Direkt zum Inhalt

Schaumweine in der ÖGZ-Verkostung

18.11.2020

Lasst die Korken knallen: Im letzten Quartal wird mehr Schaumwein getrunken als in den neun Monaten davor. Es liegt an der Gastronomie, dem Gast das Beste anzubieten – Durst auf Prickelndes hat er!

Die Jury: Friso Schopper, Sylvie Hütter, „Herbeck“-Gastgeber Michael Kantor und ÖGZ-Autor Roland Graf.
Die Jury

Wie kommen die Bewertungen dieser Seiten zustande? Die ÖGZ lud Winzer und Importeure ein, kostenpflichtig ihre Verkost-Muster einzureichen. Dieser Querschnitt durch das Marktangebot wurde in aufsteigender Reihenfolge nach Alkohol und thematisch in Gruppen (z. B. „Brut Rosé“ oder „Blaufränkisch Reserve“) aufgeteilt und gedeckt verkostet, um die Besten der Kategorie zu ermitteln. Für die Schaumwein-Probe öffnete Wiens Champagner-Treff „dosage“ die Türen. Hausherr Friso Schopper bepunktete fachkundig mit Sylvie Hütter, „Herbeck“-Gastgeber Michael Kantor und ÖGZ-Autor Roland Graf. Traditionell kam das Kostquartett für die Blaufränkisch-Verkostung in Eisenstadt im „WeinSchwein“ zusammen, hier verstärkten Ana Chico del Rio und Bernd Demmerer (Weingut Esterházy) das Kernteam. Wie immer wurde verdeckt verkostet und aus den individuellen Einschätzungen die Träger des ÖGZ-Gütesiegels 2020 in Gold ermittelt.

Der Sekterzeuger bekommt sein Geld spät. Nicht wegen der Zahlungsmoral, sondern aufgrund des Konsumverhaltens. Denn von 27 Millionen in Österreich geleerten Flaschen „Sprudel“ werden die Hälfte im November und Dezember getrunken. 

Die Hochsaison wirft auch die Frage auf, ob es Cava oder Franciacorta, Champagner oder Winzersekt sein soll, mit denen der jährliche Pro-Kopf-Konsum (2,2 Liter) gedeckt wird.
Technisch ist sie schnell beantwortet, denn alle arbeiten nach der „klassischen Methode“ der Flaschengärung. Selbst die Abgrenzung des Champagners vom Rest der Schaumweinwelt ist relativ jungen Datums. Genauer gesagt, nutzte man die Friedensverträge nach dem Ersten Weltkrieg, um geschützte Bezeichnungen international durchzusetzen. Davor waren die Grenzen der prickelnden Welt fließend. Historisch verdankt die Champagne den deutschsprachigen Familien (z. B. Bollinger, Krug, Mumm, Geldermann oder Deutz) mindestens genauso viel wie umgekehrt. Die älteste deutsche Sektmanufaktur etwa gründete 1826 Georg Christian Kessler in Esslingen, nachdem er zuvor 20 Jahre an der Seite der Witwe Barbe-Nicole Clicquot in Reims gearbeitet hatte. Und auch Robert Alwin Schlumberger erlernte das Champagner-Handwerk – in diesem Fall bei Ruinart –, bevor er 1842 in Wien mit dem Versekten begann. 

Anforderungen an Schaumwein

Und auch die Anforderungen an Schaumwein haben sich kaum verändert: „Nicht fortgeschrittene Zuckerreife, dafür hohe Säure und ein niedriger pH-Wert“ prägen laut Michael Malat, Winzer-Sprecher im Sektkomitee, perfekte Grundweine. Das wird mit dem Klimawandel nicht leichter. 

Hohe Zahlungsbereitschaft

Prickelnde Angebote für die Gastronomie kommen von großen Kellereien ebenso wie von Winzern, die Sekt erzeugen. Ihre Zahl beträgt knapp 200, Tendenz steigend. Zumal Schaumwein „den Produzenten eine höhere Wertschöpfung erzielen lässt“, so Malat. Der Schnittpreis, den Konsumenten zu zahlen bereit sind, liegt höher als für einen „stillen“ Chardonnay oder Veltliner: Durchschnittlich sind es in der Vinothek 14,40 Euro, in der Gastronomie beträgt die Zahlungsbereitschaft 34,30 Euro pro Flasche. 

Will man sich trendig präsentieren, geht eine Tendenz quer über alle Herkünfte. Der Verzicht auf eine Füll-Dosage, also – simpel gesagt – Zucker, passt in den Zeitgeist und wird als „Dosage Zéro“ oder „Ultra brut“ bezeichnet. Diese Abfüllungen liegen beim Restzucker unter drei Gramm pro Liter. Für manche Winzer sind sie der pure Ausdruck ihrer Weine. „Angesichts der Zahlen muss man eingestehen, dass dieser Typ nach wie vor eine Nische ist“, formuliert es Thibault Le Mailloux. Der Sprecher des Champagner-Komitees („Comité interprofessionnel du vin de Champagne“) spricht von 0,47 %, die undosierte Schaumweine in der Champagne ausmachen. Zum Vergleich: Süße Abfüllungen (15 Gramm Restzucker oder mehr) stellten 3,42 % des Gesamtexports. 

