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Capsule Hotel, Luzern

Schlafen im Kleinformat

02.05.2019

Micro-Stays auf kleinstem Raum sind gefragter denn je. Die Idee, auf oder rund um Flughäfen und Bahnhöfen für kleines Geld in Mini-Zimmern zu übernachten, boomt – und Vielreisende schlafen heute in Kapseln, Boxen und Transit-Hotels.

 

 

Kapselhotels

Kapselhotels haben ihren Ursprung in Japan und entstanden, um in Städten mit großem Platzmangel Schlafplätze auf kleinstem Raum zu schaffen. Das erste Kapselhotel eröffnete 1979 in Osaka. Ursprünglich in Rotlichtvierteln in der Nähe von Bahnhöfen und oft nur für Männer zugänglich, hat das Format sein schmuddeliges Image abgestreift. Heute nutzten vor allem Geschäftsreisende Kapselhotels, da die Nächtigungskosten niedriger sind als bei üblichen Hotels. 

Die „Zimmer“ sind Plastikkabinen mit etwa 2 m² Bodenfläche und 1,20 m Höhe und auf das Wesentliche konzentriert: ein Bett. Für Toiletten, Waschbecken und Ähnliches gibt es Gemeinschaftseinrichtungen. 

In Europa sprang die Schweiz zuerst auf den Trend auf. Mit dem Slogan „Switzerland affordable for everyone“ warb das „Capsule Hotel Lucerne“ seit November 2018 für seine 18 Kapselzimmer, deren Ausstattung aus Belüftungssystem, Internet, Safe, USB-Anschlüssen und in einigen Kapseln auch einem Fernseher besteht. Nach baulichen Mängeln musste das Haus nach der Eröffnung wieder schließen, ist aber seit Ende März wieder im Spiel – und eine Kapsel ab 38 Franken buchbar (ca. 33,50 Euro). 

Auch in Deutschland steht das erste Kapselhotel für Kunden offen. In Karlsruhe eröffneten im Februar die „Area24/7-Kapsel-Apartments“: zwei Kapselhotels und ein Appartementhaus mit über 120 Schlafmöglichkeiten. Die Kapseln mit einer ein Meter breiten und zwei Meter langen Matratze sind ab ca. 40 Euro buchbar. In den nächsten Jahren sollen 30 weitere Hotels in Deutschland folgen. Hinter dem Projekt steckt Taimuraz Chanansvi, ein israelischer Immobilien-Unternehmer und Geschäftsführer der Space Development GmbH. 

Dass die Idee Zukunft hat, haben auch die Big Player erkannt. So hat die britische Hotelkette Premier Inn dieses Frühjahr in Cardiff das erste „Zip by Premier Inn“ eröffnet. Die hippen Kapseln gibt es ab 19 Pfund (ca. 22 Euro), außerhalb der Kabine warten Bar, Chill-out-Area, Workstations, Tischfußball und Fernseher auf die Gäste.

Kapselhotels, by a.gruebling
Transit-Hotels

Abseits von NapCaps auf Flughäfen haben Transit-Hotels großes Potenzial auf dem Markt. Der Vorteil: Es gibt mehr Platz als in einer Schlafkabine und im Gegensatz zu den klassischen Airport-Hotels sind Zimmer in Transit-Hotels günstiger zu buchen. Plus: Wie der Name es schon verrät, befinden sich die Zimmer im Transitbereich auf Flughäfen, sprich: Die Wege sind kurz. 
Auf dem Flughafen Frankfurt gibt es seit 2018 das „My Cloud“, das deutschlandweit erste Hotel in einem Transitbereich: In die 59 in Terminal 1
gelegenen Zimmern können auch Gäste ohne Schengen-Einreisegenehmigung einchecken. Die Transit-Zimmer sind stundenweise buchbar, drei Stunden kosten ca. 79 Euro.

Transit-Hotels, by a.gruebling
Sleeperoo

Die mobile Variante einer Schlafkapsel wurde in Hamburg entwickelt: Sleeperoo ist ein Cube, der im Steckbauprinzip einfach auf- und abbaubar ist und auf 1,60 Meter Liegefläche Platz für zwei Personen bietet. Der Clou: Die Schlafbox ist überall einsetzbar. Damit kann man Pop-up-Erlebnisnächte an besonderen Orten anbieten. Das Konzept überzeugte 2018 in der VOX-Sendung „Höhle der Löwen“ und wurde für den Deutschen Tourismuspreis nominiert. Denn sleeperoo ist hochwertig gefertigt und mit Nachhaltigkeitsanspruch bei Decken, Kissen und Matratzen ausgestattet. 2019 sollen die Cubes auch zum Verkauf sowie das Konzept als Franchisemodell angeboten werden.

Sleeperoo, by a.gruebling
NapCabs

Gibt’s schon seit elf Jahren: Powernapping in einer Kapsel – und das am Flughafen. Gründer Fabian Friedrich kreierte mit seinem Unternehmen kleine Schlafkapseln für Airports, um Reisenden den Aufenthalt komfortabler zu machen. 
Die Schlafkabinen auf vier Quadratmetern stehen auf den Flughäfen München und Berlin, die Stunde kostet am Tag 15 Euro und in der Nacht 10 Euro. Gebucht werden die Schlafkabinen über den Touchscreen an der Vorderseite der Kabine, bezahlt wird mit Kreditkarte. Auf ein höheres Niveau in Sachen Airport-Schlaf mit stundenweiser Abrechnung setzt ein britisches Unternehmen: Das Konzept von „Yotelair“ ist die stylische Variante der Airport-Schlafkabinen und kommt sogar mit Bad daher. Die Boxen stehen in Transitbereichen an Flughäfen in London, Paris, Amsterdam, Istanbul und Singapur. 
Buchbar sind die Micro-Zimmer ab 13 Euro pro Stunde, die Mindestdauer beträgt vier Stunden.

NapCabs, by a.gruebling
Schachtelhotels

Das Konzept stammt aus den Niederlanden. Meist werden zwei Etagen eines Hotels in herkömmlicher Bauweise errichtet, darüber kommen die „Schachteln“ im Baukastenprinzip zum Einsatz: Darin befinden sich die Zimmer, die übereinandergestapelt werden – ähnlich wie Container von einem Frachtschiff. Nach London und Glasgow eröffnete 2017 in Göttingen das „BoxHotel“. Unternehmer Oliver Blume aus Hannover ließ dort 47 Miniaturzimmer bauen – mit Erfolg. Er bekam für seine Hotelidee einen Innovationspreis. 

Die Boxen sind mit einer Grundfläche von 2,8 mal 1,5 Meter klein, bieten aber auf zwei Etagen zwei Betten, eine Dusche und einen Waschbereich. Das Konzept geht auf: Bisher übernachteten mehr als 30.000 Gäste in den Boxen, die zwischen 24,99 und 34,99 Euro pro Nacht zu haben sind. 

Schachtelhotels, by a.gruebling
Autor/in:
Jasmin Kreulitsch
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