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Retten wir den Sommer

01.06.2005

Die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) stellt einen „Erste-Hilfe-Koffer“ mit sechs „Rettungs-Pillen“ vor, die helfen sollen, die Rolle Österreichs als Ganzjahres-Destination zu sichern.

Seit 1994 gingen die Nächtigungen im österreichischen Sommertourismus trotz stetig steigenden Ankunftszahlen (plus 6%) um rund zehn Millionen auf knapp 60 Millionen Nächtigungen zurück.
Ohne entsprechende Gegenmaßnahmen wird sich dieser Negativ-Trend laut ÖHV-Präsident Peter Peer nicht stoppen lassen. Eine Steigerung der Ankünfte im Gleichschritt mit der gesamteuropäischen Entwicklung um jährlich drei Prozent (erwartete Marktentwicklung laut World Tourism Organization) sowie eine positive Trendumkehr bei der Aufenthaltsdauer sind für die ÖHV die Mindestlatte, um die angestrebten 140 Millionen Nächtigungen bis 2010 zu erreichen.
Sechs Pillen zum Erfolg
Als Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung fordert die ÖHV einen österreichweiten Tourismus-Masterplan (1. Pille), wie es ihn auf lokaler Ebene,
z. B. in Wien, schon gibt. „Derzeit wird ziellos in verschiedene Richtungen gefeuert und Pulver verschossen. Der Masterplan soll die existierenden Schwerpunktprogramme einbinden und mit den tourismuspolitischen Zielen der Länder bündeln. Die Verantwortlichkeit dafür sieht die ÖHV im Wirtschaftsministerium. Die Tourismus-Aktivitäten der Länder sollten sich auf deutschsprachige Kernmärkte beschränken.
Des Weiteren muss die Internationalität der Gäste erhöht werden (Pille 2). Knapp die Hälfte der Sommergäste kommt aus Deutschland, ein Drittel aus Österreich. Der Anteil an außereuropäischen Gästen beträgt lediglich 4,1%. Zum Vergleich: In der Schweiz beträgt der Anteil der internationalen Gäste 29%.
Um auch Gäste unter 30 verstärkt nach Österreich zu bringen (Pille 3), muss das Angebot auch im Hotelbereich erweitert werden. Hierfür ist auch eine Bereinigung innerhalb der Hotelkategorien notwendig. „Wir sind momentan das Land der 4-Sterne-Hotels zu 3-Sterne-Preisen. Qualitative Angebote in der 3- und 2-Sterne-Hotellerie fehlen fast zur Gänze. Die derzeitige Kategorisierung bietet dem Gast kaum Orientierung“, kritisiert Schellhorn.

Als vierte Rettungspille schlägt die ÖHV eine Verbesserung der Dienstleistungskette vor. „Der Flug von Hamburg nach Salzburg mit einem Lowcost-Carrier dauert etwas über eine Stunde. Doch zwischen der Ankunft am Flughafen und dem touristischen Angebot klafft eine Lücke“, so Schellhorn. „Wieso kann sich der Gast nicht gleich am Flughafen eine Golfausrüstung ausborgen und eine halbe Stunde später am Platz stehen?“ Hier sind laut ÖHV neue Angebote mit entsprechender Infrastruktur durch verschiedene Anbieter im Rahmen eines professionellen Destinations-managements gefordert.
Weiters muss das Sommerangebot auch zeitlich ausgeweitet werden (5. Pille). „Wenn wir es nicht schaffen, Österreich zu einem 365-Tage-Tourismusland zu machen, werden wir massiv an Marktanteil verlieren. Für China ist etwa der Mai die Hauptreisezeit“, so Peer.
Weil man trotz Klima-Erwärmung auch in Zukunft nicht auf 365 Sonnentage hoffen darf, wäre es allerdings notwendig, auch in klassischen Sommerregionen für attraktive Schlechtwetter-Attraktionen zu sorgen.
Neben stärkeren Kooperationen bei wetterunabhängigen Angeboten wäre vor allem eine bessere Inszenierung des Angebots wünschenswert (Pille 6).
„Reisende haben ein steigendes Bedürfnis nach ‚inszenierter Authentizität‘. Dazu sollte Österreich nach amerikanische Vorbild die Geschichten rund um seine Orte, Landschaften und Persönlichkeiten viel besser inszenieren“, erklärte Schellhorn.
Alles also keine bittere Pillen, doch ihre „Nichteinnahme“ könnte gefährliche Nebenwirkungen für die touristische Entwicklung unseres Landes haben.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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