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Steppenrinder im Seewinkel: Manchmal wird’s afrikanisch.

Safari am Neusiedler See

19.05.2016

Im Burgenland setzt man touristisch erfolgreich auf Naturerlebnisse für Jung und Alt. Best Practice: die Safaritouren der St. Martins Lodge. Die ÖGZ hat sich das vor Ort angesehen 

Tourismusdirektor Mario Baier mit weißen Eseln.

Seit fünf Jahren entwickelt der Burgenland Tourismus intensiv Produkte und Angebote für den naturaffinen Gast. „Ökotourismus ist mehr als ein Trend“, sagt Tourismusdirektor Mario Baier. „Das ist eine neue Urlaubsform, die ein wachsendes Bedürfnis befriedigt. Der Gast möchte entspannen und etwas lernen.“ Dafür bietet der grenzüberschreitende Nationalpark Neusiedler See das optimale Umfeld: Er ist grenzüberschreitend und bietet eine ungewöhnliche Flora und Fauna in ebenso ungewöhnlicher Landschaft – so ganz und gar nicht alpenländisch! 

Lodge als Impulsgeber

Die St. Martins Lodge fungiert dabei seit sieben Jahren als Impulsgeber. Hier hat man von Anfang an das Thema Seewinkel-Safaris entwickelt, ein echtes Stand-alone-Produkt: Therme + Lodge + Natur. Das ist Qualitätstourismus, der Mario Baier gefällt, weil er nicht nur Nächtigungen kreiert, sondern auch steigende Umsätze: Birdwatcher kommen vor allem aus dem Ausland, bleiben länger und geben mehr aus. Sie können hier ihrem Hobby das ganze Jahr über nachgehen und verlängern so die Saison. 
Auch Klaus Hoffmann, Geschäftsführer der „Ersten Lodge Mitteleuropas“, ist sehr zufrieden: Auf einem heißumkämpften Markt konnte er sein Thermenhotel erfolgreich positionieren. Die Auslastung der 194 Zimmer liegt bei 70 Prozent, ganzjährig bei durchschnittlichen Zimmerpreisen von weit über 100 Euro. Mit 250 Mitarbeitern, die ganz überwiegend aus der Region kommen, ist die Lodge der größte Arbeitgeber im Seewinkel. Unter anderem auch mit dem Zusatzangebot „Naturerlebnis“. Das Ranger-Team um die gelernte Zoologin und Ökopädagogin Elke Schmelzer hat den Bereich Safaris aufgebaut. Am Anfang waren es drei Mitarbeiter, heute sind es 15. „Unsere Safaris sind ein Profitcenter“, sagt Hoffmann. „Sie müssen sich rechnen, und sie rechnen sich.“ Rund ein Fünftel aller Gäste nimmt an so einem mehrstündigen Ausflug teil. Man fährt mit einem Jeep an den Rand des Nationalparks und erlebt begleitet von ausgebildeten Rangern (u. a. Biologen, Fotografen, Landschaftsplanern, Wildtierökologen, Ornithologen, Tiertrainern) die Natur viel intensiver, als das auf eigene Faust möglich wäre. 

Ranger Ronald Knapp weist uns beim Spaziergang an der Langen Lacke zum Beispiel auf wildblühende kleine Orchideen hin. Er kennt die Namen und Eigenheiten jedes Vogels und lässt uns durch sein Spezialfernrohr schauen. So kommen wir ganz nah ran an die scheuen Tiere. Aber es gibt nicht nur Vögel zu bestaunen: Wir finden Laubfrösche auf Bäumen (!) und in der Nähe eines Campingplatzes jede Menge Ziesel. Am Straßenrand weisen Warnschilder darauf hin, dass jetzt Wildgänse mit ihren Gössen unterwegs sind. Büffel und Steppenrinder gibt es auch zu bestaunen. Manchmal sieht es wirklich aus wie in Afrika.

Weiße Esel

Relativ neu im Programm sind Spaziergänge mit vier weißen Eseln, die auf der Farm der St. Martins Lodge leben. Esel sind eigenwillige Tiere. Nicht „störrisch“, wie uns die Tierpflegerin erklärt, sondern „empfindsam“. Sie spüren die Unruhe der Menschen und reagieren darauf. Wenn man also mit einem Esel als Begleiter spazieren geht, muss man runterkommen. Man lernt vom Tier Entspannung. Das funktioniert wirklich: Ich habe mit meinem kommuniziert. Auch ohne Worte. Obwohl die Tiertrainerin mich darauf hinwies, dass ich mich ruhig mit ihm unterhalten könne. Das würde ihn beruhigen. Sie hat ziemlich intensiv auf ihn eingequasselt. Da habe ich zum Ausgleich das schweigende Einverständnis vorgezogen. Mein Esel ist auch nur einmal stehen geblieben. Selbst Radler konnten ihn nicht erschrecken. Tolles Tier!

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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