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Sechs Generationen Leidenschaft

09.10.2014

Der Mühltalhof im oberösterreichischen Neufelden ist eine gelungene Symbiose aus Tradition und Moderne. Und das Essen ist köstlich. Wir haben probiert

Im Mühltalhof stehen Vater Helmut und Sohn Philip Rachinger

Text: Ute Fuith

Wenn die vielzitierte und Gustav Mahler zugeschriebene Definition von Tradition als der Weitergabe des Feuers im Gegensatz zur Anbetung der Asche irgendwo eine Verortung hat, dann sicherlich im Genießerhotel der Familie Rachinger-Eckl im oberösterreichischen Mühlviertel. Hier wird bereits in sechster Generation bewirtet, bekocht und beherbergt.

Begonnen hat alles mit einer Pferdewechselstation an der großen Mühl, jenem aufgestautem Flüsschen, dessen rostrote, weil eisenhaltige Farbe mit der Fassade des Gästetrakts des Mühltalhofes korrespondiert.

Das avantgardistische Äußere findet seine Fortsetzung im Inneren des Hauses und zeigt sich oft in überraschenden Details. Auf jedem Nachtkastl liegt zum Beispiel eine Ausgabe von Adalbert Stifters „Granit" und der Einleitungssatz prangt sogar neben der Eingangstür des Hauses.

Der älteste Teil des Hauses ist die straßenseitige Gaststube. An der Decke ist das Gründungsjahr des Wirtshauses mit 1698 datiert. Auch sonst finden sich zahlreiche Zeugnisse aus der Familiengeschichte.

Großvater Rachinger war der erste ausgelernte Kellner im Tal. Er sammelte in den Grandhotels von Belgien und der Schweiz wertvolle Erfahrungen. „Diese Bilder haben mich immer sehr beeindruckt", erinnert sich Helmut Rachinger, der amtierende Chef des Hauses. Er hat sich weit über die Grenzen des Landes einen hervorragenden Ruf als Zwei-Hauben-Koch erworben.

Geschmack des Mühlviertels

Was Helmut Rachinger in der Küche des Mühltalhofs zu aromatischen Kunstwerken verarbeitet, kommt fast ausschließlich von den Nachbarn. Denn von langen Wegen hält der Koch wenig. Vor allem, was die Zutaten für seine Zwei-Hauben-Küche betrifft. Und so kommen die Kräuter aus dem Garten jener Nachbarin, die früher als Küchenmädchen im Mühltalhof beschäftigt war, der Sauerklee für das cremige Eis aus dem Wald nebenan, das Böhmerwaldlamm von Hans Kjär aus Julbach, der frische Saibling und die bissfesten Karpfen aus den Teichen des Stifts Schlägl. Und auch das Rindfleisch – altes Waldviertler Blondvieh – und die Turopolje-Schweine vom Biohof Hörezed sind nur knappe zehn Kilometer entfernt.

Wer exzellente Küche auf regionaler Basis macht, braucht ebenso exzellente Lieferanten. Das Mühlviertel hat sich in seiner naturbelassenen Abgeschiedenheit seit Jahren zu einer reichen Fundgrube für kulinarische Köstlichkeiten entwickelt. Seine Leidenschaft fürs Kochen mit regionalen Produkten und die Liebe zu farbenfrohen Kompositionen hat Helmut Rachinger auch an seinen Sohn Philip weitergegeben.

Harmonisches Miteinander

Der 25-Jährige wusste schon früh, dass er in die Fußstapfen des Vaters treten würde. Erst absolvierte er die Hotelfachschule in Bad Ischl, danach lernte er im Steirereck, anschließend sammelte er Erfahrungen in London und Paris. Vor einigen Monaten kehrte Philip in den Betrieb zurück. Mittlerweile arbeiten Vater und Sohn auf Augenhöhe am Herd und das äußerst harmonisch: „Wir haben beide denselben Geschmack", sagt Philip. An seinen Auslandsaufenthalten hat der Vater immer regen Anteil genommen. Für den bald fünfzigjährigen Helmut Rachinger wird sich die Übergabe an den Sohn fließend gestalten: „Ein befreundeter Tischler hat die Zusammenarbeit mit seinem Vater so beschrieben: Erst hab ich dem Papa geholfen, und jetzt hilft er mir." So wird es auch bei Philip und Helmut Rachinger sein.

Hotel an der Grenze

Während Vater und Sohn für die exzellente Küche zuständig sind, ist des Seniors Schwester Johanna Eckl für das Hotel da. Für die gelungene Verbindung von Alt und Neu wurde das Hotel und Restaurant der Familie Rachinger & Eckl kürzlich sogar mit dem Energiesparpreis der Erdgas Oberösterreich ausgezeichnet. Zum historischen Baukern aus dem 17. Jahrhundert gesellen sich nun Zimmer und Suiten in luftigem, außergewöhnlichem Design, zum Fluss öffnet sich der lichtdurchflutete Relax- und Beautybereich von Ira Preinfalk ebenso wie das Restaurant. Wie gläserne Flügel gleiten die Glaswände zur Seite und geben von einer schwebenden Bühne den Blick auf das spiegelglatte Idyll der Großen Mühl frei. An der Planung und Umgestaltung des Mühltalhofes war die gesamte Familie beteiligt, inklusive Ehepartnern. So stammen viele Kunstwerke im Hotel vom Mann Johanna Eckls, dem Künstler Joachim Eckl, und seinen Künstlerfreunden. Auch der Hoteleingang wurde als „Landeplatz für Ankommende" mit einem 14 Tonnen schweren „Riesenfindling" gestaltet.

Alt und Neu

Die kunstaffine Familie beweist ihre Kreativität in vielen Details, etwa mit einem Einblick in die Küche durch ein Aquarium hinter der Rezeption. „Ein gelungenes Haus ist wie ein Maßanzug", sagt Helmut Rachinger, „der sieht nicht nur schön aus, darin muss man sich auch wohlfühlen." Der eindrucksvolle Mix reicht von zeitgenössischer Kunst bis zu traditionellen Mühlviertler Leinenstoffen von Leitner, alte Walzenmuster kokettieren mit nachgewebtem Matratzenstoff, Holzleitern als Handtuchhalter und in Betonwürfel gegossenen Minibars. Für den Wellnessbreich ist übrigens Helmut Rachingers Frau Ira zuständig. Sie kümmert sich um müde Wanderfüße und überrascht mit ihrer intuitiven Expertise für das, was dem einzelnen Gast guttut.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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