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Die Mitarbeiter des Housekeeping sind unsichtbare Engel. Ohne sie geht gar nichts. Machen wir Ihnen das Leben einfacher!

Sieben Tipps zum Housekeeping

29.08.2017

Putzen kann jeder? Falsch! Bei der Reinigung im Hotel kann viel schiefgehen. Wer das Thema ernst nimmt, spart erheblich Kosten. Die ÖGZ hat bei Expertin Andrea Pfleger nachgefragt, worauf unbedingt zu achten ist.

Zur Person

Andrea Pfleger widmet sich seit mehr als 20 Jahren als Beraterin und Trainerin dem Thema der Reinigung. Mit „Housekeeping-Management im Hotel“ schuf sie ein Standardwerk, das nun gänzlich im neuen Kleid mit dem Titel „Bitte reinigen – aber richtig“, erschienen im Trauner-Verlag, als Grundlagenwerk der Reinigung bezeichnet werden kann.  

Mitarbeiter schulen 
Jeder kennt den Spruch „Putzen kann jeder“ – er ist in der Objektreinigung aber schlichtweg falsch. Schließlich geht es um Arbeitsabläufe, die eine absolute Systematik in der Arbeitsausführung benötigen. Zeitdruck, Materialvielfalt und die unterschiedlichen Bedürfnisse der Gäste erfordern ein zielgerichtetes Agieren im Alltag. Das Multikulti-Team fordert die Abteilungsleitung besonders in der Einschulungsphase, da fehlende oder nicht ausreichende Sprachkenntnisse zu Missverständnissen führen können. Fehlinformationen können zu Materialschäden oder zu einer Verärgerung von Gästen führen. Tipp: Klar strukturierte Einschulungspläne tragen dazu bei, dass Standards in den Reinigungsabläufen greifen. Die Kontrolle der geschulten Abläufe ist von großer Bedeutung, da sich sonst die Prozesse verselbstständigen und jeder Mitarbeiter sein eigenes Ding macht. Leben Sie vor, zeigen Sie, wie es geht!

Auf Farbsystematik achten 
Zeigen Sie Ihren Gästen gegenüber Flagge. Wer professionell mit dem Thema Reinigung und Hygiene umgeht, soll das unbedingt sichtbar machen. Ein Fehler, der oftmals passiert: Die Farbsystematik in der Verwendung von Reinigungstüchern, Schwämmen und Co wird nicht eingehalten. Doch Vorsicht! Die Gäste kennen sich vielfach damit aus. Und was macht es für einen Eindruck, wenn die Fenster in der Lobby mit den (für den Toilettenbereich vorgesehenen) rosa Tüchern geputzt werden? Das Farbsystem gibt Sicherheit! Nur so kann vermieden werden, dass mögliche Krankheitserreger von Zimmer zu Zimmer oder von Raum zu Raum verschleppt werden. Tipp: Professionalität sollte sich nach außen auch im Arbeitswerkzeug zeigen. Investieren Sie hier entsprechend. Wenn ein Senfkübel in einem Vier-Sterne-Haus zur Reinigung eingesetzt wird, macht das keinen guten Eindruck. 

Mitdenken bei der Planung und Raumgestaltung 
Arbeitszeitersparnis und die Optimierung von Reinigungsabläufen stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Ausstattung und Einrichtung von Räumen. Bestimmte Materialien oder die Verarbeitungen von Oberflächen können nach Um- oder in Neubauten zu einer wesentlichen Erhöhung des erforderlichen Arbeitszeitvolumens in der Reinigung führen. Hierüber sollten sich Unternehmer, Architekten und Raumausstatter im Klaren sein. Ziel ist es, bereits bei der Planung die Reinigung mitzudenken. Große Fehler in der Planung passieren durch die fehlende Beachtung von installationstechnischen Anforderungen. Hier geht es um simple Wasseranschlüsse, Wasserentnahmestellen, Abflüsse oder Offices, die eine Aufbewahrung der erforderlichen Arbeits- und Betriebsmittel ermöglichen und somit riesige Zeiteinsparungspotenziale in der täglichen Arbeitsausführung darstellen. Design und Reinigungsfreundlichkeit schließen sich nicht gegenseitig aus. Tipp: Klarheit über die Anforderungen der Reinigungsabteilung – um eine Top-Leistung erbringen zu können – und die sorgsame Auswahl der richtigen Materialien sparen Arbeitszeit, schaffen Qualität in der Reinigungsleistung und sparen letztlich Kosten. 

