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Touristen durch die Stadt begleiten - ohne Ausbildung. Soll es das geben dürfen?

Sharing Economy: Müssen Fremdenführer wirklich geprüft sein?

27.11.2018

Uns erreichte ein Brief von GuruWalk, einer international (in mehr als 60 Ländern) arbeitenden Vermittlungsagentur für Fremdenführer – lizensierte und nicht-lizensierte. Sechs ihrer Wiener nicht-lizensierten Guides haben jetzt Sanktionsandrohungen der Wirtschaftskammer Wien bekommen: Laut Gesetz dürfen nur Personen, die eine offizielle Lizenz erworben haben, als Fremdenführer tätig sein.

Dazu schreibt Maria Begue von GuruWalk: „GuruWalk kann weder überprüfen noch bestätigen, ob ihre Gurus (so werden die Fremdenführer auf der Plattform genannt) sich an die Gesetze halten. Die Einhaltung der lokalen Regeln und Gesetze obliegt der Eigenverantwortung jeder Person, die eine Tour anbietet. Dies ist bei Online-Plattformen eine gängige Praxis: Airbnb beispielsweise kontrolliert auch nicht, ob ihre Benutzer, die Eigentümer der Wohnungen, die lokal anfallenden Steuern bezahlen.“

Teure Ausbildung

In Wien ist die Ausbildung zu einem Fremdenführer durchaus aufwändig und teuer: Der Kurs dauert zwei Jahre und kostet 5000 Euro. Zudem dürfte er für Fremdenführer wie im vorliegenden Fall, die ihre Touren auf Spanisch bzw. Englisch anbieten (und übrigens zu einem Preis, den die Teilnehmer selbst bestimmen) und eher schlecht Deutsch sprechen, rein sprachlich schon eine Herausforderung darstellen. In diesen Ausbildungskursen lernt man viel über die Wiener und österreichische Geschichte und bekommt umfangreiches Wissen über alle Wiener Sehenswürdigkeiten vermittelt. Und das ist auch gut so. Jetzt bieten aber die abgemahnten Fremdenführer eher keine Touren zum Stephansdom an, sondern gehen zu Orten, die sonst nicht von Stadtführungen erkundet werden. Und werden dafür auf GuruWalk.com sehr gelobt.

Man könnte also sagen: Die offiziellen und die nicht-offiziellen Fremdenführer kommen sich eigentlich nicht ins Gehege und die Androhung der Wirtschaftskammer sieht nach gildenhafter Protektion aus – made im 19. Jahrhundert oder früher. Noch dazu eigentlich überflüssig.

Typische Fragen rund um die Sharing Economy

Allerdings treten hier wieder die typischen Probleme der Sharing Economy auf:  Warum kontrolliert eigentlich Airbnb nicht, ob ihre Anbieter Steuern und Abgaben abführen? Oder wird dazu gezwungen? Warum sollen für Guru-Fremdenführer andere Spielregeln gelten als für alle anderen Fremdenführer? Ist es nicht vernünftig, wenn jemand wenigstens ansatzweise kontrolliert, was diese Fremdenführer (alle Fremdenführer!) eigentlich den Touristen so erzählen? Besonders wenn es off the beaten path geschieht? Vielleicht werden da üble Verschwörungstheorien verbreitet? Oder gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen gehetzt? Oder es wird einfach Quatsch erzählt – und die vom charmanten Touristguide bezauberten spanischen oder australischen Gäste können das gar nicht beurteilen – glauben es aber. Dazu würde vermutlich auch nicht viel in den Kommentaren bei GuruWalk auftauchen. Ohne dass wir hier den sympathischen Guru-Guides irgendetwas unterstellen wollen. Sie dienen nur als mögliches Beispiel.

Tut eine Professionalisierung der Branche also nicht doch gut? Das Gleiche gilt übrigens auch für die Personenbeförderung und vieles andere, was da so über Sharing Plattformen angeboten wird.

Nötige Professionalisierung

Diese Kontrolle bzw. Professionalisierung ist eine der Kernaufgaben der Wirtschaftskammer. Und diese Kernaufgabe nimmt sie im Fall von Stadtführungen und GuruWalk wahr. Dennoch erlauben wir uns die Frage zu stellen, ob man die ganze Lizensierung vielleicht weniger aufwändig und kostenintensiv machen könnte und sollte. Ob man nicht in Zeiten der Sharing Economy die Rahmenregeln anpassen muss. Denn die Sharing Economy ist eine Tatsache, bringt viel Belebung und Vorteile für alle Beteiligten. Darauf einfach nur mit Abmahnungen und Verboten zu reagieren, ist vielleicht doch ein wenig zu kurz gedacht.

Die Wiener Taxi-Innung denkt darüber bereits intensiv nach. Die Hotelbranche diskutiert schon länger die Herausforderungen online vermittelter Privatvermieter und hat bereits viel von Airbnb und Co gelernt. Car2go oder Drive Now funktionieren sehr gut und stellen für viele Stadtbewohner eine echte Alternative da – über die sich die Autohersteller und -verkäufer eher weniger freuen. So what? Das ist der Fortschritt – dem kann man sich auf Dauer nicht in den Weg stellen. Man kann nur die richtigen Rahmenbedingungen setzen. Für alle. Das kann man aber nicht von den Anbietern erwarten – das ist Aufgabe der Behörden und Gesetzgeber. Keine einfache Aufgabe.

Was ist GuruWalk genau: Hier gehts zur Website!

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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