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Schlucken oder Spucken?

26.02.2007

Alles wird teurer, so auch das Bier. Neben gestiegenen ­Energiepreisen hat vor allem die schlechte Hopfenernte im vergangenen Jahr dazu geführt, dass fast alle heimischen Brauereien die Preise fürs Fassbier um drei bis vier Prozent angehoben haben oder in den nächsten Wochen anheben werden.

Kein Produkt wie jedes andere
Eine Preiserhöhung um ein paar Prozent ist für ein Unternehmen an und für sich ja kein Problem, vor allem, wenn man – so wie in diesem Fall die Brauereien – die Teuerungen an die eigenen Kunden weitergeben kann. Beim Bierpreis tut sich die Gastronomie jedoch traditionell schwer, wie bei anderen Produkten zu kalkulieren. Im Gegensatz zu Speisen, AF-Getränken oder Kaffee ist der Bierpreis eine emotional stark besetzte Größe. „Das ist wie der Kilopreis fürs Brot beim Bäcker“, meint Reinhard Todt vom S’Beisl in Zwettl. Die geringfügige Erhöhung seines Einkaufspreises durch den Lieferanten Zwettler Bier (rund drei Prozent) im vergangenen Herbst, konnte er an seine Kunden in Form einer Verteuerung von 10 Cent auf 2,30 € fürs Seidel bzw. 2,70 € fürs Krügel weitergeben.
Doch für manche Kollegen ist eine Preiserhöhung kein Thema. Peter Dobcak schenkt in seiner Wiener Café-Bar La Boule ein großes helles Ottakringer nach wie vor für vergleichsweise günstige 2,80 € aus, auch nach der Preisanhebung der Wiener Traditionsbrauerei. „Wir haben viele Studenten zu Gast, für die der Bierpreis ein entscheidendes Kriterium für den Besuch ist. Eine Erhöhung um 10 Cent würde nur zu Lasten des Trinkgelds gehen, und das will ich nicht“, berichtet Dobcak.
Gerade in übersichtlichen Wettbewerbssituationen, etwa wenn sich zwei Dorfwirtshäuser das Geschäft teilen und unter Umständen noch die gleiche Biermarke führen, scheuen Wirte davor zurück, die Preise fürs Schankbier anzuheben.
Die Rolle der Marke(n)
Ein Fehler, wie Gastronomie-Berater Michael Waidhofer meint, denn der Bierpreis ist für viele Betriebe von so zentraler Bedeutung, dass man nicht darauf verzichten kann, beim Bier etwas zu verdienen. „Oft ist der Wareneinsatz beim Bier schon höher als in der Küche, und das ist eine äußerst ungesunde Kalkulation. Beim Bier heißt es also: Entweder rauf mit dem Verkaufspreis oder runter mit dem Einkaufspreis“, so Waidhofer.
Weil die Erhöhung des Bierpreises von Kunden (und Lokalmedien) oft kritisch kommentiert wird, plädiert Waidhofer für eine Mehrmarkenstrategie. „Wenn ich eine Premium-Marke habe, die auch im Einkauf entsprechend mehr kostet, sollte ich diese auch entsprechend teuer verkaufen können. Kann ich das nicht, habe ich die falsche Marke. Als günstige Alternative bietet sich ein ‚No-Name-Bier‘ als Hausmarke an, für die ich auch im Einkauf deutlich weniger bezahle“, so Waidhofer. Es könne jedoch nicht sein, dass man im Einkauf Premiumpreise für Biere bezahlt, die in Supermarktregalen zu Kampfpreisen verramscht werden, denn da würde auf dem Rücken der Wirte Politik gemacht.

Starke Marken – die vielfach auch ein klares regionales Profil hätten – helfen jedenfalls dabei, vom Gast entsprechende Preise zu lukrieren. Verzichtet man darauf und will sich preisaggressiv positionieren, ist die Eigenmarke eine denkbare Alternative.

Der Wiener Gastronom Stefan Gergely setzt mit seinem in Böhmen gebrauten „Margaretner“ schon seit vielen Jahren exklusiv auf eine Eigenmarke. Mit gro­ßem Erfolg, wie er glaubhaft versichert. Das große „Margaretner“ kostet im Schlossquadrat 3,10 €, das kleine 2,30 €.
Mario Plachutta hingegen führt im „Grünspan“ zwar eine eigenes „Hausbräu“, das jedoch – wie die anderen Biere auch – von Ottakringer kommt und genauso viel kostet (2,60 € fürs Seidel, 3,40 € fürs Krügel).
Vergangene Woche haben Siegfried und Claudia John vom Cumberland Parkcafé in Gmunden mit dem Ausschank ihres neuen Hausbiers „John’s“ begonnen. Nicht statt ihrer bisherigen Hausmarke „Zipfer“, sondern zusätzlich. Die Preise fürs Zipfer bleiben unverändert: 2,80 € fürs große und 2,30 € fürs kleine Bier, das neue John’s kostet hingegen nur 2,55 € bzw. 2,05 €.
„Wer eine Premium-Marke will, zahlt dafür mehr. Ich sehe darin wirklich kein Problem. Beim Wein wird das ja auch ohne Murren akzeptiert. Wir haben einen günstigen Schankwein und teurere Bouteillen-Weine, die wir auch glasweise ausschenken“, zieht Siegfrid John einen vielleicht zukunfstweisenden Vergleich, denn jetzt stimmt seine Bier-Kalkulation wieder.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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