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Franz Schafflinger (l.), Vorstand Gasteiner Bergbahnen, Renate Bauer und Martin ­Schobert (r.) von Alpine Ice und Manfred Mair (2. v. r.) von AST ­Eistechnik.

Salzburg ist Vorläufer bei Eis am Berg

20.06.2017

Weltneuheit: Der Thermenort Gastein traut sich und bietet ab der Wintersaison 2019/20 erstmals Eislaufen auf Eiswegen am Berg an.

Es ist eine Weltneuheit, und doch fragt man sich: Warum ist das bisher noch niemandem eingefallen? Es geht um Eislaufen am Berg. Konkret um das Pilotprojekt „Alpine Ice“, das auf der Schlossalm der Gasteiner Bergbahnen verwirklicht werden soll. Im Nahbereich der Bergstation kann man künftig Eislaufschuhe ausleihen und damit auf einem Eislaufplatz Eislaufen und auf Eiswegen mit Schlittschuhen wandern. Auch Eisstockschießen und die in Skandinavien, den USA und Kanada zum Trend gewordene Sportart „Nordic Ice Skaten“ (ähnlich dem Langlauf gleitet der Sportler auf Kufen mit Stöcken über das Eis) wird auf 2.000 Meter Seehöhe möglich sein. 

„Wir wollen damit eine wesentlich breitere Zielgruppe als bisher ansprechen“, erklärt Franz Schafflinger, Vorstand der Gasteiner Bergbahnen das Vorhaben. Gastein verfüge mit dem Heilstollen, den zwei Thermen, den neuen Thermal-Badeseen und dem Skigebiet schon jetzt über eine wintertouristisch breitere Aufstellung als üblich. 

„30 Prozent unserer Wintergäste sind Nichtskifahrer. Denen können wir mit Eislaufen am Berg ein ganz neues Erlebnis inmitten der alpinen Naturkulisse bieten“, so Schafflinger. Noch aber bewegt sich das ca. 1,3 Mio. Euro teure Projekt auf dünnem Eis. Vorerst gibt es lediglich eine Machbarkeitsstudie. Eine Realisierung ist deshalb frühestens für die Wintersaison 2019/20 zu erwarten. 

Machbarkeit testen

Skigebiete, die am Projekt Alpine Ice Interesse haben, sind bei den Erfindern von Alpine Ice deshalb höchst willkommen. „Wir bieten möglichen Partnern eine Machbarkeitsstudie inklusive Gesamtkonzept an“, erklärt Alpine-Ice-Erlebnisplaner Martin Schobert. Der Geschäftsführer der Tourismusdesign GmbH in Tulln hat gemeinsam mit Renate Bauer von 14.40 Innovationsgestaltung in St. Pölten das Konzept für Alpine Ice entwickelt. „Wir sehen das Projekt als Antwort auf den Ruf nach neuen Konzepten für den Wintertourismus“, erklärten die beiden Ideengeber bei der Projektvorstellung auf der Interalpin in Innsbruck. 

Was müssen Skigebiete mitbringen, um Eislaufen am Berg zu ermöglichen? Fürs Erste ein mit den Bergbahnen erreichbares und von der Topografie brauchbares Areal nahe einer Mittel- oder Bergstation. Alpine Ice liefert Verleihstationen mit Depots, Shops, Wärmehütten, Gastronomie im Pop-up-Style, Entertainment und Service wie Eislauf- und Nordic-Ice-Skating-Kurse, Schnee-Kinderwägen oder Eis-Rollis für Rollstuhlfahrer. Für den Bau von Eislaufplätzen und Eiswegen auf dem Berg hat man sich den Weltmarktführer AST an Bord geholt. 

Skepsis bei Seilbahnen

Ein vielversprechender Ansatz also. Doch noch hält sich die Begeisterung der Skigebiete in Grenzen. Es gibt zwar ernsthafte Sondierungsgespräche, aber die Seilbahner ziehen nicht so richtig mit. „Eislaufen ist nach Skifahren die beliebteste Wintersportart, und unsere Innovation ein schneeunabhängiges Erlebnisprodukt, das auch in niederen alpinen Lagen funktioniert“, erhofft sich Ideengeber Martin Schobert ein Umdenken. Denn auch an die Nichtskifahrer und Nichteisläufer wurde gedacht. Für die gibt es ein Angebot an Spazierwegen rund um die Eisflächen. Dass naturgemäß die Skihütten nicht an weiterer Konkurrenz interessiert sind, sei bei der Konzeptplanung ebenfalls berücksichtigt worden. „Deshalb haben wir uns für ein Pop-up-Food-Konzept, das die lokale Gastronomie integriert, entschieden“, so Schobert. Zur Umsetzung des Ice-Alpin-Gesamtkonzeptes stehen Skigebietsbetreibern die drei Varianten „Kids & Fun“, „Frech & Urban“ und „Chic & Design“ zur Auswahl. Ziel der Betreiber ist es, in den nächsten fünf Jahren zehn Projekte auf Schiene zu bringen. Gastein soll ein strahlender Prototyp werden.

Autor/in:
Barbara Egger
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