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Sehnsucht nach daheim

13.05.2015

Wer im Ausland Sehnsucht nach der Heimat hat, dessen Leiden könnten hier Linderung erfahren – eine Auswahl der prächtigsten Kaffeehäuser der Welt

Text: Marie-Theres Stremnitzer

Café Majestic
in der nordportugiesischen Stadt Porto. Ein Prunkstück aus der Spätzeit der Belle Époque. Ursprünglich als Café Elite 1921 eröffnet, wurde der Name von der Bohème – auch dort die prägende Kundschaft – als nicht dem intellektuellen Zeitgeist der kürzlich ausgerufenen portugiesischen Republik entsprechend abgelehnt. Café Majestic klang offenbar weniger stark nach Kronjuwelen.

Grand Café Odeon
in Zürich. 1910 nach österreichischem Vorbild im Jugendstil mit marmorverkleideten Wänden, Messing und Kronleuchtern errichtet. Hier fühlt man sich ein wenig wie in der durchs Vergrößerungsglas betrachteten Loos-Bar in der Wiener Innenstadt. Inzwischen beinahe auf dessen Größe geschrumpft, bespielt es nur noch ein Drittel seiner ursprünglichen Fläche. Praktisch gegen den vom sehr beliebten „Cüpli“-Trinken hervorgerufenen Kater (im Odeon wurde Champagner erstmals auch glasweise ausgeschenkt): Der einstige Rest des Lokals beherbergt eine täglich auch nachts geöffnete Apotheke.

El Gato Negro
in Buenos Aires erinnert den geneigten Besucher mit seinem Interieur eventuell an das Schwarze Kameel. Seit 1928 Kaffee- und Teespezialitäten und in großen Töpfen Gewürze aus aller Welt.

Confeitaria Colombo
in Rio de Janeiro. Eine Zeitreise in die prachtvolle Welt des Fin de Siècle. 1894 eröffnet, mit riesigen Spiegeln aus Belgien, Bodenfliesen aus Portugal, Marmortischen aus Italien und französischem Porzellan hat sie dem Zerfall der Innenstadt wacker standgehalten.

Café Slavia
in Prag. In unmittelbarer Nähe zum tschechischen Nationaltheater ein beliebtes und in mehreren Werken verewigtes Künstlercafé. Berühmt ist das Jugendstilgemälde „Der Absinthtrinker“ von Victor Oliva. Seit den Dreißigerjahren im französischen Art-déco-Stil.

Gran Café Orient
ebenfalls in Prag. Hier versuchte man 2005 Ähnliches wie im Café Museum 2003. Man stellte nach 80 Jahren den Originalzustand wieder her – und zwar im tschechischen Kubismus, der damals ebenso schnell aus wie in Mode geraten war. Ob der Rückbau besser als jener in Wien gelungen ist, davon möge sich der Besucher selbst überzeugen.

Caffè sciascia 1919
in Rom. Zwischen dunkler Holzvertäfelung und Samtfauteuils wird stolz nach Johann Grander aufbereitetes Trinkwasser ausgeschenkt. Man vermutet hier den besten Cappuccino der Stadt.

Caffè Sandri
in Perugia. Ein Aufschrei ging durch die Stadt, als die Pasticceria mit den lieblichen Deckenfresken 2013 die Pforten schloss. Neue Investoren fanden sich, der Traditionsbetrieb in der Schokoladehauptstadt Italiens wurde wiedereröffnet, mit 30 Kilo vom Verkaufsschlager: der Torta Sacher (sprich: Sakkär). Besitzer Giacomo Schucani tauschte einst, so will es die Legende, bei Franz Sacher höchstselbst sein Rezept für „Bignè alla Pompadour“ gegen die Rezeptur der Sachertorte.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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