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Schani trag’ den Garten raus

08.10.2004

Nach einem langen Winter treffen sich die Wiener wieder bei einer Melange im Schanigarten. Am 22. März eröffneten die Wiener Kaffeesieder traditionellerweise die Schanigarten-Saison und erneuerten gleichzeitig ihre Forderungen nach einheitlichen Öffnungszeiten, wobei sie auf die Bedeutung des Schanigartens als Arbeitsplatz hinwiesen.

Der lange Winter verabschiedete sich übergangslos in einen kurzen Sommer. Mit den ersten Sonnenstrahlen wurde auch gleichzeitig die Schanigarten-Saison 2004 eröffnet. Wiens Bürgermeister Michael Häupl und der Wiener WK-Präsident Walter Nettig trugen im Café Museum nach alter Tradition Tisch und Sessel in den Garten. Und traditionellerweise forderten die Vertreter der Kaffeehaus-Besitzer längere einheitliche Öffnungszeiten und darüberhinaus eine Einbindung in die Gebührendiskussion. An erster Stelle auf der Wunschliste des Fachgruppenobmanns der Wiener Kaffeehäuser, Maximilian Platzer, stand wieder die flächendeckende Verlängerung der Sperrstunde auf 24 Uhr für alle Bezirke. Außerdem verlangte Platzer von der Stadt, in die Diskussion um die Neugestaltung der Gebührenregelung für Schanigärten, die sich nach der jeweiligen Lage in der Stadt richten soll, eingebunden zu werden. „Ein Kaffeehaus ohne Schanigarten im Sommer ist eigentlich nicht mehr rentabel zu führen“, gab der Obmann zu bedenken.

Novelle zum Gebrauchsabgabengesetz
Das Gebrauchsabgabengesetz regelt die Nutzung von öffentlichem Grund durch Personen und Unternehmen. Im Falle der Schanigärten fällt hier eine jährliche Nutzungsgebühr an, die in Fußgängerzonen und verkehrsarmen Zonen höher ist. Die Stadt Wien forciert eine Änderung der Gebrauchsabgaben für die Schanigärten. Diskutiert werden neue Berechnungsmöglichkeiten und eine Erhöhung der Gebrauchsabgaben für die Wiener Schanigärten, wie etwa unterschiedliche Gebühren je nach Zone - der gesamte 1. Bezirk ist Zone 1, Zone 2 ist innerhalb des Gürtels inklusive 2. Und 20. Berzirk und Zone 3 die restlichen Bezirke. Auch die Größe des Schanigartens soll künftig für monatlich verrechnete Gebühren relevant werden. Kolportiert wird die Einschränkung weiterer Schanigärten durch eine beträchtliche Erhöhung der Gebrauchsabgabe.
Zu bedenken ist, dass Schanigärten die Stadt beleben und das Stadtbild im positiven Sinne prägen, dabei die Instandhaltungskosten für den Schanigartenbetreiber aber sehr hoch sind – und Schanigärten außerhalb der Toplagen, in Gebieten mit geringerem Touristenaufkommen, nicht unbedingt mehr Gäste bringen. Von Seiten der Wirtschaftskammer Wien und deren Sparten wurden verschiedene Vorschläge zu weiteren Möglichkeiten der Novellierung bei der Stadt Wien eingebracht, diese wurden aber noch nicht kommentiert. Um eine Konfrontation mit einem fertigen Entwurf zu verhindern, wünschen die Wirtschaftskammer Wien und die Fachgruppe Kaffeehäuser einen Runden Tisch, bei dem die eingebrachten Vorschläge zur Diskussion gelangen und Lösungen gefunden werden, welche auf die unterschiedlichen Interessen der einzelnen Sparten Rücksicht nehmen. Wiens Bürgermeister Michael Häupl versprach, die offenen Fragen „in einem guten Gespräch“ zu klären, damit für 2005 „eine vernünftige Regelung“ zu Stande käme. Der Wiener Wirtschaftskammerpräsident Walter Nettig kündigte an, dass die Wirtschaftskammer in den kommenden Tagen mit einem eigenen Entwurf zur Zonen-Regelung der Schanigarten-Gebühren an die Öffentlichkeit treten werde. „Der zuständige Stadtrat Sepp Rieder (SPÖ) schießt manchmal aus der Hüfte, was sich in der überraschenden Präsentation der neuen Gebührenordnung gezeigt habe“, kritisiert Nettig.

