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Eva-Maria Gössl: Früher PR, jetzt Kaffeehaus.

Schneewittchen & Biedermeier

26.02.2016

Eva Gössl-Lohner lässt in ihrem Grazer Lokal die gute, alte österreichische Kaffeehaus-Tradition wiederaufleben. Und dazu braucht sie weder WLAN noch Tablets.

 

Ein Besuch im „Kaffeehäferl“ ist wie eine Reise in die Vergangenheit: In Eva Gössl-Lehners kleinem Café in der Humboldtstraße vermischen sich die Klänge von Schnulzen aus den 1920er-Jahren mit dem Duft einer Himbeer-Mohntorte namens „Schneewittchen“, die von der Chefin höchstpersönlich aus dem Ofen geholt wird. „Ich wollte ein Kaffeehaus aufmachen, in das ich selbst auch gern ginge“, meint die Neo-Gastronomin. Die Grundschulpädagogin war jahrelang als PR-Beraterin tätig, zuletzt für den „Grazer Tuntenball“. Zu ihrem Lokal kam sie per Zufall: „Meine Eltern haben das Lokal während des Umbaus ihrer Spar-Filiale als Greißlerei genutzt“, sagt Gössl. Danach standen die Räume leer. „Meine Mutter sagte im Scherz: Da könntest du ja ein Lokal eröffnen. Das war aber tatsächlich immer schon ein Herzenswunsch von mir.“ 

Sprung ins kalte Wasser

In knapp zweieinhalb Monaten wurde das 56m2 große Lokal renoviert und mit alten Kaffeehausmöbeln ausgestattet, die Gössl auf Flohmärkten zusammengetragen und selbst renoviert hat. „Ich habe rund 60.000 Euro in das Kaffeehaus gesteckt.“ Förderungen hat sie dafür aber nicht mehr bekommen, weil ihr „Unternehmensgründungs“-Anspruch schon mit ihrer früheren PR-Agentur eingelöst worden war. Unterstützung bekam Gössl aber sehr wohl von ihren Eltern. 

„Mir war es wichtig, das Kaffeehausflair wieder aufleben zu lassen und einen Ort zum Verweilen und Genießen zu schaffen“, sagt die Grazerin, die mit dem Kaffeehäferl auch ein deutliches Zeichen gegen die grassierende Coffee-Shop-Mode in Graz setzt: „Ein Kaffeehaus ist für mich ein Ort, an dem man sich austauschen und plaudern kann oder die Zeitung liest.“ Deshalb verzichtet sie auch bewusst auf WLAN. An den Biedermeiertischchen im Kaffeehäferl wird aber sowieso eher Karten gespielt, als auf dem Handy herumgetippselt. „Das Publikum war von Anfang an sehr gemischt“, sagt die 30-Jährige und „wir haben inzwischen viele Stammgäste“. Die schätzen neben den selbstgemachten Torten auch die zahlreichen Kaffeespezialitäten im Kaffeehäferl. Dabei hat sich Gössl von den Klassikern inspirieren lassen: Neben den „Üblichen“ wie Melange, kleiner Brauner oder Verlängerter stehen im Kaffehäferl auch nostalgische Spezialitäten auf der Karte, wie etwa „Advokat“, „Kapuziner“ und „Mexikaner“, aber auch ein Kaffee nach Art des Hauses: der „große Mokka mit Mamas Nussschnaps und Schlaghäubchen“.

 
Kaffee verkehrt

Auch Caffè Latte gibt’s bei Eva Gössl. Nur heißt er bei ihr „Kaffee verkehrt“. Und der war es auch, der ihr vor rund eineinhalb Jahren das größte Kopfzerbrechen bereitete: „Drei Tage vor der Lokaleröffnung hab ich zum ersten Mal einen Kaffeeautomaten bedient“, erinnert sich Gössl. „Das größte Problem war die aufgeschäumte Milch.“ Geholfen hat ihr dabei der Vertreter von Hornig Kaffee, der ihr mit viel Geduld gezeigt hat, wie man die Maschine richtig bedient. 

Mittlerweile beschäftigt Gössl eine 20-Stunden- und eine „geringfügige“ Arbeitskraft. Sie selbst macht nicht nur Torten mit klingenden Namen wie „Goldlöckchen“, „Nussknacker“ oder „Schneekönigin“, sondern auch die täglich variierenden Blätterteigküchlein und Suppen, die es in dem Tagescafé als Mittagstisch gibt. 

Text: Ute Fuith

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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