie tun es, daran besteht kein Zweifel. Das merkt man vor allem hier in Mayrhofen. Eine Kleinsennerei hat sich zu einem regionalen Leitbetrieb gemausert, der auch noch Käse in hervorragender Qualität erzeugt. Auch beim Chef der Sennerei Zillertal, Heinz Kröll, spürt man, dass er einem nichts vorgaukeln will. Er scheint von der Idee besessen zu sein, seiner Region und seinen Kunden Gutes zu tun und keine Kompromisse einzugehen, was die Qualität seiner Produkte angeht. Das haben die Zillertaler anscheinend im Blut. Dass sie dann auch noch bekannt geschäftstüchtig sind, ist so gesehen kein Nachteil.

In seinem Betrieb beschäftigt er 60 Mitarbeiter, bei Bedarf kann er kurzfristig um bis zu 20 Personen aufstocken. Das ist etwa bei Großveranstaltungen in der Erlebnissennerei im Sommer ein Thema. Seine Mitarbeiter stammen teilweise auch von den zuliefernden Bauernhöfen. „So können sich die Leute auch was dazuverdienen“, betont er. Mit den „Leuten“ meint er jene 380 zuliefernden Heumilchbauern, deren Namen Besucher der Erlebnissennerei beim Eingang auf großen Tafeln nachlesen können. „Transparenter geht’s nicht“, sagt Kröll. Viele Besucher entdecken unter all diesen Namen ihre Herbergsgeber und fühlen sich dadurch noch näher zum Produkt und zu den Bergbauern hingezogen.

Zillertal zum Mitnehmen
Im Tiroler Handel haben die Zillertaler, die Milch von Kuh, Schaf und Ziege verarbeiten, bereits einen Marktanteil von 35 Prozent. In Restösterreich sind sie auch im Handel gelistet, allerdings nicht in dieser Breite. In den letzten zwei Jahren ist auch der deutsche Markt immer wichtiger geworden. Denn Urlauber nehmen sich gerne ein Stück Urlaub mit nach Hause. „Mit unseren Produkten steht auch die Marke Zillertal im Regal. Essen, Natur – davon reden doch die Leute am liebsten, wenn sie aus dem Urlaub zurückkommen, oder?“, sagt Kröll.

Die ursprünglichste Spezialität der Sennerei ist der Graukäse, den es für die Gastronomie auch in kleinen Laiben fürs Käsebrett gibt. In der letzten Zeit hat man den Fokus aber verstärkt auf Ziegen- und Schafskäse gelegt. „Heumilch pur, ohne gärende Futtermittel, ohne Silage. Der Gesundheitsaspekt spielt eine immer größere Rolle“, ist Kröll überzeugt. Dass es in der Sennerei Zillertal manchmal zu Lieferengpässen bei Schaf- und Ziegenmilchprodukten kommen kann, ist nicht weiter tragisch. Wenn es keine Milch mehr gibt, kann man sie auch nicht herzaubern. Grund dafür könnte aktuell etwa die Goldmedaille für den „Edelschaf Schafkäse“ sein, der beim World Championship Cheese Contest 2014 in Wisconsin/USA prämiert wurde. Das lässt die Bestellungen natürlich in die Höhe schnellen. Den „besten Käse der Welt in dieser Kategorie“ wollen natürlich viele kosten. „Wir experimentieren gerne“, sagt Kröll. Ein Produkt zu entwickeln dauere aber oft bis zu zwei Jahre. „Den Edelschafskäse gibt es nur in der Gastronomie bzw. im Direktvertrieb. Von den Köchen haben wir tolles Feedback bekommen.“ Tipp: Ab Oktober 2014 gibt es einen eigenen Online-Shop für die Gastronomie. Im Juni 2015 eröffnet bei der Erlebnissennerei ein Schaubauernhof.
www.sennerei-zillertal.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
Werbung

Weiterführende Themen

Sind österreichische Produkte per se besser?
Gastronomie
30.07.2020

Sollen mehr regionale Produkte auf den Tellern der Gäste landen? Die ÖGZ lud Vertreter der führenden Gastro-Großmärkte zur Diskussionsrunde: Manfred Kröswang, Christoph Kastner, Lorenz Wedl,  ...

Fifi Pissecker (Schauspieler und Kabarettist) und Christian Siegele (Küchenchef Wedelhütte)
Szene
29.01.2020

Das Zillertaler Ski Food Festival ging zum dritten mal über die Bühne.

Bettina Fleiss von Transgourmet (links) nahm den Preis von Monica Rintersbacher von Leitbetriebe Austria entgegen.
Gastronomie
29.01.2020

Transgourmet, Europas zweitgrößtes Unternehmen im Abhol- und Belieferungsgroßhandel für die Gastronomie, wurde erstmals als österreichischer Leitbetrieb zertifiziert.

Vorstandsmitglied Elisabeth Rogl setzt in ihrem Gasthof Glocknerblick in Kals auf regionale Kulinarik.
Hotellerie
08.01.2020

Ein Gruppe Osttiroler Vermieter will einen dezidiert ganzheitlichen, sanften Urlaub im Nationalpark Hohe Tauern anbieten. Der Weg dorthin war durchaus holprig.

Niki Lang und Kollege vom Restaurant Seewirt in Zell.
Gastronomie
19.09.2019

Mehr als 500 Interessierte haben sich in Zell am See zu den Festspielen der alpinen Küche eingefunden. Manche vermissten deren Bodenständigkeit

Werbung