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Paul Sexton-Chadwick

Schwarzseher: Der Sky-Chef im Interview

09.02.2017

Sky geht jetzt verstärkt gegen Schwarzseher vor. Was sich der Pay-TV-Anbieter davon erwartet, hat die ÖGZ von Business-Chef Paul Sexton-Chadwick erfragt

Paul Sexton-Chadwick
leitet seit Juli 2014 als Senior Vice President den Bereich Business Solutions bei Sky Deutschland. Hier verantwortet er die Weiterentwicklung und den Ausbau des Vertriebs von Sky in der Gastronomie, Hotellerie, in Fitnesscentern und weiteren Geschäftsbereichen

Seit Herbst 2015 geht Sky gegen Gastronomen vor, die die Sky-Programme ohne Gewerbelizenz in ihren Gaststätten ausstrahlen. Haben Sie schon Erfolge erzielt? 
Paul Sexton-Chadwick: Absolut. Die Anzahl der illegalen Ausstrahlungen der Sky-Programme in klassischen Sky-Sportsbars geht bereits zurück. Im Markt gibt es ein gewisses Bewusstsein für unsere Kontrollen, aber auch das Verständnis und die Bereitschaft, für ein Produkt wie Sky zu bezahlen. Einige Betrüger denken, unter dem Deckmantel einer „geschlossenen Gesellschaft“ ein Schlupfloch für das illegale Ausstrahlen gefunden zu haben. Auch in diesem Bereich konnten wir dank moderner Detektionsmethoden Betrugsfälle aufdecken, Schadensersatzforderungen stellen und erfolgreich vor Gericht abschließen. 

Wie hoch ist der Schaden?

Potenzielle illegale Ausstrahlungen der Sky-Programme können bei Sky einen Schaden in Millionenhöhe verursachen. Um diesem Risiko vorzubeugen, haben wir in den letzten beiden Jahren unser Betrugsmanagement intensiviert und eine eigene Abteilung zur Bekämpfung illegaler Ausstrahlungen des Sky-Programms in öffentlichen Räumen installiert und ausgebaut. Der Grund hierfür ist einfach: Als Europas größter Lizenznehmer für Exklusivrechte hat unser Produkt für uns und unsere Kunden einen sehr hohen Wert und bringt ihnen einen geldwerten Vorteil. Unsere ehrlichen Kunden verlangen daher zu Recht von uns, dass wir diesen Vorteil für sie schützen und gegen Missbrauch und Betrug vorgehen.
 
Welche konkreten Maßnahmen werden jetzt durch die Aufstockung des „Fraud-Managements” gesetzt? 
Neben Alexandra Deinath, die den Bereich seit 2015 verantwortet, haben wir im vergangenen Jahr die Abteilung um die beiden Expertinnen Marlen Repetowska und Kati Gottschalk erweitert. Des Weiteren arbeiten wir mit zwei externen Kanzleien und einem großen Team an Kontrolleuren zusammen. Zur Ermittlung von Betrugsfällen haben wir zudem eine Hotline, unter der uns verdächtige Objekte genannt werden können. Unser oberstes Ziel ist es, neue Methoden zur Detektion von Schwarzsehern sowie die Steuerung der Kontrollen weiterzuentwickeln. Ein neues Datengerüst samt Datenmanagement zur optimalen, zielgerichteten und raschen Prüfung von verdächtigen Objekten erweist sich bereits als großer Erfolg. 
Mit mehr als 140.000 Kontrollen jährlich in Deutschland und Österreich sind wir sehr aktiv in der Betrugsbekämpfung tätig. Werden Betrugsfälle ermittelt, erheben wir zivilrechtliche Anklage. Gegen organisierte Kriminalität, wie beispielsweise den illegalen Vertrieb privater Smartcards, gehen wir noch härter vor. 

Manche Wirte waren verärgert, weil sie seit der letzten Tarifneugestaltung plötzlich deutlich mehr zahlen mussten. Wie erklären Sie denen das? 
Jedes Jahr verhandeln wir für unsere Kunden über neue Sportrechte, um auch künftig das beste Live-Sport-Programm bieten zu können. Aufgrund der sich verändernden Lizenzkosten für Programminhalte und sonstigen Kosten müssen wir unsere Preise in regelmäßigen Zeitabständen überprüfen und anpassen. Im Sommer 2013 haben wir ein neues, faireres Preissystem eingeführt. Dabei spielt bei der Preisberechnung nicht mehr nur die Größe einer Gaststätte eine Rolle, sondern auch die Kaufkraft, Sportaffinität und Bevölkerungsdichte am Standort des Betriebes. Dies sind entscheidende Faktoren für den Umsatz, den ein Gastwirt mit Sky erwirtschaften kann. 

Sie machen seit kurzem Restaurants ein Angebot, für 169 Euro im Monat Sky zu beziehen. Wieso glauben Sie, dass Sportübertragungen für Restaurants interessant sind? 
Gäste haben damit neben einem guten Essen noch einen weiteren Grund, das Restaurant aufzusuchen: erstklassige Live-Sport-Übertragungen. Durch die Integration von Sky in ein Restaurant werden Gäste zum Besuch oder auch längerem Verweilen angeregt und verzehren dabei möglicherweise mehr. Das bedeutet für den Wirt zusätzlichen Umsatz. Und auch an Abenden, die von Spitzensport geprägt sind, müssen Gäste nicht mehr das Lokal verlassen oder gar ganz fernbleiben, um den Sportevent anderswo zu verfolgen, da sie auch im Restaurant nichts mehr verpassen.

Autor/in:
Daniel Nutz
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