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Salzburgs Tourismus braucht Geld und Mitarbeiter

17.02.2009

ÖHV Salzburg fordert von Politik Engagement statt Jubelmeldungen. Damit die Salzburger Hoteliers auch weiterhin Mitarbeiter suchen können, fordern ÖHV-Landesvorsitzender Walter Veit und seine Stellvertreterin Camilla Schwabl eine engagierte Tourismuspolitik.

"Die Wintersaison im Salzburger Tourismus hat großartig begonnen. Mittlerweile hat sich die Situation aber deutlich eingetrübt. Ohne gleich den Teufel an die Wand malen zu wollen: Wir bemerken sowohl in der Stadt- als auch in der Ferienhotellerie Rückgänge. Und ganz finster sieht es bei der Besetzung offener Stellen aus: Der Mitarbeitermangel ist für uns eine noch größere Gefahr als der Konjunkturrückgang", verweist Walter Veit, Salzburger Landesvorsitzender der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) und selbst Hotelier in Obertauern, auf die Sorgen der Kollegen. Einer ÖHV-Umfrage zufolge brauchen 48,3 % der Hoteliers Mitarbeiter im Service, 32,2 % in der Küche und 22,4 % auf der Etage. "Wenn das so weitergeht, suchen sich unsere Gäste neue Urlaubsorte. Das ist Gästevertreibung im großen Stil. Gerade jetzt ist das kontraproduktiv", kritisiert Veit die Arbeitsmarktpolitik.

Verlässlicher Jobmotor Tourismus

Im Vorfeld der Landtagswahl werden sich Politiker aller Couleurs wieder mit fremden Federn schmücken: "Wenn es um Nächtigungsrekorde geht, sind die Jubelmeldungen sofort da. Es wäre schön, wenn die Politik auch dann so schnell reagieren würde, wenn wir einmal tatkräftige Unterstützung brauchen", so Veit. Der Tourismus schaffe auch in schwierigen Zeiten trotz bürokratischer Hindernisse Jobs: Haben Salzburgs Beherbergungs- und Gaststättenbetriebe 2003 rund 18.000 Mitarbeiter beschäftigt, stieg die Zahl um 20 % auf 21.600 im Vorjahr.

ÖHV fordert Bekenntnis zu Saisoniers

Dringend fordert Veit ein Bekenntnis zu den Saisoniers: "Viele langjährige Mitarbeiter kommen aus Ländern außerhalb der EU: Sie kennen die Betriebsabläufe, die Sprache, die Anforderungen. Die Landesregierung muss ganz klar festhalten, dass wir ausreichend und rechtzeitig Saisoniers brauchen - gerade jetzt", verweist Veit auf die Ankündigung, dass der Arbeitsmarkt bis 2011 geschlossen bleibe. Schon einmal habe sich die Spitze der Landesregierung geweigert, um eine Erhöhung des Saisonierkontingents anzusuchen: "Das kann nicht sein!" Darüber hinaus wünscht sich Veit Einsatz für die Beschäftigung von Asylwerbern: "Wir suchen Mitarbeiter, sie suchen Jobs. Damit wäre beiden Seiten geholfen", so Veits Forderung an die Politik. Mit Wahlversprechen sei es jedenfalls nicht getan: Die ÖHV wird die politischen Vorgänge im Detail beobachten und die Branche auf dem Laufenden halten. "Wir brauchen Taten statt Worte! Salzburgs Hoteliers werden genau beobachten, wer welche Initiativen für den Tourismus setzt", so Veit.

Zugang zu Investitionen erleichtern

Ein Gebot der Stunde sei Unterstützung für investitionswillige Unternehmen: "Unsere Tourismusbetriebe vergeben 54 % ihrer Aufträge an Unternehmen im Umkreis von 30 km. Diese lokale Wertschöpfung ist gefährdet, wenn sich die Banken trotz milliardenschwerer staatlicher Hilfspakete bei der Kreditvergabe weiter zurückhalten. Da ist die Politik gefragt. Weitere Bankenmittel sollten mit der Auflage verknüpft werden, dass damit Investitionsvorhaben finanziert werden", sagt Camilla Schwabl, ÖHV-Landesvorsitzende-Stellvertreterin und Hotelierin in Saalbach-Hinterglemm. Solange solle das Land unterstützend eingreifen, mit Investitionsanreizen, Förderoffensiven und einem leichteren Zugang zu Investitionszuschüssen. Um Wettbewerbsverzerrungen in Bundesländer übergreifenden Destinationen zu verhindern, soll außerdem die Salzburger Tourismusförderung an die der Nachbarbundesländer angepasst werden.

Destination Salzburg im Wettbewerb stärken

Im Wettlauf um den Gast müsse Salzburg jedenfalls einen Zahn zulegen: "Die Skigebiete, die Stadt Salzburg und Sound of Music sind wunderbare Zugpferde. Sich darauf auszuruhen kann sich aber rächen. Andere Destinationen im In- und Ausland weiten ihr Angebot für die Gäste massiv aus", verweist Landesvorsitzender Veit auf erfolgsgekrönte Anstrengungen in neuen EU-Mitgliedsstaaten: "Dort etablieren sich Top-Destinationen, die vor ein paar Jahren noch gänzlich unbekannt waren. Dort wird höchst professionell gearbeitet. Dort spielt Geld scheinbar keine Rolle. Wir brauchen daher dringend eine Tourismuspolitik mit Herz und Hirn. Sonst fallen wir im Destinationsranking zurück", so Veit.

Salzburgs Tourismusunternehmer bringen laufend Vorschläge zur Weiterentwicklung des touristischen Angebots ein, von der Sonntagsöffnung in der Salzburger Altstadt während der Festspiel- und Adventzeit über ein attraktives Verkehrskonzept für die Stadt Salzburg inklusive Bau der Kapuzinerberggarage bis hin zur Sicherung des Flughafens als starkem Wirtschaftsfaktor: "Etwas Unterstützung seitens der Politik wäre da durchaus angebracht", so Veit.

Die Positionen und Vorschläge der ÖHV Salzburg finden Sie unter www.oehv.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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