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Schlafen zum Spartarif

15.11.2007

Ein wahrer Bau-Boom in ­Sachen Billighotelketten, die sogenannten Low-Budget- und Budgethotels, hat in den letzten zwei Jahren insbesondere in der Hauptstadt Wien eingesetzt und nun auch Salzburg erfasst.

Vorreiter in Sachen Billighotels ist die Accor-Gruppe zusammen mit der Marke Etap, die europaweit rund 500 Häuser betreibt. Motel One, Meininger, Wombat´s, Star Inn oder EasyHotels sind international bekannte Hotelmarken im Segment Billigketten. Sie drängen fast gleichzeitig auf den heimischen Markt und beleben darüber hinaus das Immobiliengeschäft.

Kernleistung: Übernachtung
Primär gesucht werden Standorte mit öffentlicher Nahverkehrsanbindung, wobei aufgrund der Flexibilität bei den Zimmergrößen durchaus auch unattraktive Baugründe oder verschnittene Grundstücke in das Portfolio der Billighotelketten passen. Sogar leer stehende Bürogebäude werden zum Teil in Hotels umgewidmet.
„Bei den Budget-Hotels verhält es sich ähnlich wie bei den Low-Cost-Carriers – diese Unternehmen sprechen Touristen an, die eine gewisse Grundqualität verlangen, aber trotzdem auf ihre Geldbörse schauen“, meint der Wiener Tourismusdirektor Norbert Kettner. Die Budgethotels konzentrieren sich im Wesentlichen auf die Kernleistung – die Übernachtung. Meininger City Hostels & Hotels, eine deutsche Kette, hat ihr erstes Haus in Wien-Favoriten eröffnet. „Wir haben Häuser in Deutschland, London und nun auch Wien, weil die Stadt ein Touristenmagnet ist. Wir haben unser Angebot auf keine sozio­demographischen Zielgruppen abgestimmt und bedienen vom Back-Packer über Geschäftsreisende bis zu Gruppenreisenden jede Zielgruppe. Wir bieten keine personalintensiven Dienstleistungen wie Room-Service oder Wellness, wir konzentrieren uns auf das Übernachtungsgeschäft inklusive Frühstück mit Zimmerpreisen ab 45 Euro. Die Zimmer inklusive Naßzelle sind mindestens 15 Quadratmeter groß“, erklärt Sascha Gechter, Geschäftsführer der Meininger Hostels & Hotels. Bereits im ersten vollen Geschäftsmonat verzeichnet das Meininger eine Auslastung von 85 Prozent.

Neue Zielgruppen
„Die Expansion der Low-Budgethotels ist die Fortsetzung der Demokratisierung des Reisemarktes – Hand in Hand mit den Low Cost Carriern. Wir freuen uns, dass sich die Hotelstruktur in Salzburg vielfältig entwickelt und es somit möglich ist, neue Zielgruppen anzusprechen“, so Bert Brugger, Geschäftsführer der Tourismus Salzburg GmbH. Mit dem Beginn der Salzburger Festspiele eröffnete Star Inn, eine junge Hotelkette, ihr erstes Haus im Zentrum der Mozartmetropole Salzburg. Obwohl der Name amerikanisch klingt, verbirgt sich dahinter ein rein österreichisches Unternehmen, das Paul Garai gründete. „Die Zimmerausstattung liegt im oberen Drei-Sterne-Segment, der Zimmerpreis in der Zwei-Sterne-Kategorie. Damit sprechen wir unter der Woche den Geschäftsreisenden an und zum Wochenende den „Leisure-Gast“, wie es so schön neu-deutsch heißt“, erklärt Paul Garai. Star Inn verzichtet bewusst auf Luxus, also auf oft nicht profitable Bereiche wie Restaurant, Swimmingpool, Fitness und Konferenzflächen. „Die Beschränkung auf Zimmer mit Frühstück bedeutet aber nicht, dass schlechte Qualität geboten wird“, betont Geschäftsführer Reiner Bauch, der eine Mindestauslastung von 75 Prozent über das Jahr anstrebt.
„Wir haben in Wien Lücken, sowohl im Bereich der Vier- und Fünf-Sterne-Hotellerie als auch in der Budget-Hotellerie, und die werden mit den vielen Neueröffnungen nun geschlossen“, freut sich Norbert Kettner.

