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Sparen mit Mehrwert

25.04.2019

Intelligentes Energiemanagement in der Hotellerie ist ein Gebot der Stunde. Es geht nicht nur um einen Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch um langfristige Kostenreduktionen. Die ÖGZ zeigt, was sie tun können.
 

1984 wurde der Schlossherr von Thannegg für seine Ideen noch als Spinner belächelt, heute gilt er als Öko-Pionier.

Ernst Walter Schrempf ist überzeugt, dass 2019 ein Schicksalsjahr für die Welt sein wird, das er „mit kleinen Nadelstichen“ mitgestalten kann. „Vorigen Freitag haben meine Frau Gerlinde und ich als ,Aktivisten‘ bei der fridaysforfuture-Demo in München teilgenommen.“ Das Engagement der Jugend ist für den Gröbminger Hotelier eine Bestätigung seiner jahrzehntelangen Bemühungen um Klima- und Umweltschutz. „1984 wurde ich für meine Ideen noch als Spinner belächelt“, sagt der Schlossherr von Thannegg. Heute wird er als Visionär und anerkannter Klima-Fachmann von Politik und Institutionen zu Vorträgen und Beratungsdiensten eingeladen. Schrempf war auch Berater beim aktuellen Masterplan T des Ministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus.
Das Öko-Schlosshotel Thannegg ist durch Einsatz von alternativer Energie nahezu komplett unabhängig von fossilen Brennstoffen. „Durch innovative Technik konnte unser Energieverbrauch drastisch gesenkt werden. Als Energiequellen nutzen wir eine 90-kW-Grundwasserwärmepumpe, ein 5-kW- Kleinstwasserkraftwerk und zwei PV-Anlagen mit 6,5 kW und 7 kW. Der Energieverbrauch kann durch diese Maßnahmen um 80 % unter jenem gehalten werden, der für vergleichbare Tourismusbetriebe zu erwarten wäre. 
Die Familie Schrempf zeigt, dass erfolgreiches Unternehmertum und nachhaltiges Wirtschaften kein Widerspruch sind. Das Umweltkonzept des Öko-Schlosses diente als Forschungsprojekt einer japanischen Universität. Um die für Schrempf verbindlichen Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen, plant er 2020 die Zahl der Überseegäste auf null zu reduzieren. 

Smarte Lösungen

Johann Weiß verfolgt ebenfalls seit 20 Jahren das Ziel, seine Steinschaler Hotels im Dirndltal energieeffizienter zu führen. „Wir sparen mit unserer Photovoltaik-Anlage und der LED-Beleuchtung pro Jahr 4.000 Euro Energiekosten ein. Die Wände im Altbau sind mittlerweile gedämmt und wir arbeiten daran, alle Wärmebrücken im Haus wegzubekommen“, sagt der Hotelier. Die Heizung der Natur- und Kräuterhotels wird smart gesteuert und läuft zu 80 Prozent über die Fußbodenheizung. „Zusätzlich zu den baulichen Maßnahmen ist es auch notwendig, laufend Personalschulungen durchzuführen“, empfiehlt Weiß. 
In den Kärntner Nockbergen gilt das Hotel Trattlerhof in Bad Kleinkirchheim als Umweltpionier. Die effiziente Nutzung von Wasser und Energie sowie der Einsatz erneuerbarer Energie werden im Trattlerhof großgeschrieben, unterstreicht Hoteldirektor Jakob Forstnig. So gehört zum Hotel ein eigenes E-Werk, das mit 100 Prozent Wasserkraft Elektrizität erzeugt, wodurch das Hotel Strom-Energie-autark ist. Der gesamte Betrieb wurde schon im Mai 2014 auf Biowärme umgestellt. 
Neben diesen drei Hotels haben auch viele andere Unternehmen in Österreich bereits vorbildliche, nachahmungswürdige Energieeffizienzmaßnahmen umgesetzt. Weitere Good-Practice-Beispiele werden ab 7. Mai 2019 auf www.klimaaktiv.at abrufbar sein. 

Maßnahmen zur Energieeffizienz

Als erster Schritt auf dem Weg zu einem energieeffizienteren Betrieb ist eine eingehende Vor-Ort-Beratung empfehlenswert. Diese wird beispielsweise von den Energieberatungsstellen der Länder gefördert angeboten und ist die Basis für zukünftige Sanierungs- und Energieeffizienzmaßnahmen. „Den Betrieben stehen unzählige Möglichkeiten zur Verfügung – von der Dämmung der Gebäudehülle oder dem Fenstertausch, dem Tausch der Heizungsanlage bis hin zur Abwärmenutzung aus beispielsweise dem Wellnessbereich, der Küche oder Klimatisierungsanlagen, Überprüfung und Neujustierung der Regelungen der haustechnischen Anlagen, energieeffiziente Geräte in der Küche, hauseigenen Wäscherei, in den Gästezimmern oder im Büro, Umstellung der Beleuchtung auf LED, Installation von wassersparenden Armaturen, Überprüfung der Betriebszeiten von Wellnessanlagen, Einsatz von energieeffizienten Umwälzpumpen, Verwendung pflegeleichter Textilien, Umsetzung von sanfter Mobilität, regelmäßige Energieverbrauchskontrolle und vieles mehr“, sagt Nicole Hartl, Senior Expert Buildings in der Österreichischen Energieagentur. 
Im Rahmen der UFI (Umweltförderung im Inland) können Betriebe für unterschiedlichste Maßnahmen nicht rückzahlbare Investitionskostenzuschüsse von bis zu 30 Prozent erhalten. Für kleinere Maßnahmen bis hin zu großen, umfangreichen Maßnahmen können Zuschüsse beantragt werden. Die einzelnen Bundesländer bieten Zuschüsse zur gewährten UFI-Förderung an. „Wir empfehlen Betrieben immer, sich vor der Umsetzung von Maßnahmen über mögliche Förderzuschüsse zu informieren, da die meisten Förderungen VOR der Umsetzung beantragt werden müssen, andere können nach der Umsetzung beantragt werden“, so Hartl. 
Monika Auer, Generalsekretärin der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik ÖGUT, weiß aus Erfahrung, dass große Effizienzgewinne in Hotels zu holen sind, wenn „veraltete Öl- und Gasheizungen am Ende ihrer Lebenszeit angelangt sind. Idealerweise steigt man heute im Lichte der Klima-krise nicht mehr auf effizientere fossile Heizungsanlagen um, sondern auf erneuerbare Energieträger“. Ein weiteres großes Potenzial liege beim Warmwasser. Je effizienter man dieses einsetzt und je mehr man aus dem Abwasser von der zuvor eingesetzten Wärme zurückgewinnt, umso besser. „Förderbar sind der Umstieg auf erneuerbare Heizsysteme und die Wärmerückgewinnung aus Abwässern, aber auch der Einsatz von Effizienztechnologien, zum Beispiel energieeffiziente Kühl- und Gefriergeräte, Beleuchtungssysteme oder im Bereich Klimatisierung und Kühlung“, so Auer. 

Autor/in:
ute.fuith
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