Direkt zum Inhalt

Schaumweinsteuer – was nun?

17.04.2014

Seit dem 1. März gilt in Österreich die vieldiskutierte und 2005 bereits abgeschaffte Schaumweinsteuer wieder. Wir haben beim Bundesministerium für Finanzen nachgefragt, was diese Steuer für die Branche bedeutet.
 

Text: Bernadette Pesendorfer

Der österreichische Sekt hat seit der Abschaffung der Schaumweinsteuer jährlich zugelegt. Waren es 2004 noch zwölf Millionen Flaschen, hat sich die Anzahl der verkauften Flaschen 2013 mit 25 Millionen mehr als verdoppelt. Die Wiedereinführung der Steuer lässt die heimischen Weinproduzenten und Sektherstellern nun fürchten, Marktanteile an Prosecco und Frizzante zu verlieren. Fachleute wie die Gebrüder Szigeti in Gols rechnen mit einem Rückgang von vier bis fünf Millionen Flaschen. Das geschätzte Umsatz-Minus schmerzt umso mehr, da gerade in den letzten Jahren auch beim Konsumenten angekommen ist, dass österreichischer Sekt ein hochwertiges Produkt sein kann. Diese Aufbauarbeit, die 2013 auch die Gründung des regionalen Schaumwein-Komitees mit sich brachte (die ÖGZ Wein hat berichtet), wird nun mit der Schauweinsteuer zunichte gemacht.

Drei bar Druck oder Agraffe
Welche Produkte sind von der Schaumweinsteuer betroffen? „Steuergegenstand sind Trauben- und Obstweine, die entweder einen Überdruck an gelöster Kohlensäure bei 20°C (Kohlensäureüberdruck) von mindestens 3 bar aufweisen, oder auch wenn der Kohlensäureüberdruck weniger als 3 bar beträgt, jene Trauben- und Obstweine, die als Schaumwein aufgemacht sind. Unter ‚Aufmachung‘ versteht man Getränke in Flaschen mit einem Schaumweinstopfen, der durch eine besondere Haltevorrichtung (Agraffe) befestigt ist. Wichtig ist, dass auch eines der beiden Kriterien ausreicht, um als Steuergegenstand erfasst zu sein", so die Info aus dem Bundesministerium für Finanzen (BMF). Die Schaumweinsteuer beträgt 100 Euro je Hektoliter Schaumwein, also 0,75 Cent pro Flasche. Der Gastronom oder Hotelier ist von der Entrichtung der Steuer nicht betroffen, da er üblicherweise bereits versteuerte Schaumweine über Händler oder Produzenten bezieht. Das heißt, der Lieferant führt die Steuer ab und verrechnet sie an den Gastronomen/Hotelier weiter bzw. wird die Steuer in den Verkaufspreis inkludiert.

Glasweiser Genuss teurer
Es besteht auch die Möglichkeit, Schaumweine im Ausland zu beziehen und die Steuer erst nach dem Verkauf dieser Produkte zu entrichten. Hierfür ist laut BMF eine Bewilligung nötig: „Ist der Gastronom nicht Inhaber einer verbrauchsteuerrechtlichen Bewilligung und Bezieher von Schaumwein ausschließlich aus Österreich, ist die Steuer bereits beim Hersteller entstanden und auch entrichtet worden." Wer Schaumwein aus anderen Mitgliedstaaten oder einem Drittland beziehen möchte, sollte sich mit dem zuständigen Zollamt bezüglich der Bewilligung in Verbindung setzen.
Sponsoring-Ware, Geschenke, Naturalrabatte und Probeflaschen fallen ebenfalls unter die Schaumweinsteuer. Das betrifft die Branche zwar nur indirekt, wirkt sich aber auch nicht gerade förderlich auf die Vermarktung der sprudelnden Getränke aus. Am Ende der Kette steht der Gast, der die Steuer am meisten zu spüren bekommt. Wenn man die Aufschläge nicht mit Deckungsbeiträgen sondern mit fixen Prozentsätzen berechnet, kommt die Erhöhung pro Glas überproportional zum Tragen.

Mehr Infos auf www.bmf.gv.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
Werbung

Weiterführende Themen

Dr. Manfred Kohl: „Ein neues Leitbild und Marketingkonzept soll die Weichen für die Zukunft Bad Kissingens stellen.“
Expertise
18.03.2010

„Der Einsatz der Preisliste als aktives Management­instrument lohnt sich merklich.“ Tourismusberater Manfred Kohl gibt Tipps, wie sich ein professionelles Hotel mit einem Alarmplan auf etwaige ...

Verena Forstinger, Radisson Blu Style Hotel, Wien
Am Wort
11.03.2010

Speziell in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, wie in den vergangenen Monaten, ist es wichtig, eine sinnvolle Preispolitik zu erstellen und nicht Hotelzimmer zu Dumpingpreisen anzubieten, um ...

Themen
21.05.2008

In den letzten zehn Jahren haben sich die Heizkosten im Durchschnitt fast verdoppelt und werden voraussichtlich auch weiterhin steigen.

Gastronomie
24.07.2007

Die heimische Gastronomie und Hotellerie ist selbstbewusst und zu einem großen Teil mit dem momentanen Geschäftsgang zufrieden.In die Zukunft blicken sie jedoch skeptisch. Jeden dritten ...

Werbung