Kein Service – nur Automaten
Haji-Ioannou Stelios, der Gründer des Low Cost Carriers easyjet.com, möchte in Österreich innerhalb der nächsten drei Jahre vier Super-Budgethotels der Marke „easyHotels.com“ eröffnen. Die ausschließlich online zu buchenden EasyHotel sind bereits an drei Londoner Standorten sowie in Basel und Budapest erfolgreich. Für Österreich wurde bereits ein Master-Franchise-Vertrag mit Michaela Reitterer, Eigentümerin und Geschäftsführerin des Boutiquehotels Stadthalle und Landesvorsitzende der ÖHV, sowie Unternehmer Ewald Weizenbauer abgeschlossen. „Wir bieten unseren Gästen saubere und sichere Zimmer mit Bad und WC im urbanen Raum und wollen beim Zimmerpreis (+/–29 Euro pro Zimmer) günstiger als unsere Mitbewerber sein – je früher man bucht, desto billiger ist das Zimmer. Wir erwarten eine Auslastung von 70 Prozent, streben aber 80 Prozent an“, so Stelios. Anders als andere Budgethotels, die Übernachtung mit Frühstück anbieten, gibt es bei EasyHotel kein Frühstück, den Gästen stehen Verkaufsautomaten zur Verfügung. Damit können auch die Personalkosten niedrig gehalten werden. „Wir brauchen nur eine Person, die Dienst macht, und es ist sogar daran gedacht, dass wir auch ganz ohne Personal auskommen können“, ergänzt Stelios. Das erste EasyHotel soll in der Nähe des Westbahnhofs eröffnet werden, für den zweiten Wiener Standort sucht man noch eine passende Immobilie. Die Verkehrsbüro Group setzt auf Expansion im zukunftsweisenden Geschäftssegment der Low-Budget Design Hotels. In einem ersten Schritt entstehen in Wien bis zum Jahr 2009 zwei Motel One. Damit setzt Österreichs führender Tourismuskonzern gezielt auf die Nische der Design Hotels im Low-Budget-Bereich. „Wir starten unsere Expansion im Low-Budget-Design-Bereich von Wien aus. In einem nächsten Schritt planen wir bis zu 20 Motel One in Österreich und auf naheliegenden zentral- und osteuropäischen Märkten. Das attraktive Produkt entspricht dem modernen Zeitgeist vieler Business-Reisender und Städtetouristen und verspricht eine hohe Auslastung von 70 bis 80 Prozent von Beginn an“, meint Harald Nograsek, Generaldirektor der Verkehrsbüro Group. Star Inn befindet sich nach dem fulminanten Start in Salzburg auf Expansionskurs. „Wir werden bis Februar 2008 noch zwei Hotels in Salzburg, eines in Wals-Siezenheim und eines am Flughafen Salzburg, eröffnen. Wien ist ebenfalls ein ‚must‘, und vielleicht auch Linz“, meint Paul Garei. Die Meininger-Gruppe sucht in Wien einen weiteren Standort, und wenn es nach Geschäftsführer Sascha Gechter geht, möchte er ein Hotel in der Nähe des geplanten Zentralbahnhofs eröffnen.

Saubere Mehrbettzimmer
Die österreichische Hostelkette „wombat’s“, eine Mischung aus Hotel und Jugendherberge, setzt ihren Expansionskurs ebenfalls fort. Die Unternehmer Sascha Böck und Marcus Praschinger, die vor acht Jahren ihr erstes Haus in der Nähe des Wiener Westbahnhofs eröffnet haben, betreiben mittlerweile drei „Herbergen“ in Österreich und Deutschland. Im Frühjahr 2009 wird in der Nähe des Naschmarkts ein Haus mit 440 Betten eröffnet, welches zugleich das neue Aushängeschild des Unternehmens werden soll. „Für uns ist es wichtig, dass wir einen zentralen Standort haben“, betont Praschinger. Bevor es allerdings so weit ist, muss das bestehende Gebäude im Inneren „massiv“ umgebaut und von zwei auf fünf Etagen aufgestockt werden. Für 2007 erwartet Praschinger ein Plus von 15 Prozent bei den Nächtigungszahlen, und der Umsatz soll im selben Ausmaß auf rund 5,5 Millionen Euro anwachsen. Im Schnitt verzeichnet die Hostelkette eine Auslastung von 80 Prozent. Während andere Budgethotelketten nach Österreich expandieren, geht „wombat’s“ nach Deutschland. Im Februar 2008 wird ein neues Hostel mit 346 Betten in Berlin am Alexanderplatz eröffnet.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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