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Schnecken überall

Schnecken erobern Turin

05.10.2016

Vor 20 Jahren trafen sich ein paar hundert italienische Kleinproduzenten im Turiner Messezentrum. Beim diesjährigen Salone del Gusto von Slow Food verwandelte sich ganz Turin zu einer Open-Air-Bühne des nachhaltigen Genießens. Auch Österreich zeigte Flagge  

Hans Matitz und Herwig Ertl aus der Slow-Food-Travel-Destination Kärnten
Bäcker Gragger aus Oberösterreich

Ein erfolgreiches Konzept zu ändern birgt Risiken. Doch wenn man sich weiterentwickeln will, muss man mitunter neue Wege einschlagen. So hat sich Slow Food entschieden, das Turiner Messezen-trum Lingotto zu verlassen und seine Zelte im Parco del Valentino am Po-Ufer aufzuschlagen. Weil das Gelingen einer Freiluft-Veranstaltung auch zu einem guten Teil vom Wetter abhängt, wurde die Veranstaltung um einen Monat vorverlegt. Die elfte Auflage des Salone del Gusto fand nicht bei neblig-feuchtem Herbstwetter, sondern bei spätsommerlichem September-Sonnenschein statt. 

Ein bisschen erinnerte die Stimmung im Parco del Valentino an das Genussfestival im Wiener Stadtpark – nur wesentlich größer und internatio-naler. Die meisten Menschen kennen Länder wie Libanon, Aserbaidschan oder Iran nur aus den Nachrichten – hier konnte man sehen und schmecken, dass dort auch Lebensfreude und guter Geschmack zu Hause sind. Vorträge, Workshops und Konferenzen fanden in der ganzen Stadt statt, wo sich auch noch weitere Genuss-Statio-
nen befanden. Riesige Schnecken – das Symbol der Slow-Food-Bewegung – wiesen den Weg.  

Bier auf Italienisch

Erstaunlich auch, dass die meisten Besucher einen Becher Bier statt Wein in der Hand hielten. Italien ist zu einem Bierland geworden, was sich auch im bereits zum fünften Mal von Slow Food Editore herausgegebenen Guida alle birre d’Italia zeigt. Unglaubliche 2.700 Biere von 512 Produzenten werden darin vorgestellt. Über zwanzig Klein- und Kleinstbrauereien waren mit eigenen Ständen vertreten und erfreuten sich eines gewaltigen Zuspruchs. Von dieser neuen Liebe zum Bier profitierte auch die Stiegl-Brauerei, die mit ihren Wildshuter Bio-Spezialitäten Sortenspiel und Urbier für Begeisterung sorgte. Gleich daneben wurden Säfte von Retter ausgeschenkt, Schinken von Thum aufgeschnitten und richtig gutes Brot gebacken. Der oberösterreichische Bäcker Gragger war mit einem mobilen Backofen nach Turin gekommen. 

Langsam Reisen 

Der Salone del Gusto ist eine freudvolle Leistungsschau des guten Geschmacks und im Rahmen der gleichzeitig stattfindenden Terra Madre auch eine politische Plattform für den internationalen Austausch von lokalen Kleinproduzenten. Vorrangiges Ziel ist es, solchen Produzenten Marktchancen zu schaffen. Slow Food hat Kriterien entwickelt, nach denen sich Regionen als Slow-Food-Travel-Destinationen vermarkten können. Dafür ist ein touristisches Angebot notwendig, bei dem die Gäste im Rahmen von Workshops und Betriebsbesuchen unmittelbar erfahren können, wie wertvolle Lebensmittel produziert werden.

Als weltweit erste Slow-Food-Travel-Destination präsentierten sich Lesachtal und Gailtal aus Oberkärnten. Mit dem Edelgreißler Herwig Ertl aus Kötschach-Mauthen ist ein Protagonist an Bord, der interessierten Besuchern eloquent auf Deutsch, Englisch und natürlich Italienisch die Spezialitäten aus seiner Heimat erklären konnte. So genoss man am Kärntner Stand neben Speck und Würsten auch frisch gebackenes Brot, Marmelade und sogar hausgemachte Kasnudeln. Dazu wurde Kärntner Loncium-Bier gereicht. Buon Appetito e Saluti!

 

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