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Schmetterlinge im Dialekt

23.10.2006

Acht ausgezeichnete Betriebe aus dem Bregenzer Wald haben sich zu einer kleinen, aber feinen Vermarktungsplattform namens „MundArt“ zusammengeschlossen. Die gelebte Bodenständigkeit wird durch heimische Schmetterlinge symbolisiert.

In vielen anderen Regionen Österreichs wäre eine Vereinigung wie „MundArt“ nur schwer vorstellbar. Schließlich stehen die acht sehr ähnlich positionierten Betriebe ja doch in einem gewissen Konkurrenzverhältnis zueinander. „Der Bregenzer Wald ist eine wunderschöne Landschaft. Doch wir sind halt nicht so leicht zu erreichen. Wir müssen also zuerst einmal gemeinsam unsere Region bewerben, bevor wir überhaupt von einer Konkurrenzsituation sprechen können“, sagt Hans-Peter Metzler vom Schiff in Hittisau.

Top-Küche als Bedingung
Auch wenn die MundArt-Kooperation der Form nach eher lose ist, gilt das Gleiche, wie bei jeder Kette: Sie ist nur so stark, wie ihr schwächstes Glied. Unverzichtbare gemeinsame Klammer für eine Mitgliedschaft ist daher eine ausgezeichnete Küche. Auch wenn man sich bei der Frage der Mitgliedschaft natürlich nicht ausschließlich auf das Urteil eines anonymen Gault-Millau-Testers verlassen will, so ist es doch bemerkenswert, dass jeder MundArt-Betrieb zumindest mit einer Gault- Millau-Haube ausgezeichnet ist.
Ganz nach dem Motto „MundArt kann net jeder sin!“ Dafür gibt es keinen Gebietsschutz. Bezau (Gams und Post), Hittisau (Schiff und Krone) sowie Schwarzenberg (Adler und Hirschen) haben jeweils zwei Mitgliedsbetriebe.

Das Besondere hervorkehren
Ziel von „MundArt“ ist es, den Gästen die traditionellen Wurzeln des Bregenzer Waldes in kulinarischer Form näher zu bringen. Die Tradition als Gastgeber, die Liebe zu einer ehrlichen Küche sowie die Überzeugung, dass sorgfältig zubereitete Speisen ein Stück Kultur sind, eint die acht Vorzeige-Betriebe.
Um diese Eigenschaften nicht zu verwässern, hält man sich bei der Zusammenarbeit mit Lieferanten sehr zurück. Lediglich mit der Vorarlberger Vorzeige-Brennerei Hämmerle wurde eine Kooperation eingegangen. So gibt es in allen Betrieben eine Hämmerle-Sonderedition aus übergroßen Stilflaschen.

Eine weitere Besonderheit dieser vorbildlichen Wirtekooperation ist die lose Rechtsform. „Wir sind kein Verein oder sonst wie organisiert. Wir treffen uns alle zwei Monate, um über Aktuelles zu sprechen und gemeinsame Aktivitäten zu überlegen. Sollte uns wider Erwarten einmal nichts einfallen, trinken wir halt gemeinsam ein Gläschen Wein“, berichtet der derzeitige „Präsident“ Dietmar Nussbaumer vom Gasthof Krone in Hittisau.
Auch die Budgets für Aktivitäten, Folders, die Website und Ähnliches wird jeweils ad hoc und im Konsens beschlossen. „Diese lose Form der Kooperation zwingt uns, aufeinander Rücksicht zu nehmen und immer miteinander zu arbeiten. Uns gibt es jetzt seit vier Jahren und wir sind bislang sehr gut damit gefahren“, berichtet Hans-Peter Metzler von der Kooperationsarbeit fernab jeder Vereins­meierei.
Auf die Idee zu dieser Kooperation kam Metzler vor fünf Jahren bei einem Spanien-Urlaub, wo er über einen Folder gestolpert ist, in dem sich verschiedene Betriebe einer Region gemeinsam vermarktet haben. „Das können wir doch auch“, hat er sich damals zu Recht gedacht und seine Kollegen aus der Region rasch überzeugt.
Außerdem erleichtert die gemeinsame Plattform die Zusammenarbeit mit anderen Aktivitäten im Bregenzer Wald.
Derzeit gibt es etwa eine Kooperation mit „Werkraum Bregenzer Wald“ (Infos unter: www.werkraum.at).
Am 18. Oktober kochen die MundArt-Wirte im Rahmen einer „Wilden Schlachterei“ gemeinsam für der Ausstellung Handwerk & Form in Andelsbuch auf.
Vielleicht noch bemerkenswerter ist eine gemeinsame Initiative am Freitag, den 20. Oktober, wo man die Lehrlinge der Handarbeitsbetriebe im Bregenzer Wald verköstigt. „Da überlassen wir unseren Lehrlinge die Bühne, damit sie ihren Altersgenossen einmal zeigen können, wie es im Gastgewerbe wirklich zugeht. Vielleicht bekommt ja der eine oder andere Lust zum Wechseln“, berichtet Nussbaumer von einer weiteren vorbildlichen Initiative der MundArt-Kooperation.
www.mundart.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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