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Auf die Inszenierung kommt es an: Beim Fotografieren von Speisen gelten eigene Gesetze.

Speise-Fotos: Bilder zum ­Anbeißen

11.04.2017

Ob man will oder nicht, der Auftritt in sozialen Medien gehört heute zum Wirte-Alltag. Wie aber setzt man Gerichte profimäßig in Szene für Facebook und Co?

 

Den ersten Dämpfer gibt Markus „Grilly“ Grillenberger gleich zu Beginn seines Foto-Workshops; schnell geht gar nichts, so der Koch. „Für ein Foto stehst du schon einmal 40 Minuten“, zerstört er beim Workshop für den Essens-Lieferdienst Mjam.at die Hoffnung auf ein nebenbei geschossenes Bild vom Tagesmenü. Genau genommen sollten sogar zwei Personen an der Inszenierung der Gerichte arbeiten, „einer kümmert sich um das Essen, der andere um Licht, Kamera und Requisiten“. Dementsprechend hilft auch Cliff Kapatais (Pixelcoma Photography) mit, Burger, Parfait und Sushi ins rechte Licht zu rücken.

Vor allem höhere Speisen wie Torten oder eben Burger hätten nämlich ihre eigenen Gesetze. Für sie geht der Fotograf in die Knie, „ansonsten ist die Ansicht von oben – wie man ja auch bei Tisch sitzt – die ideale“, so Kapatais. Der realistische Zugang zeichnet das Duo bei den Speisen-Inszenierungen aus. Lacke oder andere Chemikalien verwenden sie ungern. Ist Glanz gewünscht, kommt etwa ein Öl-Wasser-Gemisch zum Einsatz („ein Klassiker des Food-Stylings“, so Grillenberger).

Per Zufall zur „Bild-Regie“

„Grillys“ eigener Weg führte vom Koch in Topbetrieben wie dem „Taubenkobel“ und der „Waldschenke“ übrigens durch Zufall zum Foodstyling. „Der Chef wollte neue Bilder für die Homepage, und ich wurde auserkoren, dem Fotografen zur Hand zu gehen.“ Der meldete sich wieder, offenbar hatte der Novize Grillenberger seinen Job gut gemacht. Heute setzt der Oberösterreicher Gerichte für Kochjournale und Supermarkt-Magazine in Szene, daneben ist er als Kochlehrer für Private und Firmen (wie AEG) tätig. Neben technischen Anweisungen – „50-mm-Objektiv und 1,8er-Blende für Tiefenschärfe“ bzw. „ISO auf 100 einstellen, Belichtungskorrektur +1/3“ – versorgt das Duo Gastro-
nomen auch mit einfachen Tricks: „Handschuhe verhindern Fett- oder Griffspuren am Teller“.

Weiches Licht, etwa ein mit Packpapier gesofteter Halogen-Strahler von rechts oben auf den angerichteten Teller, täuscht dem Betrachter die natürliche Wahrnehmung vor. „Auch die Sonne fällt in der Regel so auf Gegenstände“, sagt Grillenberger. Denn es geht trotz der elektronischen Medienumgebung auch viel um Psychologie. Werden Teller etwa nur angeschnitten statt gänzlich im Bild zu sein, erhöht das die Aufmerksamkeit. „Das Gehirn beschäftigt sich aufgrund des Eindrucks ,Da fehlt etwas‘ länger mit dem Gericht“, so Fotograf Kapatais. 

Und was lässt den Betrachter wegklicken? „Große leere Flächen sind zu vermeiden.“ Stattdessen werden auf frontal aufgenommenen Fotos möglichst viele Komponenten nach vorne gebracht. „Richtig anrichten ist die halbe Miete“, so „Grilly“, denn nicht die Kamera entscheide über Bilder zum Anbeißen. „Das geht sogar mit dem Handy gut.“

Weitere spezielle Tipps haben die beiden Profis für die ÖGZ zusammengefasst:
Saucen: Gerne auch eine zarte Reflexion mitaufnehmen, rät der Profi. „Das verleiht mehr Struktur als ein einfärbiger ,Fleck‘ am Teller.“

Besteck: „Darüber gibt es echte Glaubenskriege“, lacht Cliff Kapatais. Seine Faustregel: Wenn es ins Bild kommt, dann realistisch, „etwa Fleisch mit der Gabel in der Sauce“.

Desserts: Hier können Makroobjektive eingesetzt werden, „für Nahaufnahmen filigraner Texturen“. Das verleiht u. a. auch Saucenspiegeln im Bild mehr Struktur.

Dampf: „Das ist nur mit Photoshop gut hinzubekommen“, so der Food-Fotograf. Alternativ lässt sich tropfenweise kochendes Wasser am Teller aufbringen oder ein gekochter Erdapfel „unsichtbar“ hinter dem Gericht platzieren.

Schnitzel: Bei großflächigen Speisen sind Farbkontraste (Zitrone) wichtig, auch eine Wölbung bringt Struktur. „Fürs Schrägstellen von Fleisch oder Ähnlichem hilft ein Klecks Marzipan als unsichtbare Unterlage.“

Autor/in:
Roland Graf
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