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So könnte der Winter doch noch klappen

08.10.2020

Die Sorgenfalten aller Touristiker werden täglich tiefer. Aber noch ist nicht alles verloren. Es gibt genug gute Ideen, wie es trotz „stabil hoher“ Infektionszahlen mit einem Wintertourismus klappen könnte – auch wenn der heuer etwas anders aussehen wird.

Aktuell bestehen Reisewarnung aus wichtigen Herkunftsmärkten für Vorarlberg, Tirol, Wien und je nach Land auch andere österreichische Regionen. Aber einige Warnungen wurden auch schon zurückgenommen (Kleinwalsertal u. a.).

Andererseits drohen neue Quarantäneregeln in Deutschland, dort ist von verpflichtenden fünf Tagen die Rede ab Mitte Oktober. Diese Quarantäne kann erst danach mit einem negativen Test beendet werden. Das Tiroler Skigebiet Axamer Lizum hat bereits angekündigt, heuer gar nicht aufzusperren. In Wien wird von einem Lockdown noch im Oktober gemunkelt, der auch für ganz Österreich zumindest lokal gelten könnte. Letzteres in der Hoffnung, so die Zahlen rechtzeitig zum Saisonauftakt auf ein Maß zu reduzieren, der Reisewarnungen überflüssig machen könnte. Rund um Österreich steigen aber die Infektionszahlen seit Anfang Oktober beängstigend. Das Virus und seine Folgen sind leider unberechenbar.

Was feststeht

Um einen sicheren Wintertourismus zu gewährleisten, muss die Komplexität des Covid-19-Managements reduziert, transparent kommuniziert, einheitlich gehandelt, die Kompromissbereitschaft gefördert und attraktiv gehandelt werden. Das zeigen die ersten Zwischenergebnisse des Forschungsprojekts „Covid-19 – Risikomanagement Wintersaison 2020/2021“ des Centers for Social and Health Innovation (CSHI) am MCI. Dabei sei zu beachten, dass die nächsten Wochen entscheidend dafür sein werden, wie gut sich Länder, Gemeinden und Tourismus in der verbleibenden Zeit bis zum Start der Wintersaison vorbereiten. „Die notwendigen Sicherheitsabstände und Verhaltensweisen gilt es zu organisieren und nach Möglichkeit mit einem Qualitätsgewinn für alle Beteiligten zu verbinden. Aber damit hier alle an einem Strang ziehen, gibt es noch einiges zu tun“, sagt Siegfried Walch, Leiter des MCI-Department Nonprofit-, Sozial- und Gesundheitsmanagement.  

Entscheidend in der aktuellen Pandemie ist „ein von allen getragenes Risikomanagement für den Wintertourismus hilft uns auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen wie dem Gesundheitswesen, den Schulen usw.“ ­– das nach Ansicht der Studienautoren gleichzeitig noch ausbaufähig sei. Folgende Punkte sind dabei zentral: 

1. Keep it simple
Wir wissen heute gut Bescheid über die betreffenden Umstände eines Infektionsgeschehens. Es muss nicht alles zum Gegenstand akribischer Kontrollen werden. Es gilt kritische Punkte, Kontexte und Situationen zu identifizieren und für diese wenigen, aber entscheidenden Hotspots einfache, aber wirksame Konzepte anzuwenden. Mit den Regeln für die Gastronomie hat die Bundesregierung hier einen ersten Schritt gesetzt. 

2. Transparent ­kommunizieren
Viele Akteure warten auf gesetzliche Vorgaben und klammern eine proaktive Vorgehensweise auf lokaler Ebene häufig aus. In diesem Zusammenhang wird in der Umfrage des CSHI ein Defizit an Vernetzung der Tourismusakteure benannt und die fehlende Regelung von Verantwortlichkeiten zwischen regionalen und überregionalen Akteuren kritisiert. Das Motto für die nächsten Wochen muss lauten: „Wir agieren proaktiv und vorausschauend in unserem jeweiligen Verantwortungsbereich und warten nicht, bis jedes Detail durch flankierende Maßnahmen der Länder oder der Bundesregierung geregelt ist, freuen uns aber über jede abgestimmte Regelung, die Sicherheit für die Wintersaison bringt.“

3. Einheitlich handeln
Besonders große und mittlere Skigebiete treiben die Vorbereitungen von Maßnahmen für den Wintertourismus voran. Die Erhebung des CSHI zeigt, dass dies aber nicht für alle gleichermaßen möglich ist bzw. angestrebt wird. Zugleich stecken viele Akteure viel Aufwand in Parallelaktivitäten. Hier bleibt Potenzial für Synergien in Bezug auf Ressourcen und Wissen noch ungenutzt.spielsweise könnten viele regionale Investitionen in das Contact-Tracing gebündelt werden, wenn damit die flächendeckende Verankerung der Stopp-Corona-App unterstützt würde. „Die schnelle Rückverfolgung von Kontakten ist eine der Herausforderungen, die es im Winter zu bewältigen gilt, um das Infektionsgeschehen möglichst niedrig zu halten. Deshalb ist eine einfache, aber effektive Registrierung erforderlich“, fasst Hubert Siller, Leiter MCI Tourismus, die Situation zusammen.

4. Kompromissbereitschaft fördern
Es braucht die Etablierung einer glaubwürdig untermauerten Botschaft: „Sicheres Tirol, sicheres Vorarlberg, sichere Wintersaison. Die Gesundheit der Einheimischen, der Mitarbeiter/-innen und der Gäste steht bei uns an erster Stelle.“ Die Konkurrenz sitzt dieses Jahr nicht im Nachbartal, die Konkurrenten sind das Virus, die Reisewarnung, der Lockdown. Sicherheit ist dort gegeben, wo Verdichtungen vermieden bzw. systematische Auflockerungen von Gruppen vorgenommen werden. Die Ergebnisse des CSHI zeigen allerdings, dass die Bereitschaft zur Reduktion von Auslastungen bisher nicht zur Debatte stand.

5. Attraktivität erhalten
Die aktuelle Situation beinhaltet das Potenzial, einen Kulturwechsel im Wintertourismus anzustoßen. Nicht alle Maßnahmen müssen der Minimierung von Infektionsgeschehen zugeordnet werden, sondern können darüber hinaus einen neuen Servicegedanken etablieren und langfristig die Qualität der Angebote im Wintertourismus erhöhen. (Stichworte: Kein Gedränge beim Anstehen, kein Warten auf Tickets, da vorab Onlinebuchung möglich, virtuelles Anstehen, geregeltes Frequenz- und Platzmanagement in Gondeln und Skihütten.) Darüber hinaus gilt es die Zusammenarbeit mit anderen gesellschaftlichen Bereichen wie dem Gesundheitswesen, den Schulen usw. im Auge zu behalten. Das Risikomanagement im Winter gilt für alle Lebensbereiche. 

6. Ausblick auf die zweite Projektphase
Diese Zwischenergebnisse werden nun zu einem Handlungsmodell für die Wintersaison zusammengeführt, das wiederum an alle Gemeinden, Tourismusverbände und Seilbahnunternehmen in Tirol und Vorarlberg gesendet wird. Gleichzeitig sind in der zweiten Phase auch alle Betriebe eingeladen, an der Befragung zum Handlungsmodell teilzunehmen. 

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