Langlebige Materialien
Bei nur rund fünf Prozent liegt der Chemie-und Betriebsmittelanteil im Budget der Reinigungsabteilung. Expertin Andrea Pfleger dazu: Vom Reinigungsergebnis her, kann man durchaus auf Produkte mit Umweltzeichen setzen. Größere Effekte im Sinne der Nachhaltigkeit lassen sich bei der Auswahl von langlebigen Möbeln und Baumaterialien erzielen. Viele Hoteliers klagen darüber, dass erneuerte Hotelzimmereinrichtungen nach fünf Jahren der Gästenutzung schlimmer aussehen als die guten – leider mittlerweile altmodischen oder in die Jahre gekommenen – alten Möbel. In diesem Bereich ist der Hotelier gefordert, neue Wege in der Anschaffung zu gehen. Ein schwieriges Unterfangen: Denn Materialqualität kann nur in der Praxis auf Herz und Nieren getestet werden. Musterzimmer zeigen, wie sich Planungen und Materialien wirklich im Tagesgeschäft bewähren. Nur so können die Gäste und die Mitarbeiter Feedback geben. Ein Beispiel: Marmor im Gästebad oder in den Wellnessbereichen kann Probleme verursachen. Falsch eingesetzte Reiniger, ein durch den Gast verschüttetes Parfum oder Erbrochenes und Urin können auf diesem Material nämlich irreversible Verfleckungen verursachen. Tipp: Der optimale Materialeinsatz führt über die Verwendungsdauer zu einer erheblichen Kostenersparnis.     
 
Wellness und Spa
Der Wellnessbereich ist über die Bäderhygieneverordnung in Österreich klar in der Reinigungs- und Desinfektionsausführung definiert. Auch bei der Ausstattung und Einrichtung von Wellnessbereichen gibt die Verordnung bereits klare Anforderungen zu den erforderlichen Eigenschaften von verbauten und verarbeiteten Materialien. So weit, so einheitlich. Eine Herausforderung stellt das Thema der Desinfektion dar, da es hier viel zu wenig Fachwissen in der Branche gibt. In vielen Häusern wird schlichtweg falsch desinfiziert. Das bedeutet: vergeudete Arbeitszeit mit null Ergebnis. Im Gegenteil: Die Gefahr von möglichen Erkrankungen bei Gästen – besonders in Kinderhotels – steigt. Jeder Gast möchte davon ausgehen, dass er sich in der Dusche im Wellnessbereich keinen Fußpilz holt, oder? Hier gilt das Motto: Gut gemeint und schlecht getroffen. Würde man der Reinigung in der Qualität und fachlich richtigen Ausführung mehr Augenmerk schenken, wäre der kleine Bereich der wirklich erforderlichen Desinfektionstätigkeiten kein Drama mehr. Tipp: Machen Sie Hygiene zu einem Prio-ritäten-Thema. Hier darf sich niemand Negativerlebnisse leisten. 

Zimmer
Die Bäderhygieneverordnung im Wellnessbereich kann mit der HACCP-Verordnung in der Küche vom Ansatz her verglichen werden. Für die Hotelzimmer gibt es jedoch keine gesetzliche Verpflichtung oder klare Definition der auszuführenden Reinigungs- oder Desinfektionstätigkeiten. Jeder Gast bucht ein und erwartet Sauberkeit, Hygiene und Wohlfühlen. Es obliegt also den Hoteliers, hier individuelle Standards zu setzen. So schafft man auch ein USP gegenüber dem Gast. Tipp: Nehmen Sie das Thema Hygiene am Zimmer ebenso ernst wie im Wellnessbereich oder in der Küche. 

Wäsche
Oft nicht berücksichtigt, aber in der Wahrnehmung der Gäste sehr relevant ist das Thema Wäsche. Individualität wird vom Gast honoriert. Eigene Bettwäsche mit Hotellabel oder sonstiges individualisiertes Design bringt Bonuspunkte. Auch die Qualität der Bettware – wie Decken und Kissen – wird genauer unter die Lupe genommen. Hier trennt sich am Markt die Spreu vom Weizen. Der Trend zur „Allergikerware“ ist schon seit einigen Jahren wieder rückläufig. Wohlbehagen in Naturfasern oder in Federn und Daunen wird dem Gast immer öfter kommuniziert und auch bei Buchungen vom Gast nachgefragt. Schwierig gestaltet sich auch hier die Wahl der richtigen Qualität. Die Vielfalt und Unwissenheit macht manchmal schon eine Ausschreibung zur wahren Odyssee. Maschinenpark, Waschchemie und die Qualität des Textils – gepaart mit den daraus resultierenden Wascheigenschaften – bilden die Basis für Nachhaltigkeit im Wäscheeinkauf. Gut geschultes Personal sichert die Haltbarkeit und vermeidet Anwendungsfehler in der Wäschepflege. Tipp: Beim Kauf von Textilien sollte ein „Rückstellmuster“ zur Verfügung stehen. Nur so kann der Qualitätsverlust nach einer definierten Zeit der Nutzung und des Waschens festgestellt werden. 

Wir verlosen 4 Exemplare des nagelneuen Fachbuchs „Bitte reinigen – aber richtig!“, erschienen im Trauner Verlag - Gastronomie, TRAUNER Verlag - Bildung

Autor/in:
Daniel Nutz
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