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Sechs Schritte zur Enttäuschung

17.09.2008

Die touristische Wirkung einer Fußball-EM ist höchst umstritten

Die europaweiten Erfahrungen zeigen deutlich: Sportliche Großveranstaltung wie die Euro 2008 haben durchaus touristische Effekte, sind aber keine touristischen Veranstaltungen. Das (touristische) Dilemma von Sportgroßveranstaltungen wie der Euro 2008 liegt vor allem in der politischen Dynamik im Vorfeld des Ereignisses:
Sechs Schritte zu enttäuschten Erwartungen
Schritt 1: Sportgroßveranstaltungen erfordern enorm große finanzielle Mittel der öffentlichen Hand.
Schritt 2: Um diesen Mitteleinsatz zu rechtfertigen, braucht es die politische Unterstützung der Mehrheit der Bevölkerung.
Schritt 3: Um diese Unterstützung zu bekommen, betonen Politiker, UEFA und bestellte Studien vor der Veranstaltung enorme positive Auswirkungen auf die Region.
Schritt 4: Durch dieses Übertreiben der wirtschaftlichen Vorteile werden im Vorfeld Erwartungen geweckt, die zu hoch sind.
Schritt 5: Diese unrealistischen und viel zu hoch angesetzten Erwartungen werden nicht erfüllt. Die (unnötige) Enttäuschung folgt.
Schritt 6: Diejenigen, die vor der Sportgroßveranstaltung die Erwartungen zu hoch geschraubt haben, präsentieren danach euphorische Ergebnisse, die der Realität nicht standhalten oder spekulativ sind.
So wurde im Vorfeld der Euro 2008 bei medienwirksamen Veranstaltungen von einer Million zusätzlicher(!) Nächtigungen in Österreich gesprochen, die laut SpEA-Studie zu erwarten wären. Seriöse Analysen anderer Fußballgroßveranstaltungen hätten gezeigt, dass diese euphorischen Prognosen nicht haltbar sind. Außerdem berücksichtigen diese Aussagen nicht, inwieweit Fußballtouristen andere Gäste verdrängen (sogenannte Crowding-Out-Effekte: Gäste, die wegen der EM nicht buchen). Es wird also nicht zwischen Brutto- und Nettoeffekten unterschieden.
Neben den kurzfristigen Effekten einer Sportgroßveranstaltung wird die nachhaltige Wirkung hervorgehoben, die sich aus gestiegenem Bekanntheitsgrad, Image- und Werbeeffekt der Übertragungen ergibt. Image oder Werbewert sind jedoch seriös kaum messbar und schwer einzelnen Austragungsstätten zuzuordnen. Image- und Werbeeffekte sind zweifellos gegeben, aber auch hier zeigen Erfahrungswerte, dass die langfristigen Auswirkungen auf die touristische Nachfrage generell überschätzt werden. Ein erhöhter Bekanntheitsgrad einer Region alleine genügt nicht, um Fußballfans dazu zu bewegen, in dieser Region den Urlaub zu buchen.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen von Sportgroßveranstaltungen auf den Tourismus sind umso höher, je näher die Sportart an touristischen Produkten liegt.
Bei einer Schi-WM hat man das touristische Produkt Schifahren im Hintergrund, beim Ironman-Triathlon die Freizeitprodukte Schwimmen, Radfahren, Laufen Fußball hat aber kein buchbares touristisches Produkt hinter sich.
Bei der ökonomischen Beurteilung von Sportgroßveranstaltungen auf die Tourismuswirtschaft ist daher die Nähe der Sportart zum touristischen Produkt entscheidend.
Weitere Infos: Dr. Manfred Kohl, Kohl & Partner Tourismusberatung GmbH, Tel.: 0 42 42/211 23, E-Mail: manfred.kohl@kohl.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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