Direkt zum Inhalt

Schämen Sie sich

21.07.2005

Offener Brief an den AK-Präsidenten

Sehr geehrter Herr Dinkhauser,

Wir beziehen uns auf Ihr Interview gegenüber Focus-TV und konnten auf den ersten Blick diese Aussagen gar nicht glauben. Wir können nur annehmen, daß Ihnen die Brisanz dieser Ihrer Worte in keiner Weise bewusst war, was dennoch keine Entschuldigung sein kann.

Das Verhältnis zu unseren nördlichen Nachbarn ist seit der leidlichen "Piefke-Diskussion" durch hohe Sensibilität geprägt, so dass gerade Tiroler Aussagen sehr genau gewertet werden. Wenn von einem Spitzen-Repräsentanten der Tiroler Politik solch unqualifizierte und beleidigende Wortspenden abgegeben werden, ist der Kollateralschaden absehbar hoch.

Umso gravierender ist Ihr Interview, weil die Aussagen einer genaueren Prüfung nicht standhalten. Ohne uns auf Ihr Niveau zu begeben, müssen wir doch anmerken, dass "ein Mann des Volkes", wie Sie sich gerne sehen, anscheinend das Auge und Ohr doch nicht so direkt beim Volke hat.

Unser 80-Betten-Hotel, das Hotel Ritzlerhof in Sautens im Oetztal, hat sehr viele langjährige Mitarbeiter ( von durchschnittlich 18 Mitarbeitern arbeiten 6 bereits seit mehr als 10 Saisonen, 2 mehr als 15 Saisonen und 3 mehr als 20 Saisonen bei uns).
Wir trauen uns also zu sagen, ein anständiger Arbeitgeber mit einer tollen Stamm-Mitarbeiterschaft zu sein.

Drei dieser Mitarbeiter sind aus den neuen deutschen Bundesländern. Sie alle haben bei uns eine HGA-Lehre begonnen und abgeschlossen und zwei sind nach dem Lehr-Abschluss seit Jahren unserem Betrieb treu geblieben, haben heute zum Teil österreichische Partner, mit diesen teilweise bereits Kinder.

Diese Mitarbeiter waren da, als sich kein Tiroler für die HGA-Lehrstellen interessierte, und Sie sind heute noch da als bestens ausgebildete Stamm-Mitarbeiter, die zu keiner Zeit "billige", aber gottseidank "willige Leute" waren. Sie müssen keineswegs "Ducken statt Aufmucken" , sondern werden von allen geschätzt und auch wie alle anderen ordentlich entlohnt und angemeldet (und dies ganz sicher nicht auf Kollektiv-Vertrags-Niveau).

Sie zahlen Steuern wie wir - auch die Arbeiterkammer-Umlage, von denen ja auch Ihre Kosten, lieber Herr Präsident, bestritten werden. Dafür dürfen sie sich von ihrem obersten gesetzlichen Vertreter in unverschämtester Art beleidigen lassen.

Zum Thema "den Einheimischen die Arbeit wegnehmen" ist nur soviel zu sagen:
Der Fleißige wird immer den weniger Fleißigen ersetzen - sorgen wir dafür, daß die Tiroler die Fleißigsten bleiben, dann ist jede Angst unbegründet - das ist aber unsere Aufgabe, die wir anpacken sollten.

Ich darf Ihnen versichern, daß es in unserem Betrieb nicht mehr einen von zwanzig Mitarbeitern gibt, der Ihnen noch wohlgesonnen wäre - treten Sie zurück und schämen Sie sich, im vereinigten Europa des 21. Jahrhunderts enge und befreundete Nachbarn als "Feinde" zu bezeichnen. Die Wortwahl ist unentschuldbar und wäre auch eines Populisten nicht würdig. Viele Tiroler waren vor nicht allzu langer Zeit dankbar, lange Jahre in Deutschland gutes Geld verdienen zu können - und auch wenn es in der Fremde nie leicht ist - aber als Feinde wurden Sie dort nie bezeichnet.

Werner Höllrigl & das Ritzlerhof-Team, Sautens im Oetztal
info@ritzlerhof.com

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
Werbung

Weiterführende Themen

Mathias Prugmaier, Andreas Knötzl, Johannes Fritz, SQ-GF Jürgen Geyer, Paul Retzl, Willi Bauer und Kathrin Brachmann (v. l.).
Wein
17.09.2020

Südsteiermark, Thermenregion, Weinviertel, Kamptal, Traisental, Wagram: Sechs junge Winzer aus sechs österreichischen Weinbaugebieten haben es ins Finale geschafft. 

Andrea Bottarel, Josef Bitzinger, Marina Rebora Walter Kutscher und Christian Bauer.
Szene
16.09.2020

Große Verkostung in Josef Bitzingers Vinothek.

Markus Gratzer und die Experten der ÖHV, wollen nun auch Gastronomen ansprechen und vertreten.
Gastronomie
16.09.2020

Die Hotelliersvereinigung ÖHV will ihren Kreis an Mitgliedern ab sofort auf die Gastronomie ausweiten. Welche Strategie hinter dieser Idee steckt, wollte gast.at von  ...

Das Kuchenstück ist zu klein, 140 Mitarbeiter müssen gehen.
Hotellerie
15.09.2020

Nicht einmal 30 Prozent der Umsätze aus dem Vorjahr erwirtschaftete man heuer. In Wien verlieren 105 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz, in Salzburg 35. 

Gastronomie
14.09.2020

Laut einer Umfrage dürften noch lange nicht alle Gutscheine eingelöst worden sein. Und gespendet wurde der Gutschein auch nicht oft. 

Werbung