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Im Familienbetrieb Salcher röstet Oswald Salcher im guten alten Trommelröster.

Rösten im Westen

14.12.2017

Die Kaffeeszene von Tirol und Vorarlberg ist in Bewegung. Wir haben uns vor Ort umgeschaut.

Treffpunkt für Kaffee-Aficionados und Profis: die „Kaffeebohne“ in Dornbirn.

Dieser Terminus kommt immer stärker in Mode: „Lokal geröstet“. Die Nachfrage nach handwerklich vor Ort produzierten Kaffee-Produkten steigt. Allein in Tirol und Vorarlberg gibt es heute mehr als 20 Kaffeeröster, nicht alle davon rösten zwar für die Gastronomie, aber diese oft kleinen Röster erfüllen weit mehr Aufgaben, als „nur“ den Kaffee zu veredeln.

Einerseits haben diese Kleinröster oftmals einen Laden, wo der Kaffee produziert wird (Erlebnis Schaurösterei), wo er aber auch verkauft wird und wo letztendlich auch Ausbildungskurse zu jedem Thema rund um Kaffee stattfinden. Dadurch und durch die damit verbundenen meist sehr hohen Qualitätsansprüche sind diese Röster zum Botschafter des guten Kaffees geworden, zur „Formel 1 der Kaffee-Branche“, wie es ein führender Kaffee-Wissenschaftler in der Schweiz ausgedrückt hat. 

Qualitätsbewusstsein

Der Einfluss dieser Kaffeeröster auf den kaffeehungrigen und -wissensdurstigen Konsumenten ist sehr groß, da aus dieser Ecke auch die meiste Information über die Qualität in Anbau, Röstung und Zubereitung zu den Konsumenten dringt. In Vorarlberg bemühen sich Carmen und Elmar Bitschnau in ihrer „Kaffeebohne“ in Dornbirn bereits seit 2004 um diese Anliegen. Die „Kaffeebohne“ ist eine kleine feine Rösterei, Kaffeebar und Treffpunkt der Liebhaber von Kaffee, Kaffeemaschinen und Zubehör. Schwerpunkt der Rösttätigkeit ist nicht die Gastronomie, auch wenn man durchaus für einige ausgewählte Betriebe tätig ist und sogar eigene Gastro-Mischungen entwickelt. „Das Problem ist meistens der Preis“, sagt uns Carmen Bitschnau. Und leider nicht die wichtigeren Fragen „Wie kann ich meinen Umsatz steigern?“, „Wie verkaufe ich eine 2. Tasse an den Kunden?“, „Wie halte ich Stammkunden?“ und „Wie gewinne ich neue Kunden?“ Das geht eigentlich nur über die Kaffeequalität und nicht über den Preis.

Marktführer in Vorarlberg

Marktführer der regionalen Röster in Vorarlberg ist Amman Kaffee mit der Rösterei in Schwarzenberg im Bregenzerwald. Die Zentrale samt Schulungszentrum und Kaffeebar befindet sich in Lustenau, eine Verkaufsstelle mit Verkostungsmöglichkeit befindet sich noch an „alter Stätte“ am Dornbirner Marktplatz. Amann Kaffee wurde 1993 von Peter und Rupert Amann gegründet und wird heute von Peter Amann gemeinsam mit seinen Kindern Johanna und Florian geführt. Erst vor wenigen Monaten hat Amann Kaffee auch den Zürcher Traditionskaffeeröster „Stoll Kaffee“ übernommen und ist so mittlerweile mit einer komplett eigenen Schiene (und Rösterei) auch im umkämpften Schweizer Markt tätig (150 Kaffeeröster rittern dort um Kundschaft!). Neben Gastronomiekaffee bietet Amann auch sortenreine Kaffees, Estate Coffees, aber auch z. B. Nespresso-kompatible Kaffeekapseln.

Service und Kundenbindung

Im Tirolerischen Polling setzt man auf Serviceleistungen und Kundenbindung, hier wird vorwiegend für die Gastronomie geröstet. Die Kaffeerösterei Salcher ist ein Familienbetrieb in dritter Generation und wird seit 1983 von Oswald Salcher geführt, der selbst im altbewährten Trommelröster röstet und die Mischungen für die Gastro-nomie selbst kreiert. Der frische Kaffee wird direkt von der Rösterei jede Woche an die Kunden ausgeliefert. Die Firma Salcher kann aber auch auf jahrzehntelange Erfahrung bei der Reparatur von Kaffeemaschinen in der eigenen Werkstatt zurückblicken und so den Kunden noch eine besondere Zusatzleistung anbieten.

C+C mit Kaffeekompetenz

Das Tiroler Handelshaus Wedl in Mils ist nicht nur Marktführer und Spezialist für Gastronomiekaffee mit so bekannten Marken wie Bristot, Wedl Kaffee oder Black & Red, sondern geht mit der Kaffeemarke „Testa Rossa“ auch noch einen anderen Weg: nämlich in der Umsetzung von Kaffeebar-Konzepten für die Gastronomie mittels Franchise. Die Testa Rossa caffèbar findet man bereits in mehr als 50 Outlets in Asien, Europa und Afrika. Im Jänner 2017 wurde die erste „Testa Rossa caffèbar Enzo“ in Kufstein eröffnet, die für ein junges und dynamisches Wohlfühlerlebnis steht. Hier wird eine Kaffeebar mit einer Vinothek kombiniert. 

Ausbildung für Profis

Aber nicht nur die Kaffee-Röstereien sind stark im „Westen“ vertreten, auch die Ausbildungsmöglichkeiten für Kaffeeprofis sind gegeben. Seit genau zehn Jahren bietet Goran Huber in seinem unabhängigen „Kaffee-Institut“ in Rum bei Innsbruck Kurse und Ausbildung für alle angehenden Kaffee-Profis in Theorie und Praxis. Vor wenigen Monaten wurde sein neues Schulungszentrum eröffnet.

Autor/in:
Barbara Egger
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