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Gabi und Christian Gelter: Wenn bei den beiden das Lokal voll ist, werden doppelt so viele Gäste bewirtet, wie das Dorf Einwohner hat.

Serie "Mein Wirtshaus": Gelter

05.10.2021

Lump’n Supp’n Tschreap’n, Had’nschmorn mit Grant’nschleck oder Grüanzweigweidling mit Goaskas und Glantaler Wagn’schmier: Im Herzen Mittelkärntens punkten Christian und Gabi Gelter im Wirtshaus Gelter mit regionaler Küche, Kärntner Lokalkolorit und charmanter Dorfwirtshauskultur.

Knoblauchschaumsuppe & Gelter-Bier.

Goggerwenig hat gerade mal 74 Einwohner. Die kleine Ortschaft im Süden des Bezirks Sankt Veit an der Glan ist eher unbekannt, viele fahren auf dem Weg zur Burg Hochosterwitz oder zur Burg Taggenbrunn am Dorf vorbei. 

Ein kapitaler Fehler, denn ein Stopp an der B82 lohnt sich: Direkt an der Seebergstraße führen Christian und Gabi Gelter das Wirtshaus Gelter. Ist das Lokal voll besetzt, werden knapp doppelt so viele Gäste bewirtet, wie das Dorf Einwohner hat.

Vom Gutshaus zum Wirtshaus

Der Name Goggerwenig holpert Nichtkärntnern über die Lippen, ähnlich ist es bei der Speisekarte. „Lump’n Supp’n Tschreap’n“ steht neben „Had’nschmorn mit Grant’nschleck“ und „Grüanzweigweidling mit Goaskas und Glantaler Wagn’schmier“: Die komplette Karte ist im Kärntner Dialekt gehalten. „Die Idee zur Dialekt-Speisekarte war sofort beschlossen. Die deutschen Gäste lassen sich vom Servicepersonal die Karte ‚ausdeutschen‘ und kommen so ins Gespräch. Wir hatten in elf Jahren zwei Gäste, die sich über die Karte beschwert haben, und das waren keine ausländischen Gäste“, schmunzelt Christian Gelter, der das Wirtshaus im Dezember 2009 eröffnete. 

Das Gutshaus ist geschichtsträchtig und hat über 500 Jahre auf dem Buckel. 30 Jahre lang „hielt es einen Dornröschenschlaf, bis wir es wachküssten“. Fünf Jahre lang steckte die Familie all ihre Energie und Ideen in den Umbau, um einen lang gehegten Traum von Christian Gelter zu verwirklichen: ein kleines gemütliches Wirtshaus mit bodenständiger Küche zu führen, wo sich alle Leute der Umgebung wohlfühlen. „Wir sind über das verfallene Haus gestolpert, der Rest ist viel, viel Arbeit und die Freude daran, Menschen glücklich zu machen.“

Stammkunden und Laufkundschaft

Obwohl die Lage des Wirtshauses abgeschieden ist, hat sich das Wirtshaus Gelter im Laufe der Jahre einen guten Ruf erarbeitet, heute ist es kärntenweit bekannt und ein beliebter Treffpunkt, insbesondere für Liebhaber der Dorfwirtshauskultur. „Wegen unserer Faschierten Labalan fahren die Gäste von Graz zu uns“, sagt Christian Gelter. Dazu kommen treue Stammkunden und Laufkundschaft. „Wir haben aus Sankt Veit und Umgebung sehr viel Laufkundschaft. Natürlich braucht man ein Auto, aber das ist bei uns am Land eh normal.“ Dass die Gäste den Wirtsleuten über Jahre die Treue halten, führt Gelter auf sein Angebot zurück. „Die Qualität der Speisen ist einfach hoch, es wird ehrlich gekocht und der Preis ist normal.“ Dazu kommt, dass Christian Gelter auf regionale Produkte schwört. Von Anfang an war klar, mit Partnern aus der Region zusammenzuarbeiten. „Österreich bzw. Kärnten hat die gesündesten und besten Produkte der Welt, also warum etwas Anderes verwenden? Die Frage stellte sich nicht, auch nicht preislich. Es gibt keine bessere Alternative.“ Die Zusammenarbeit mit den regionalen Produzenten „läuft 1A“, so Gelter, der mit fixen Partnern zusammenarbeitet, aber auch offen für Neues ist. An der Standardkarte wird nur mäßig geschraubt. „Es ist fast unmöglich ist, ein Gericht zu entfernen. Aber wir haben unsere Monatsspezialitäten, die sich saisonmäßig ändern. All-Time-Favoriten auf der Karte sind die Leberknödelsuppe, Backhendl und der Schweinsbraten, weil es den nur sonntags gibt.“

Begegnung in Obertauern

Der Weg vom Lehrling zum Wirtshauschef führte Christian Gelter quer durch Kärnten. Nach einer Lehre im Parkhotel Pörtschach und im Hotel Edelweiß in Obertauern arbeitete er einige Saisonen im Casino Velden und im Burghotel Oberlech, war Küchenchef in Bad Kleinkirchheim, kochte in einem Haubenlokal in Villach und absolvierte die Fachakademie für Tourismus. „Im Hotel Edelweiß kam es zur verhängnisvollen Begegnung von mir und Gabi, die auf Saison in Obertauern arbeitete. Wir befanden uns von Beginn an auf derselben Wellenlänge und dürfen uns heute nicht nur über unsere zwei wunderbaren Kinder Katharina und Christian, sondern auch über viele erfolgreiche Jahre im Wirtshaus Gelter freuen.“ Gabi Gelter ist eine „geborene Hoteltochter“ vom Wörthersee und verbrachte einige Saisonen in Obertauern und Oberlech. 

Erweiterung des Gelter-Angebots

Im Winter 2015 erfüllte sich Christian Gelter einen weiteren Traum: Er machte eine Ausbildung zum Biersommelier und baute den ehemaligen Stall des Gutshauses in eine kleine Brauerei um. Derzeit sind ein helles Märzen sowie ein dunkles Bier erhältlich. Gäste können eine Brauereiführung mit Verkostung und Biersensorik-Kurse buchen. Neben dem Gelter-Bier kreierte Christian Gelter auch andere Gelter-Produkte, die in Hofläden verkauft werden. Die Erweiterung des Wirtshauses half der Familie gut durch die Pandemie. „Wir haben an drei Tagen in der Woche Abholservice angeboten und unser Bier sehr gut ab Hof und in den Außenstellen vertrieben, dazu haben wir unsere Produkte für die Hofläden ausgearbeitet und verkauft.“

 

Autor/in:
Jasmin Kreulitsch
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