Arbeitsplatz Schanigarten
Die Eindämmung von Schanigärten, die zum Beispiel eine Erhöhung der Gebrauchabgabe mit sich führen würde, hätte beträchtliche Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit von Kaffeehausbetrieben. Fachgrupppenobmann Maximilian Platzer, selbst Cafetier mit Leib und Seele spricht aus Erfahrung: „Jedes Stück Schanigarten weniger ist auch ein Arbeitsplatz weniger. Im Café Weimar werden während des Sommers stets zwei Ferialpraktikanten beschäftigt, zusätzlich zum Servicepersonal, das ganzjährig aus fünf Obern, einer Servierdame, drei Köchen und vier Küchenhilfen besteht. Würde der Schanigarten wegfallen, könnten weder die beiden Ferialpraktikanten noch das Stammpersonal das ganze Jahr über beschäftigt werden, da sich ein Kaffeehausbetrieb ohne Schanigarten im Hochsommer nicht rentiert.“

Ein Stück Tradition
„Auf der ersten Silbe betont bezeichnet Kaffee ein Getränk, auf der zweiten betont bedeuten Café und Kaffeehaus in Wien und Österreich eine Lebensform“, schrieb Hans Weigl 1978. Dieser Satz hat mit Sicherheit bis heute Gültigkeit: es gibt in Wien an die 726 Kaffeehäuser, 780 Café-Restaurants, 164 Café-Konditoreien und 916 Stehcafés und Espressi. Darunter befinden sich ungefähr 80 traditionelle Kaffeehäuser.
Vielfältiges Kultur- und Freizeitangebot, florierende Wirtschaft und beste Infrastruktur sorgen für ein unbeschwertes Leben in Wien; und höchste Lebensqualität bestätigen überdies Studien der Stadt Wien. Laut Mercer Studie 2003 liegt Wien an dritter Stelle der lebenswertesten Städte der Welt – in dieser Studie geht es vor allem um die Attraktivität Wiens – für Menschen, die in Wien bei internationalen Konzernen tätig sind – bei der auch wirtschaftliche Faktoren, medizinische Versorgung, der Immobilienmarkt, aber natürlich auch das gastronomische und das Freizeitangebot bewertet wurden. „Maßgeblich tragen die Wiener Kaffeehäuser mit ihren Schanigärten dazu bei, ein Stück Lebensqualität und Tradition in die Welt hinauszutragen“, betont Maximilian K. Platzer, Fachgruppenobmann der Wiener Kaffeehäuser. Das Kaffeehaus - als Urzelle aller Kommunikationsbetriebe - fungiert mit Schanigarten im Sommer auch als Treffpunkt für Jung und Alt, als Wohnzimmer, Familienersatz und Dorado für Zeitungsleser – kurz, ein Stück Tradition und Lebensqualität.

Sperrstunde
Die Wirtschaftskammer Wien und die Fachgruppe Kaffeehäuser habe erreicht, dass in manchen Bezirken und Straßenzügen die Schanigärten bis 24 Uhr geöffnet sein dürfen.
Welche das sind, wird per Landesgesetzblatt mit Ende Mai bekanntgegeben. Nun wünschen sich die Wiener Kaffeehäuser eine einheitliche Regelung - also eine flächendeckende Verlängerung der Sperrstunde auf 24 Uhr für alle Bezirke. Nicht nur für den Wiener, sondern auch für die internationalen Besucher der Stadt Wien ist es schwer nachvollziehbar, warum hier unterschiedliche Sperrzeiten verordnet werden.
„Die Konkurrenz ist derart stark, dass nicht einzusehen ist, warum mancher Schanigarten zusperren muss, während andere noch bis 24 Uhr geöffnet sein dürfen“, fragt Fachgruppenobmann Maximilian Platzer. Im Gegensatz zu Wien wird die Regelung für Schanigärten in allen anderen Landeshauptstädten einheitlich vorgenommen: In Eisenstadt und Innsbruck schließen die Schanigärten um 23 Uhr, in Graz um 23:30, in Bregenz, Linz, Klagenfurt, St. Pölten und selbst in der Salzburger Altstadt dürfen alle einheitlich bis 24 Uhr geöffnet bleiben.

Zentralistische Regelung
Gegen eine zentralisierte Regelung der Öffnungszeiten sprach sich der Wiener Bürgermeister Michael Häupl aus: „Zwar wolle man den Zapfenstreich so einheitlich wie möglich gestalten, aber die Bezriksvorsteher haben ein gewichtiges Wort mitzureden, da diese die Entscheidung auch direkt vor den Bürgern vertreten müssen.“
Generell einig waren sich die Beteiligten in ihrer Freude über die Freilufteinrichtung, die nun wieder zum zweiten Wohnzimmer der Wiener und aller Wien-Touristen wird. „In einem Schanigarten zu sitzen, ein Gulasch essen, eine Melange trinken, herrliche Mehlspeisen genießen und mit Wienern zu tratschen ist letzten Endes das Schönste, was man in Wien machen kann“, sinnierte Michael Häupl und erklärte die Schanigarten-Saison für eröffnet.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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