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Rennen füllen Betten

18.02.2004

Die heimische Gastronomie und Hotellerie sind die wahren Sieger der alpinen Skirennen in Österreich.

Die Auswirkung von Sportevents auf die – speziell touristischen – Umsätze einer Region ist kein Geheimnis. Davon kann man vor allem in Spielberg ein trauriges Lied singen, wo sich heuer das Ausbleiben des Formel 1-Rennens schmerzhaft bemerkbar machen wird.
Und gerade in der Skination Österreich sorgen die Rennen des alpinen Skiweltcups regelmäßig für Umsatzrekorde bei den örtlichen Tourismus- und Gastronomiebetrieben. Der Weltcup-Nachtslalom in Schladming etwa hat mit den Fan-Massen auch einiges an Geld gebracht.

Laut der Steirischen Tourismusgesellschaft (STG) wurden im Zeitraum zwischen der Nummernausgabe am Montag und dem Rennen am Dienstag rund 10 Mio. Euro umgesetzt, wie der Chef des Organisationskomitees, Hans Grogl, mitteilte. Diese Umsätze seien aber vor allem in der Gastronomie zu verbuchen, so der scheidende Chef der Tourismusregion Dachstein-Tauern, Georg Bliem. Bei den Beherbergungsbetrieben sei man Ende Jänner traditionell gut ausgebucht.
Während der Zeit der Anwesenheit des Weltcup-Zirkus habe man in Schladming und Umgebung eine Auslastungsquote von über 90 Prozent gehabt, so Bliem. Vor allem die TV-Bilder mit Schneefall hätten zu einer erhöhten Anfrage im Regionsbüro geführt, man spüre es auch beim Buchungsverhalten.

Serien-Sieger Kitzbühel
Und auch in Kitzbühel heißt der wahre Hahnenkamm-Sieger Jahr für Jahr nicht „Eberharter” oder „Herminator”, sondern „Kitzbühel” selbst mit all seinen Freizeit-, Tourismus- und Gastronomiebetrieben. „Der Werbeeffekt ist für Kitzbühel und Umgebung unbezahlbar“, erklärt Laurence Brissoneau vom Tourismusverband Kitzbühel. „Am gesamten Rennwochenende kommen wir auf rund 100.000 Tagestouristen.“ Da Kitzbühel aber nur über knapp 8.000 Gästebetten verfüge, profitiere die gesamte Region bis hinein nach Wörgl davon. Der Gesamtumsatz während der Veranstaltungstage wird vom Skiverband Kitzbühel auf rund 30 Mio. Euro geschätzt.
Im Gegensatz zu den österreichischen Fans wünscht sich Harti Weirather, der seit sieben Jahren mit seiner Sportmarketingagentur WWP das Hahnenkammrennen vermarktet, keine heimischen Seriensieger: „Vor allem Deutschland und Italien brauchen dringend einen Star.“

Laut Weirather spielt Kitzbühel überhaupt in einer anderen Liga als die anderen heimischen Weltcuporte. Während die rund 100.000 Tagestouristen die Kassen der Kitzbüheler Gastronomen Jahr für Jahr klingeln lassen, sind Weltcuprennen für sich alleine genommen nicht unbedingt eine Goldgrube.

Der Aufwand ist gewaltig
„Zuerst einmal kostet die Veranstaltung eines Weltcuprennens sehr viel Geld. Wer im Fernsehen die vielen Zuschauer sieht, glaubt vielleicht, dass ein Weltcuprennen ein Riesengeschäft ist. Dabei wird aber oft vergessen, was die Unterbringung der Teams und der Funktionäre kostet und wie viel Aufwand die Präparierung der Pisten sowie die Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur erfordert“, fasst Toni Kramer, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Flachau zehn Jahre Erfahrung mit Weltcuprennen zusammen.

Wieso man es trotzdem macht?
„Langfristig ist die Werbewirkung eines Weltcuprennens sehr wichtig. Das gilt für internationale Gäste genauso wie für Österreicher“, so Kramer.
Deshalb ist es auch wichtig, dass weder Hotellerie noch Gastronomie versuchen, während der Rennen mit Phantasiepreisen den schnellen Euro zu machen. Schließlich sollen ja alle Besucher vor Ort, sowie die internationale Presse ein möglichst gutes Bild von Flachau mitnehmen und möglichst bald auch privat zum Skifahren wieder kommen.

Problematische Renntermine
Weltcuprennen dienen den Austragungsorten also primär zur Werbung. Somit sind Termine zu Saisonende nur noch bedingt attraktiv. Die besten Termine im berühmten „Jännerloch“ sind traditionell an die langjährigen großen Veranstalter wie Garmisch, Wengen und Kitzbühel vergeben. Und vor Weihnachten, wenn ein Rennen aus touristischer Sicht am meisten bringt, ist die Schneesicherheit oft nicht gegeben.
Während der stärksten Wochen – also zwischen Weihnachten und Neujahr sowie während der Energieferien – lässt zumindest aus Veranstaltersicht die Lust auf den Weltcup gewaltig nach.
So hat sich St. Anton erst nach langem internen Hin und Her dazu entschlossen, die – dem ÖSV prinzipiell zugesagten – Rennen am kommenden Wochenende tatsächlich zu veranstalten.
Die Damenrennen zum ungeliebten Termin Ende Dezember alternieren zwischen Lienz und dem Semmering. So müssen beide Orte nur jedes zweite Jahr ein entsprechendes Bettenkontingent freihalten und können trotzdem mit dem Image als Weltcup-Veranstalter werben.
Dennoch ist das „Griß“, um das Recht, ein Weltcuprennen zu veranstalten, zumindest in Österreich nach wie vor ein starkes.
So hat Bad Kleinkirchheim im Dezember 2003 die Weltcup taugliche Abfahrt „Kärnten- Franz Klammer“ eröffnet und hofft auf einen (möglichst attraktiven) – Termin in der nächsten Saison.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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