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So geht Augmented Reality

Mit einer neuen App setzt die Wiener Albertina beim Thema Augmented Reality (AR) neue Maßstäbe. Auch für kleinere Museen ist AR ein Thema.

Die Mittelmeerlandschaft, welche Pablo Picasso 1952 auf die Leinwand brachte, erwacht zum Leben. Ein Schiff fährt durchs Bild. Dann erscheint der zu Lebzeiten als Frauen-held bekannte Künstler. „Meine Frau verlässt einen Maler wie mich!“, echauffiert er sich. Diese Szenerie ist am Smartphone von Klaus Albrecht Schröder zu sehen. Augmented Reality! Der Direktor der Wiener Albertina steht vor dem Werk und grinst. Sein Handy erzählt eine Geschichte zum Gemälde. „Eine Einstiegsdroge in die Kunst“, sagt Schröder. Klappt prächtig. Die Albertina ist das erste Museum, das mit der sogenannten Artivive-App Bilder mittels unterlegten Filmen zum Leben erweckt. Das Prinzip ist recht simpel. Es werden Videos produziert, die dann ablaufen, wenn die Kamera des Smartphones ein Bild im Museum fokussiert. Auch Ton läuft dazu ab. 

Ersatz für den Audioguide

Vorerst bietet man die Dauerausstellung „Monet bis Picasso“ der Sammlung Batliner mit der neuen Technologie an. 13 Werke wurden dafür mit multimedialen Inhalten versehen. Die Besucher verwenden dabei ihr eigenes Smartphone. Nach dem Motto: Bring your own device! Einfach und kostenlos, für den Besucher. Für das Museum steckt natürlich ein gewisser Produktionsaufwand dahinter. Damit statische Bilder auf einer digitalen Ebene zum Leben erweckt werden können, bedarf es eines eigens produzierten Films. VR-Angebote werden in Kunstmuseen über kurz oder lang den Audio-Guide ersetzen. Dass die Albertina als eines der Top-Häuser des Landes hier eine Vorreiterrolle einnimmt, ist nicht überraschend. Doch ist diese Anwendung auch für kleinere Museen interessant?

„Auf alle Fälle“, sagt Sergiu Ardelean. Er hat gemeinsam mit Codin Popescu 2017 das Start-up Artivive gegründet und versucht nun von Wien aus die Museumswelt zu erobern. Demnach könne man für kleinere Projekte weniger aufwendige Videos auch recht kostengünstig herstellen. Wichtig ist den beiden Unternehmern, dass sie bei ihrem Angebot beim Thema Kunst bleiben. „Wir haben uns hier ein Know-how aufgebaut“, sagt Ardelean im Gespräch mit der ÖGZ. Artivive versucht derzeit übrigens auch, gezielt Künstler anzusprechen. 

Zurück zum Direktor der Albertina. Er selbst sei alles andere als ein Digitalnerd, ließe sein Handy auch mal einen Tag liegen, erzählt Schröder. Für die Kunstvermittlung seien diese Projekte aber immens wichtig. Sie holen Menschen ins Museum, die sonst nicht kommen würden, erklärt er. Dann zieht er sein Handy und hält es auf Monets Seerosenteich. Im Nu verwandelt sich das Gemalte in einen real gefilmten Teich. Die Geschichte des Bildes wird als Audio dazu serviert. Ein Blick in die Zukunft der Museumswelt.


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