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Sharing II: Im Chelsea-Hotel

19.04.2017

Was einem wiederfahren kann, wenn man in Manhattan eine Wohnung über Airbnb mietet und mit Anschluss an Einheimische rechnet.

Die New Yorker seien ganz cool, liberal und weltmännisch, erzählt mir meine Vermieterin. Chelsea entschuldigt sich bei mir quasi für ihren neuen Präsidenten und auch für jene Mitbürger, die ihn wählten. Klar, wegen der hippen New Yorker bin ich auch hier und habe beschlossen, nicht im Hotel abzusteigen, sondern die kommenden Tage in Chelseas Bude im super­angesagten Manhattaner Stadtteil Hell’s Kitchen zu verbringen. Ich buchte über Airbnb, um etwas vom hellen Leben unten auf den Straßen und in den Bars des queeren Viertels mitzubekommen. Ich wollte mir Tipps geben lassen, vielleicht mit meiner Vermieterin auf ein Bier gehen. Genau das erwarte ich mir, wenn ich auf AirBnb ein Zimmer (plus eine Couch für meinen mitreisenden Kollegen) buche. Das ist der Ursprung, ja der Sinn von Sharing Economy. 

Kommerzielle Interessen - und sonst nichts

Kurz nach der Schlüsselübergabe war Chelsea aber schon dahin. Die angesprochenen Tipps für Lokale fände ich auf ihrer Profilseite der Airbnb-App, gibt sie mir noch zum Abschluss mit. In den knappen Minuten davor erzählte sie, dass sie über die Einkünfte (sie vermietet ihre Wohnung beinahe täglich) ihr Studium finanziere, natürlich schwarz, wie sie zugab. Seitdem wohne sie bei ihrem Freund. Seit Trump bekäme sie um 38 Prozent weniger internationale Anfragen, behauptet sie (offiziell gingen die Buchungen um sechs Prozent zurück). Ich habe kein Mitleid. Denn meine New-York-Erfahrung veranschaulichte mir, wie der an sich gute Gedanke hinter Airbnb gnadenlos verkommerzialisiert wurde. Letztlich hätte ich um den Preis auch in einem Bed&Breakfast oder einem halbwegs guten Hotel unterkommen können. Dort würden von meinem Geld auch Angestellte und Steuern bezahlt.

Zum gleichen Thema: www.gast.at/gast/sharing-und-die-folgen-143303

Autor/in:
Daniel Nutz
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