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Sorgenkind Juliloch

28.04.2004

Im vergangenen Jahr konnte man sich im Juli auch in den traditionsreichen Tourismushochburgen die freien Zimmer fast nach Belieben aussuchen. Doch gegen das Minus gibt es effektive Strategien.

Im vergangenen Juli erlebten viele Touristiker ihr blaues Wunder: Trotz Sonne und Hitze blieben in Österreich die Urlauber aus.
Die Fakten der ersten Wochen der Sommer-Hochsaison 2003 waren in der Tat besorgniserregend:
– Trotz mehr Schönwettertagen sind die Nächtigungen österreichweit um 1 Million gesunken (–6,5 Prozent).
– Vor allem die Deutschen blieben aus (–18,6 Prozent).
– Die drei nächtigungsstärksten Bundesländer Tirol, Kärnten und Salzburg verloren 800.000 Nächtigungen (–8,1 Prozent) – insbesondere am deutschen Markt (–20,9 Prozent).

Aber nicht erst der Juli 2003 entwickelt sich zu einem Sorgenkind der Branche: In den letzten acht Jahren sind die Nächtigungen im Juli österreichweit um 20 Prozent gesunken.
Abgesehen von den speziellen Rahmenbedingungen des Juli 2003 (deutsche Ferienordnung, ungünstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen, usw.) ist zu beobachten, dass der Juli vermarktungstechnisch noch weitgehend als Hochsaison-Monat behandelt wird.
„Die Cleveren der Branche sind heuer zwar alarmiert und haben auf das Vorjahresminus reagiert und speziell mit Direct-Mails versucht, potentielle Gäste für den Juli zu werben, insgesamt befürchte ich aber auch für heuer wieder zahlreiche leere Betten im Juli“, erklärt der Villacher Tourismusberater Manfred Kohl.

In den einzelnen Bundesländern hat man allerdings darauf regiert und die Werbemaßnahmen intensiviert. „Letztes Jahr konnten wir nur kurzfristig reagieren, heuer haben wir die Bewerbung des Bergsommers in Tirol schon sehr früh und intensiv gestartet“, erklärt etwa Fabienne Edenhauser von der Tirol Werbung. „Auch beim Sport Sponsoring sind wir neuerdings präsent, und es wurden tausende Direct Mails verschickt.“ Für Prognosen, wie sich die deutsche Ferienordnung, über die man auch nicht erfreut sei,
auswirken werde, sei es allerdings noch zu früh.

Auf intensivierte Marketingmaßnahmen speziell für Gäste ohne Kinder, die weniger von der aktuellen Ferienordnung abhängig sind, setzt man in Oberösterreich. „Unsere Schwerpunktthemen sind Wellness, Radfahren, Golf, Wandern und Kultur. Also Themen, die sich auch ideal zur Saisonentzerrung eignen“, so Elisabeth Kierner vom Oberösterreich Tourismus. Allerdings verfüge man in Oberösterreich mit einem Inländer-Gästeanteil von 58 Prozent auch über ein recht gutes Gegengewicht zum deutschen Markt.

Und in Kärnten hat man ein Gratis-Ferienpaket geschnürt, das alle Gäste bekommen, die zwischen 19. Juni und 11. Juli anreisen, und das eine 10-Tages-Autobahnvignette, die Rückvergütung der Maut von Tauernautobahn oder Felbertauerntunnel, Eintrittskarten für die Kärntner Landesausstellung und ein „wasserreiches“ Reisepaket inkludiert. „Außerdem“, so Kärnten Werbung-Chef Werner Bilgram, „haben wir an die Betriebe appelliert, mit Anfang Juli noch keine Hochsaisonpreise zu verlangen.“ Ziel müsse es sein, vor allem Gäste ohne schulpflichtige Kinder anzusprechen.

Die Tourismusberatungs-Agentur Kohl & Partner hat aus den Lehren des letztjährigen Sommers sieben Marketing-Tipps zusammengestellt:
Juli-Tipp Nr. 1:
Hinterfragen Sie Ihre Saison-Staffelung – auch wenn der Juli seit Jahrzehnten als Hochsaison-Monat galt, hat spätestens die geänderte deutsche Ferienordnung ein Umdenken in der heimischen Hotellerie ausgelöst. Machen Sie die Zeit, in der keine Schulferien sind, zur Zwischensaison und gewinnen Sie mit attraktiveren Preisen Gäste, die nicht auf klassische Ferienzeiten angewiesen sind. Und gegengleich die Hochsaison nach hinten ausdehnen.
Juli-Tipp Nr. 2:
Geben Sie – nach dem Vorbild von Reiseveranstaltern – Frühbucher-Boni für Buchungen im Juli. Diese Boni müssen keine Preisnachlässe sein, sondern Leistungen, die für den Gast einen „added value“ darstellen – z. B. Early Check-In und Late Check-Out, eine Aromatherapie-Massage, eine zusätzliche Nacht, etc.
Juli-Tipp Nr. 3:
Legen Sie spezielle Angebote für spezifische Kundensegmente in den Juli – z. B. Stammgast-Wochen mit besonderer Betreuung durch Ihr Team, Astrologie-Wochen, Lauf-Trainingswochen mit einem bekannten Sportler.
Juli-Tipp Nr. 4:
Kooperieren Sie mit Firmen, die zu Ihrem Hotel passen. Geben Sie z. B. einem speziellen Reiseveranstalter Fixkontingente für den Monat Juli, um eine bestimmte Basis-Auslastung garantiert zu haben, die Ihre Fixkosten abdeckt. Oder geben Sie Mitarbeitern eines großen Konzerns für einen bestimmten Zeitraum vergünstigte Konditionen (–10 Prozent erhält auch ein Reisebüro) oder „added values“. Und wie wäre es mit Kollegen, die Ihren Betrieb zu einem Kollegen-Preis besuchen? Oder einer Kooperation mit einer Sportfirma, die im Juli Fitchecks und Probetrainings bei Ihnen abhält? Je nach Betriebstyp – passende Kooperationspartner sind offen für spezielle Angebote!
Juli-Tipp Nr. 5:
Machen Sie durch spezielles Marketing jene Nebenmärkte, die Sie bereits haben (z. B. Frankreich, Schweiz, Ostmärkte etc.) zu Hauptmärkten – und zwar in Zeiten, in denen Sie Buchungen brauchen. Abzuraten ist jedoch von der Bearbeitung total neuer Märkte – diese brauchen drei bis fünf Jahre, um die notwendigen Buchungen zu lukrieren.
Juli-Tipp Nr. 6:
Bleiben Sie ruhig und bekommen Sie keine Preispanik! Nicht nur das Marketing-Instrument „Preis“ kann Ihnen Buchungen bringen – den Preis nur aufgrund zu geringer Buchungen immer wieder zu senken, kann keine Lösung sein. Buchungen werden immer kurzfristiger und oft ergeben sich während des Monats Buchungs-Pick-Ups von bis zu 30% – „last minute“-Marketing und ein spezielles Preis-Angebot können auch noch sehr kurzfristig eingesetzt werden.
Juli-Tipp Nr. 7:
Bearbeiten Sie auch „ältere“ Adressen wieder: Alle, die Ihr Hotel schon kennen, kommen als potentielle Kunden eher in Frage, als jene, die Sie neu zu gewinnen versuchen. Schicken Sie ein spezielles Juli-Angebot an all jene Kunden, die in den letzten fünf Jahren nicht bei Ihnen waren.

Infos: Kohl & Partner Tourismusberatung GmbH, Bahnhofstraße 8, 9500 Villach, Tel.: 0 42 42/211 23, Internet: www.kohl.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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