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PET-Granulat zur Wiederaufbereitung neuer PET-Flaschen.

Römerquelle: PET jetzt aus 100-Prozent Recycling

18.04.2019

PET-Flaschen gibt es jetzt bei Römerquelle aus 100 Prozent recyceltem Plastik. In der Gastronomie bleibt aber die Glasflasche dominant 

Wie funktioniert der Recycling-Prozess?

Getränke-PET-Flaschen, die in den österreichischen Handel kommen, müssen strengen Anforderungen entsprechen, damit gesundheitliche Sicherheit garantiert ist. 

Sammlung & Sortierung 
Im besten Fall werden gebrauchte PET-Flaschen über das jeweils zur Verfügung stehende Sammelsystem, wie z.B. in gelben Tonnen oder Säcken, gesammelt. Dank der sammeleifrigen Österreicherinnen und Österreicher liegt die Verwertungsquote bei PET-Flaschen bei rund 75 Prozent. Nach ihrer fachgerechten Entsorgung gelangen PET-Flaschen, farblich sortiert und zu großen Ballen gepresst, nach Müllendorf. Ein Ballen wiegt 
ca. 250 kg und enthält rund 10.000 PET-Flaschen. 
 

Aufbereitung 
Die Recycling-Anlage in Müllendorf ist 2007 in Betrieb gegangen und gilt seither als Vorzeigemodell. PET-Flaschen werden dort mittels zweier unterschiedlicher Verfahren zu PET-Flakes bzw. PET-Granulat verarbeitet. Die eine Anlage reinigt mittels des patentierten URRC-Verfahrens (United Resource Recovery Corporation) die PET-Flakes sehr intensiv, aber gleichzeitig schonend und gründlich, in einer zweiten Anlage wird das PET eingeschmolzen und zu Granulat verarbeitet. Beide Recyclatformen werden dabei auf lebensmitteltaugliche Qualität gebracht. 
 

Neue Flaschen
Die PET-Flakes bzw. das PET-Granulat werden in sogenannte „Big Bags“ abgefüllt und von den Preform- und Flaschenerzeugern im Zuge der Herstellung neuer PET-Flaschen beigefügt. Der Anteil an recyceltem PET beträgt je nach Flaschentyp zumindest 30 Prozent – bei Römerquelle ab sofort 100 Prozent!

Umweltschutz ist oft gar nicht so einfach, sondern meist ein recht kompliziertes Rechenspiel. Oder besser gesagt: Die Antwort auf die Frage, welche Verpackung denn die ökologisch vertretbarste ist. Christoph Scharff, seines Zeichens Vorstand der Altstoff Recycling Austria (ARA), erklärt das anhand von Trinkflaschen. Mehrweg schlägt doch Einweg immer und überall, ist zunächst mal die Vermutung. Ist nur nicht so einfach! Scharff erklärt, dass es oft auf eine Betrachtung des Einzelfalls ankommt. Letztlich führt er drei Komponenten an, die von Relevanz sind. Erstens die Umlaufzahl der Mehrwegflaschen, zweitens die Recyclingquote bei Einwegflaschen und drittens die Transportentfernung. Bei Letzterer lässt sich über den Daumen gepeilt sagen: Ist der Transportweg kürzer als 100 Kilometer, gewinnt in der Öko-Bilanz die Mehrwegflasche. Bei Lieferwegen jenseits der 200 Kilometer geht das Rennen aber an die PET-Flasche. 

Das Problem der immensen Plastikverschmutzung des Planeten liege nicht so sehr an den Verpackungen selbst, sondern vielmehr am Fehlen von Abfallwirtschafts-Systemen auf der ganzen Welt. Laut Scharff leben zwei Milliarden Menschen ohne ein solches System – Müll landet direkt in der Umwelt. 

Doch zurück nach Österreich. Dort stellte der Mineralwasserhersteller Römerquelle gemeinsam mit der ARA seine neueste Innovation vor. Ab Mai füllt der zu Coca-Cola gehörende burgenländische Mineralwasserproduzent nur mehr in zu 100 Prozent recycelten PET-Flaschen ab. Das sind zunächst einmal gute Nachrichten. Mit der Umstellung auf die 100-Prozent-recycelte-PET-Flasche geht auch eine signifikante Reduktion des CO2-Verbrauchs einher: Im Vergleich zu PET-Flaschen der ersten Generation (ohne Anteil von recyceltem Material) sinkt der Wert laut Coca-Cola-HBC-Österreich-Sprecherin Ursula Riegler um bis zu 70 Prozent. Und je öfter Kunststoff wiederverwendet wird, umso besser wird die Klimabilanz. 

Recyclinganteil auf 90 Prozent 

Prinzipiell gelten die Österreicher international gesehen als recht gute Sammler. Laut Angaben der ARA landen rund sieben von zehn Flaschen im Recyclingkreislauf. Gut, aber noch immer zu wenig. Erklärtes Ziel ist eine Quote von 90 Prozent. Dabei können auch moderne Müllsortierungsanlagen helfen, wie Scharff erklärt. 

Beim Anteil des recycelten Materials in PET-Flaschen hat die EU vorgegeben, dass 2025 der Anteil 25 Prozent betragen soll, spätestens 2030 soll er 30 Prozent betragen. Wie Coca-Cola-Sprecherin Ursula Riegler erklärt, soll auch bei den anderen Produkten des Hauses der Recyclinganteil der Flaschen erhöht werden. „Der nächste Meilenstein ist ein 50-Prozent-Anteil übers gesamte Sortiment“, sagt Riegler. 
Die Kreislaufwirtschaft wird in ­Österreich übrigens seit mehr als zehn Jahren umgesetzt. Coca-Cola hat mit anderen Getränkeherstellern die „PET2PET“-Recycling-Anlage im burgenländischen Müllendorf errichtet. Im Jahr 2018 gab es ein Rekordergebnis: Insgesamt wurden mehr als eine Milliarde Flaschen wiederverwertet. 

Gastro weiter Mehrweg 

Angesichts der Entwicklungen und anfangs genannten Zahlen der ARA stellt sich die Frage: Werden wir auch bald mehr PET in der Gastro sehen? Derzeit beschränkt sich der PET-Anteil hauptsächlich auf Imbisse, System­gastronomie oder Catering. Laut Coca-Cola-Sprecherin Riegler bleibt der ­Fokus in Sachen Gastronomie aber ganz klar am Mehrwegprodukt. „Hier haben wir ein etabliertes Produkt, daran wollen wir nichts ändern“, sagt sie zur ÖGZ. Aber freilich lässt sich auch das optimieren, hinsichtlich des Flaschengewichts zum Beispiel. Man wird sehen, was sich in diesem Bereich künftig tut. 

Autor/in:
Daniel Nutz
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