Für das ÖGZ-Kostquartett entschied nicht die Dosage, sondern die Gesamtharmonie. Wer für „prickelnde“ Gefühle sorgte, lesen Sie hier!

ÖGZ-Sieger der Kategorie "Schaumwein"

Gobelsburg: ÖGZ-Gold für cremige Frische

1996 übernehmen Michael und Eva Moosbrugger zusammen mit Willi Bründl-
mayer die Leitung des Weingutes des Zisterzienserstiftes Zwettl. Das Weingut wird in den Verein der Österreichischen Traditions-Weingüter aufgenommen. 

Wertig, reif und tropenfruchtig beginnt er mit Ananas-Duft, gefleckter Marille und Toastbrot-Noten. „Cremig wie Mango-Pudding“, aber auch sehr zitrusfruchtig (Bergamotte) mit leicht herbem Nachklang. Herrliches Glaserl für fortgeschrittene Schaumweinfans!

Weingut Schloss Gobelsburg // Brut Reserve Niederösterreichischer Sekt g.U. / 12 % / NK / € 19,10 www.gobelsburg.at 

Gobelsburg: ÖGZ-Gold für cremige Frische
Pfaffl: Würziger Typus holt sich Gold!

Der ganze Stolz der Familie Pfaffl sind die Weingärten. Etwa 110 Hektar werden zurzeit bewirtschaftet. Die Lagen sind verstreut rund um Stetten im Weinviertel und im nahen Wien. Immer wieder ist es spannend, was die Böden mit den Weinen machen.

Da geht es rund: Mango wie in einem Lassi, dazu Ananas und Weingartenpfirsich in der Nase. Schaumig von Beginn weg, verbindet er Biskuit, Zitronen-Merengue und etwas Weißen Pfeffer. „Solo oder auch zur Karottenschaumsuppe mit Räucherfisch servieren!“

Weingut R & A Pfaffl //  Pfaffl Grüner Veltliner Brut / 12,5 % NK / € 14,50 / www.pfaffl.at

Pfaffl: Würziger Typus holt sich Gold!
Buchegger: Kräutrig-­elegant und „golden“

Auf den Nachfolger des ersten Buchegger-Sekts mussten Freunde des Hauses lange warten. Zum einen, weil der Jahrgang 2015 hagelbedingt ausfiel. Nach Lagerung im großen Holzfass und nach 30 Monaten Reifung in der Flasche wurde der Sekt ab Oktober 2019 degorgiert. 

Animalischer Anfang, dann röstige Haselnuss, Minze und Basilikum im frischen Duftbild. Cremig kleidet er den Gaumen aus; ein Schwung Alpenkräuter und Birne treffen auf Orangenzesten und Salbei im Finale. „Passt etwa zu Spaghetti Carbonara“, meint die Jury.

Weingut Buchegger // Extra Brut Große Reserve 2016 / 12 % / NK € 28,– / www.buchegger.at 

Buchegger: Kräutrig-­elegant und „golden“
Schlumberger: Kräuter-­Streuer mit ÖGZ-Gold

Das Wissen der jahrhundertelangen Kellerei-Tradition von Schlumberger in einer Sammlung exklusiver Spezia-
litäten vereint: brillant, fein perlend, außergewöhnlich harmonische Weine aus Österreichs traditionsreichsten Anbaugebieten.

Ringlotten, Wiesen-Champignons (!), Limettenzesten und weißfleischige Birnen im Geruch. Herb, säurig und mit Jasmintee-Anflug wird er immer kräutriger (Estragon). Geriebener Pfeffer und Muskat sorgen für ein nahezu tänzelnd-zestiges Finale, das lange anhält.

Schlumberger Sektkellerei // Schlumberger Prestige Cuvée Sekt g. U. Niederösterreich Reserve 2015 12 % 
NK / € k. A. / www.schlumberger.at 

Schlumberger: Kräuter-­Streuer mit ÖGZ-Gold
Mosnel: Mit Coolness zu ÖGZ-Gold

Die Weingärten von Mosnel mit ungefähr 40 Hektar Rebfläche sind im Gegensatz zum verstreuten Landbesitz der Weingüter der Franciacorta fast alle rund um den Betrieb gelegen, sodass man wie vom Balkon aus den größten Teil der Weingärten überblickt.

Etwas Zündholzschwefel legt vor, danach betont trocken und salzig im Duft – „wie Strohsterne und Kapernbeeren“. Strahlende Frucht von Mango und Maracuja, wird dann immer kühler, weißfleischig und pfeffrig. „Animierender Typ zu Parmaschinken-Grissini.“

Azienda Agricola Mosnel // Mosnel Franciacorta DOCG / 13,5 % / NK € 20,08 / www.transgourmet.at

Mosnel: Mit Coolness zu ÖGZ-Gold

 

ÖGZ-Sieger der Kategorie "Champagner"

Gosset: ÖGZ-Gold für herbe Kirschfrucht

Von Suzanne Gosset in den 1950er-Jahren konzipiert, führen die Rosé Champagner mit einem Anteil von 11 % an allen verkauften Flaschen noch immer das Sortiment an. Die Cuvées Prestige und Millésimes machen 6 % der gesamten Verkaufsumsätze aus.

