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Reisebüros kämpfen um ihre Position im europäischen Wettbewerb

20.07.2005

„In erster Linie geht es uns darum, die Position der Reisebüros abzusichern, im Wettbewerb am europäischen Binnenmarkt und auf internationaler Ebene ebenso, wie innerhalb der Reisebranche selbst.“ Mit dieser Feststellung umriss der Vizepräsident des Österreichischen Reisebüroverbandes, Mag. Norbert Draskovits, das Ergebnis der Zweijahrestagung der ECTAA (Europäische Organisation nationaler Reisebüros und Tour-Operators).

Als derzeitiger Präsident dieser europäischen Reisebüro- und Reiseveranstalterorganisation konnte er beim Meeting in Lissabon die Vertreter von 28 nationalen Verbänden begrüßen.

Zu den EU-relevanten Themen der Tagung gehörte die Diskussion um die neue Dienstleistungsrichtlinie: Die ECTAA zeigt sich besorgt darüber, dass Reiseleistungen in verschiedenen Dienstleistungskategorien geregelt werden sollen, obwohl es ohnedies bereits eine spezielle europäische Richtlinie für Pauschalreisen gibt. Im Hinblick auf die Internationalität des Reisegeschäftes darf es nicht dazu kommen, dass Regelungen im Binnenmarkt zu Wettbewerbsnachteilen gegenüber außerhalb der EU-Grenzen angesiedelter Unternehmen führen.

Ein Wettbewerbsproblem ergibt sich auch daraus, dass die Mehrwertsteuer auf Reiseleistungen zwar überall als „Margensteuer“ berechnet wird, allerdings in völlig unterschiedlicher Form. Während z.B. in Österreich die 20-prozentige Steuer vom mit zehn Prozent vom Umsatz pauschalierten Rohertrag der Reisebüros gerechnet wird, betrifft sie in Deutschland nur die Reiseveranstalter. Bei der in Diskussion stehenden neuen Mehrwertsteuerrichtlinie sollte nicht nur dafür eine einheitliche Basis gefunden werden, endlich sollten auch konkrete Schritte zur Angleichung der Mehrwertsteuersätze folgen, deren Unterschiedlichkeit nicht nur in der Reisebranche ein wesentliches Hindernis für Wettbewerbsgleichheit darstellt.

Bei der Neuregelung der Passagierrechte ist es der ECTAA gelungen, ihre Wirksamkeit auf die Airlines zu beschränken. Für die weitere Entwicklung ist es das Ziel, Konsumentenschutzfragen grundsätzlich auf den Bereich Produktion – Verkehrsträger, Veranstalter – zu konzentrieren, da der Retailbereich kaum Einfluss auf die Produktgestaltung hat.

Wenig abgewinnen kann die ECTAA auch den Plänen des Europäischen Normungsinstitut CEN (Comité Européen de Normalisation), für die Ausbildung und Zulassung von Reiseführern einheitliche EU-Standards einzuführen. Erste Aufgabe dieser im Tourismus wichtigen Berufsgruppe ist es, Gästen die spezifischen Informationen über das lokale Umfeld zu vermitteln. Es kann daher nur sinnvoll sein, auch die Qualifikation und Zulassung darauf zu konzentrieren, wie es derzeit der Fall ist.

Der zweite Themenkreis bei der ECTAA-Tagung war die diskutierte Änderung der IATA-Zulassungsbestimmungen, die die Beziehungen zwischen Reisebüros und Fluglinien regeln. Es geht dabei vor allem um die rechtlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Erteilung einer IATA-Lizenz und verschiedene technische Fragen, wie etwa den grenzüberschreitenden Ticketverkauf oder das Versenden von Nachbelastungsanzeigen durch die Airlines mit monatelanger Verspätung. Das hat zur Folge, dass die Vorgänge kaum mehr nachvollziehbar sind. Die ECTAA setzt sich für einheitliche IATA-Standards ein. Die Details sollen den direkten Verhandlungen zwischen den regionalen Verbänden und den Airlines überlassen bleiben. Auch für den Bank Settlement Plan – dem Abrechnungssystem zwischen Airlines und Reisebüros – bereitet die ECTAA ein Alternativprogramm vor, das kostengünstiger und flexibler ist, als das derzeitige Modell.

Vehement sprachen sich die ECTAA-Mitglieder in Lissabon gegen Bestrebungen aus, europäische Entwicklungshilfeprogramme über eine Flugpassagiersteuer oder eine Kerosinabgabe zu finanzieren. „Es ist unverständlich, warum mit einer solchen Steuer ausgerechnet die Luftfahrt und kein anderer Wirtschaftszweig belastet werden soll“, erklärte dazu ECTAA-Präsident Norbert Draskovits.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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