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Vorbildlich: In der Röststation in Kapellen wird Kaffee auf Topniveau zelebriert.

Röststation Kapellen: Hidden Champ am Semmering

30.03.2016
Bildet seine Mitarbeiter in der Röststation selbst aus: Johann Jahrmann.

Keine 20 km von Spital am Semmering entfernt und somit direkt an einem beliebten Ausflugsziel für viele Wiener (aber auch Grazer) Tages- und Urlaubsgäste, befindet sich neuerdings eine bemerkenswerte Kaffeeadresse. Kapellen heißt der Ort, das Ziel der koffeinhaltigen Begierde ist die ehemalige Eisenbahnstation. Bemerkenswert deswegen, weil man an dem abgeschiedenen, jedoch denkmalgeschützten Ort nicht unbedingt eine Top-Adresse für Kaffee, Kaffeegetränke und eine Rösterei vermutet – aber das genaue Gegenteil ist der Fall: Johann Jahrmann betreibt seit letztem Sommer dort die „Röststation“, ein Konzept, das Kaffee mit einem gastronomischen Angebot vereint.

Die Röststation ist zugleich ein beliebter Halt auf dem Radweg von Mürzzuschlag nach Neuberg, einer Route entlang der ehemaligen Bahnstrecke, die im Winter – je nach Laune der Jahreszeit – auch gerne einmal zur Langlaufstrecke mutiert. Bei der Einkehr gibt es Kaffee und Kaffeegetränke, aber auch ein vielfältiges Getränkesortiment sowie eine stärkende Jause, z. B. in Form einer „steirisch-elsässischen Flammkuchenspezialität“ oder von selbstgemachten Mehlspeisen.

Zur Nachahmung empfohlen

Der Schwerpunkt ist und bleibt jedoch der Kaffee, wobei Herr Jahrmann eine Professionalität an den Tag legt, die viele Gastronomen zur Nachahmung anregen sollte, sofern man ernsthafte Anstrengungen unternehmen wollte, die bundesweite Kaffeequalität ernsthaft zu verbessern. Erstmal ist Johann Jahrmann selbst ein absoluter Fachmann auf dem Sektor Kaffee, hat Kurse in Theorie und Praxis in einschlägigen österreichischen Ausbildungszentren belegt und setzt dieses Wissen auch täglich in seiner Röststation um. Zum anderen überlässt der gelernte Softwareentwickler nichts dem Zufall, wenn es darum geht, zum perfekten Espresso zu gelangen: „Kaffee ist eben kein Wein, wo nur die Flasche geöffnet werden muss, um das Produkt genießen zu können“, meint Herr Jahrmann und präsentiert stolz die hochwertige Hardware in Form einer dreigruppigen Espressomaschine auf dem letzten Stand der Technik, von zwei hochwertigen Mühlen mit speziellem Kühlsystem für das Mahlgut oder von dickwandigen Spezialtassen mit dem richtigen Temperaturverhalten für gebrühten Espresso. Der Chef bildet auch selbst die Mitarbeiter aus, z. B. im Milchschäumen und röstet auch selbst. Geröstet werden nur reinsortige (Arabica-)Kaffees, sechs Sorten an der Zahl, aus sechs weltweiten Top-Lagen, mit sechs unterschiedlichen Namen, die schon erste Informationen über den Geschmack verraten. Herr Jahrmann möchte die Besonderheiten der Lagenkaffees hervorheben und die des Naturproduktes Kaffee, daher röstet er nur reinsortig.

 
Kaffee ist wie Wein

„Kaffee bringt jedes Jahr eine neue Ernte und eine andere Qualität hervor. Beim Wein reden wir ständig über den Jahrgang, beim Kaffee tut das kaum jemand, obwohl Kaffee genauso ein Naturprodukt ist.“ Der Röstgrad hängt u. a. ebenfalls von der Kaffeesorte ab, Basis ist in der Röststation die „Wiener Röstung“, die eine typische, leichte Karamellnote hervorbringt. Geröstet wird die hauseigene Marke „Johann Kaffee“ an den gastrofreien Tagen vor Ort, jedoch wird auch ein Schaurösten (für größere Gruppen kostenfrei) angeboten. Das Konzept umfasst darüber hinaus ein Kaffeecatering, den Kaffeeverkauf vor Ort oder im Onlineshop sowie Kaffeeverkostungen und -seminare. 

Aber aus noch einem Grund ist die Röststation etwas Besonderes: Zwar ist das Unternehmen als Familienbetrieb geführt, doch bietet es schon bis zu sieben Personen Platz für Arbeit. Mit einem Unternehmer an der Spitze, der in seinem Stammberuf dem bekannten Phänomen Personalabbau zum Opfer fiel und der sich mit ca. 50 Jahren noch einmal zu einer neuen Reise aufgemacht hat. „Das möchte ich nicht vermissen. Unglaublich, was ich alles versäumt hätte, wenn ich nur auf meine Pension hingearbeitet 
hätte.“ 
www.roeststation.at

Autor/in:
Martin Kienreich
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