Es riecht nach Salzgebäck, kühler Weichsel, dazu auch Kornellkirsche und zartem Rauch. Kühle Eleganz, wieder viel Kirschen (diesmal: Herzkirsche), hat eine fast weinige Saftigkeit, die ultrapräzise Säure bis ins Finish mitbringt. „Top zum Thunfisch-Tataki!“

Champagne Gosset // Gosset Champagne Grande Rosé Brut 12 % / NK / € k. A. / www.bewine.at 

Gosset: ÖGZ-Gold für herbe Kirschfrucht
Piot-Sevillano: ÖGZ-Gold für hohe Eleganz

Christine und Vincent arbeiten seit 2015 biologisch zertifiziert. Das Champagnerhaus besteht seit 1700. Alle Champagner werden von Trauben aus eigenen Weingärten – ungefähr acht Hektar, großteils sind sie mit Pinot Meunier bepflanzt – verarbeitet.

Hefe-Touch der feinsten Art, Schwarzbrot und auch kreidiger Duft. Kühle Aromatik für Champagner-Freunde, die Pink Grapefruit, tropische Früchte und Nougatwaffel vorfinden – gekrönt von salzig-elegantem, langem Abgang. „Das Glas zum Entenleberparfait.“

Domaine Piot-Sevillano // Piot-­Sevillano Provocante Brut Bio Champagner / 12 % / NK / € 48,– 
www.szigeti.at 

Piot-Sevillano: ÖGZ-Gold für hohe Eleganz
Ruinart: Balanciert zum ÖGZ-Gold

Das Haus Ruinart wurde im Jahr 1729 von Nicolas Ruinart gegründet und ist somit das älteste Champagnerhaus überhaupt und hat eine fast 300-jährige Tradition. Die auffallende Flaschenform der Ruinart-Champagner erinnert noch heute an die historischen Flaschen des 18. Jahrhunderts.

Angekokeltes Zündholz trifft kühle Maracuja und Zitronenmelisse. Am Gaumen hat er alles: viel Steinobst und generell saftige Frucht, Mandel-Noten und als Gegenpart wird es salzig und sogar leicht pikant! „In jeder Hinischt toll balanciert“, so die Jury.

Champagne Ruinart // Champagne Blanc de Blancs Brut / 12,5 % / NK € 79,30 / www.morandell.at

Ruinart: Balanciert zum ÖGZ-Gold
R. Renaudin: Selbst Umami ist da – und jetzt Gold!

Die Weingärten von R. Renaudin erstrecken sich über zwölf Hektar. Die Reben sind zu 40 % aus Chardonnay, zu 60 % aus Pinot Noir und Meunier mit einem durchschnittlichen Alter von 25 Jahren und befinden sich in den Dörfern Pierry, Moussy und Chavot, die teilweise als Premier Cru klassifiziert sind. 

Banane und Rum-Fülle im reifen Duftbild, garniert mit röstiger Haselnuss („Mignonschnitte“). Herb im Antrunk, kommen getrocknete Steinpilze (!), Yuzu, feiner Gerbstoff und etwas Korianderfrische zusammen. „Macht Durst und stillt ihn zugleich wertig!“

R. Renaudin // L’Espiègle Champagne Brut / 12,5 % / NK € 57,– / www.dosage.at

R. Renaudin: Selbst Umami ist da – und jetzt Gold!

 

 

 

 

Autor/in:
Roland Graf
Werbung

Weiterführende Themen

Wein
13.10.2020

ÖGZ-Verkostung: Nicht, dass man sich vom spritzigen Veltliner oder Welsch ganz verabschieden müsste. Aber mit dem beginnenden Herbst lebt der Gast auch beim Wein die Maxime „mollig ist schön“

Wein
16.06.2020

Das Nusserl des Neuburgers, die Pikanz des St. Laurent und die Leichtigkeit des Pinot Noir werden unterschätzt. Schade, denn Burgunder, zu ­denen auch der „Super-Star“ Chardonnay zählt, passen oft ...

Wein
16.06.2020

Was mit Gurken und Rosen einer altbackenen Kategorie neues Leben einhauchte, geht nun mit Beeren-Aromen in eine neue Saison. Doch auch die reine Wacholder-Lehre bleibt der Bar erhalten.

Wein
18.05.2020

Das Trend-Barometer steht bei der Getränkekarte auf „retro“: Alkoholärmere Sommer-Cocktails enthalten immer öfter Wermut. Als Weinland sitzt Österreich da auch an der Quelle.

Gastronomie
27.04.2020

Drei Kategorien und eine simple Frage reichen zum Gäste-Glück nach der Mahlzeit: Der Digestif ist ­wirtschaftlicher „Bringer“ und Qualitätsbekenntnis zugleich. Das sind die Ergebnisse der ÖGZ- ...

Werbung