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Künstler sind auch nur Gäste. Oder doch nicht?

Rock dein Hotel!

02.07.2018

Die Veränderungen in der Musikwirtschaft in den letzten zehn Jahren bergen auch neue Chancen: Mehr denn je findet ein Austausch zwischen Plattenfirmen, Künstlern und Hotels statt. 

Musiker nächtigen nicht nur in Hotels, sie nutzen sie auch als Bühne für PR-Aktivitäten. Davon profitieren Hotels imagemäßig. Rechts die Band Granada (A).

Früher musste man als Hotelbesitzer fast ein wenig Angst bekommen, wenn erfolgreiche Musikerinnen und Musiker zu Gast waren – Rockstar-Allüren, aus dem Fenster geworfene TV-Geräte und andere Exzesse haben fast ein halbes Jahrhundert lang das Bild dieser Beziehung geprägt. Diese Fälle mag es immer noch geben, doch aufgrund der knapperen finanziellen Rahmen überwiegt mittlerweile der gegenseitige kreative Austausch und ein nachhaltigeres Miteinander. Denn Bedarf gibt es mehr denn je: Als logische Reaktion auf immer schwächer werdende Musikverkäufe steht in den letzten Jahren vermehrt die Konzerttätigkeit und Live-Präsenz der Künstler im Mittelpunkt; Konzerte haben sich als primäre Einnahmequelle für Musiktreibende etabliert. Damit einher geht ein erhöhter Bedarf an Hotel- und Pensionsnächtigungen – und das ist nicht der einzige Berührungspunkt zwischen Hotellerie und Musikbusiness.

Service und Flexibilität

Die Band Granada hat nicht nur soeben ein neues Album veröffentlicht, sondern war kürzlich gemeinsam mit Sportfreunde Stiller auf Tour durch den deutschsprachigen Raum. Genächtigt haben sie dabei in unbequemen Mehrbettlagern hinter der Bühne, in netten Pensionen bis hin zur überraschenden Unterbringung im Hotel Sacher. Ihre Antwort auf die Frage, was ihnen bei einem Hotel wichtig sei, ist stellvertretend für viele andere Musiktreibende: Sauberkeit und Flexibilität. Wer in der Nacht auf der Bühne steht, freut sich über Late Check-in und einen ebenso späten Check-out. Wenn es dann noch ein Frühstück außerhalb der regulären Zeiten gibt, kann sich der Hotelier der ewigen Dankbarkeit der Musiker sicher sein. Und nicht nur das: Management und Veranstalter werden auch zukünftig dort buchen und auf diese Art eine längerwährende Geschäftsverbindung eingehen.

Das gilt übrigens nicht nur für Hotels, sondern gerade auch für kleinere Pensionen. Thomas Petritsch von der Band Granada zieht beispielsweise familiäre Pensionen den größeren Hotels vor. Er schätzt den unbürokratischen Umgang mit kleinen Sonderwünschen wie etwa eine kleine Mahlzeit, wenn die Küche eigentlich schon kalt ist. Natürlich kehrt man dann gerne wieder dort ein und empfiehlt diese Nächtigungsoption ebenso gerne weiter.

Mehr als nur eine Nächtigung

Häufig dienen Hotels nicht nur zur Unterbringung der Stars, sondern liefern auch gleich Ambiente und Infrastruktur für ganze PR-Tage und Interviews. Diesbezüglich sind Plattenfirmen, Labels und Managements an längerfristiger Zusammenarbeit mit den Hotels interessiert; stellvertretend seien das 25hours und das Triest in Wien genannt, die seit einigen Jahren Musikerinnen und Musiker aus aller Welt beherbergen und auch für mehrtägige Interview-Marathons bestens geeignet sind.

Sabine Kronowetter betreibt eine Promotionagentur, die viele heimische, aber auch bekannte internationale Künstlerinnen und Künstler betreut. Auch für sie ist die Flexibilität ein wichtiges Argument. Das Hotel, das problemlos durchgehend vegane Produkte organisierte und für die Interviews nicht nur Atmosphäre, sondern auch Snacks nahezu rund um die Uhr bereitstellte, ist ihr bis heute in ausgezeichneter Erinnerung. 

Das Hotel als Bühne

Richtig spannend wird es allerdings, wenn Hotels ein Teil der künstlerischen Inszenierung werden. Seit einiger Zeit ist ein Trend erkennbar, bei dem beispielsweise Lobbys und Hotelbars gezielt als Veranstaltungsort dienen. Christian Dzwonkovski, der bereits mit dem Wiener Straßenkunstfestival und vielen Veranstaltungen auf sich aufmerksam machte, hat im Wiener Design-Hotel Schani einige Konzepte umgesetzt – wie etwa Konzerte und regelmäßige Veranstaltungen in der weiträumigen und dennoch kommunikativen Lobby und Bar. Ziel war es, einerseits die Besucherzahl in der Bar zu erhöhen und andererseits in der noch wenig belebten Gegend des Sonnwendviertels für kreative Highlights zu sorgen. So veranstaltete Dzwonkovski Vernissagen, Unplugged-Konzerte und Partys im Rahmen der Aufzeichnung der Sendung Swound Sound für den Sender FM4. Es zeigte sich, dass auch mit kleinen Budgets große Wirkung erzielt werden kann, und er sieht eine Zukunft, in der Hotels wie in Amerika authentisches Entertainment bieten können – das erhöht nicht nur die Nächtigungszahlen, sondern sorgt auch noch für zusätzliche PR.

Der Kreativität sind also keine Grenzen gesetzt: Ob Plattenpräsentationen von Labels, ob regelmäßige Konzertveranstaltungen in umsatzschwächeren Zeiten oder spezielle DJ-Lines, die für das gewisse musikalische Extra in der Hotelbar sorgen – auf diese Art können neue Besucherschichten erschlossen und auch der Name des Hotels in einer anderen Zielgruppe etabliert werden. Das Avantgarde-Festival „Madeira Dig“ auf der portugiesischen Insel hat gar für einen ungeahnten Zustrom eines jungen, aktiven Publikums gesorgt: Das Hotel „Estalagem Quinta da Rochinha“ und das dortige Museum für Moderne Kunst sind die Gastgeber dieses Events; ihre außergewöhnliche Veranstaltung hat Madeira mit Kreativität als attraktives, touristisches Reiseziel für Musikinteressierte erschlossen.

Text: Peter Zirbs

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